Stimmt.de

Stimmt! Magonline lesen!

Nachricht-Detail

Geile Wochen für Jos

Übersicht

Ups! Habe gemerkt, dass ich -mit Ausnahme des Fußballberichts- schon sehr lange nicht mehr geschrieben habe... Also darüber, was ich so treibe und was bei mir los ist, deswegen dachte ich mir, erzähle ich nun einfach mal von den interessanten Sachen aus den letzten paar Wochen:

Regen- bzw. Wasserchaos

Seit Theresa weg ist (sie war für einen Monat bis Mitte April da, darüber schreibe ich aber nochmal extra), ist wieder einiges passiert. An ihrem letzten Wochenende gab es hier sehr starken Regen, es hat ungefähr fünf Tage durchgeregnet. Dadurch ist der Rio Mapocho (der größte Fluss in Santiago) über die Ufer getreten und große Teile der Innenstadt wurden überflutet. Die Stadtautobahn war größtenteils gesperrt und auch die Metrolinie 1, die wir zum Glück fast nie benutzen, war zum Teil unter Wasser und fuhr nicht. Das schlimmste aber war, dass die Wasserreservoirs in den Bergen durch Schlamm und Geröll dermaßen stark verschmutzt wurden, dass Aguas Andinas, der Wasserversorger Santiagos, für große Teile der Stadt einfach das Wasser abgestellt hat. Wir hatten also knapp zwei Tage kein Wasser.

Doch es kommt noch viel schlimmer. Als das Wasser wieder angestellt wurde, geschah das mitten in der Nacht von Sonntag auf Montag. Da wir ohne Wasser zum Teil nicht wussten, in welche Richtung die Wasserhähne zu gehen, waren zwei (einer in der Küche und einer in Ninas Zimmer) statt komplett zu, komplett aufgedreht. Zudem waren sie zum Teil ein wenig verstopft und es kam zuerst Erde aus dem Hahn, so dass die Waschbecken ziemlich schnell überliefen. Da es aber Nacht war und alle schliefen, konnte das Wasser ungestört zwei Stunden ins Haus laufen.

Um 6 Uhr morgens wurde ich dann von Jessi geweckt und langte neben mich auf den Boden, um mein Handy zu nehmen, dieses lag jedoch in 10 cm tiefem Wasser (dazu muss man erklären, dass Theresa und ich auf Matratzen auf dem Boden geschlafen hatten, weil mein Bett so klein ist und ich natürlich am Tag ihrer Abreise zu faul gewesen war, das Bett wieder aufzubauen). Alle waren mega in Panik und wir fingen direkt an, unsere Sachen zu retten. Ich trocknete direkt mein Handy und meinen Laptop, der auch im Wasser lag. Mein neues Handy, das ich erst zu Weihnachten bekommen hatte, war leider kaputt, aber den Laptop konnte ich zum Glück noch retten.

Danach waren wir stundenlang damit beschäftigt, mit Besen das Wasser die Treppe runterzukehren, gingen noch Heizlüfter kaufen und stellten die direkt auf. Nina hatte dabei das meiste Pech, da sie Teppichboden in ihrem Zimmer hat, der danach über eine Woche noch nass war und natürlich anfing zu stinken. Die restlichen Zimmer waren aber zum Glück innerhalb von 2 Tagen wieder trocken. Die erste Nacht habe ich mit Renke in seinem Bett geschlafen, aber danach war mein Zimmer wieder bewohnbar. Trotzdem war es echt eine ziemlich schlechte Erfahrung, auf die ich gern verzichtet hätte.

Colonia Dignidad

Neulich war ich auch mit einem Kumpel mal in Las Condes, um in der deutschen Gemeinde hier den Film "Colonia Dignidad“ zu schauen, der um eine deutsche Kolonie während der Diktaturzeit hier geht. (Ist übrigens sehr gut und interessant, wen die Geschichte Chiles interessiert: unbedingt anschauen!! ) Dabei ist uns extrem aufgefallen, wie krass der Unterschied zwischen den ärmeren Vierteln, in denen wir leben und arbeiten und den reichen Vierteln ist. Bei Regen verwandeln sich unsere Straßen in Flüsse, während es dort eine gut funktionierende Kanalisation gibt. Auch sind dort alle Straßen, Häuser und Parks sehr gepflegt, in den armen Vierteln gibt es dafür einfach kein Geld. Es ist schon sehr ungerecht verteilt.

Im Hogar

Die nächsten Wochen lief alles relativ normal, auch im Hogar ist alles super. Zurzeit sind leider ständig mindestens zwei Kinder im Krankenhaus, da eine Bronchitis im Hogar rumgeht, die bei einigen der Kinder ziemlich schlimm wurde.

Außerdem kommen in letzter Zeit immer wieder Schulklassen von reichen Schulen aus Las Condes (dem Reichenviertel) ins Hogar, um Tüten mit Essen zu spenden und den Kindern etwas vorzuführen. Das ist leider viel schlimmer, als es sich anhört. Die Mütter kommen mit ihren riesigen, teuren Geländewagen in den Hof gefahren und parken alles bis zum Tor so zu, dass niemand von uns mehr normal die Kinder holen und wegbringen kann. Dann fallen Horden von verzogenen 11- und 12-Jährigen ein, die entweder so wild mit den Kindern spielen, dass sie sich zum Teil wehtun, oder aber sie anstarren wie Zootiere. Dann wird meistens etwas vorgelesen oder die Schüler führen ein kleines Theaterstück auf, das aber 1- bis 2- jährige Kinder relativ wenig interessiert, so dass am Ende nur die Eltern und die anderen Schüler zuschauen. Aber das komplette Haus ist voll. Außerdem habe ich das letzte mal eine Tia dazu befragt und sie meinte, dass die Spenden überhaupt nichts bringen, da es dem Hogar nicht an Süßigkeiten oder Essen, sondern an Geld mangelt. Geldspenden wären viel ergiebiger, anstatt einen Vormittag lang den Hogar verrückt zu machen.

Im Krankenhaus

Vor ein paar Wochen war ich im Krankenhaus, es klingt aber dramatischer an als es in Wahrheit ist. Wir waren freitags feiern und als ich dann am Samstagmorgen aufwachte und etwas trinken wollte, war das nicht möglich, da uns am Tag davor das Wasser abgestellt wurde. Wir hatten blöderweise vergessen, es zu bezahlen. Als ich dann runter ins Wohnzimmer ging, stand auf dem Tisch eine Wasserflasche und ich habe mich gefreut, dass noch etwas drin war. Nach dem ersten Schluck jedoch fiel mir ziemlich schnell auf, dass es noch von Marvins Putzen übrig gebliebenes Wasser-Putzmittel-Gemisch war, das schon so lange dort stand, dass sich der Schaum gelegt hatte und es wie Wasser aussah. Mir wurde direkt so übel, dass ich meinen kompletten Mageninhalt entleerte und auch danach noch über zwei Stunden mit Bauchweh und Übelkeit im Bett lag. Als ich das dann meiner Mutter erzählte, schrieb sie mir, ich sollte direkt ins Krankenhaus, es könnte eine Vergiftung sein. Ich rief die Jungs und wir telefonierten erst einmal mit Claudia, unserer Mentorin, die uns eine Klinik empfahl, wo wir dann direkt mit dem Taxi hinfuhren. Nach stundenlangem Warten sagte mir der Arzt dann, dass ich Glück gehabt hätte und es ein ungefährliches Putzmittel war. Ich bekam ein Magenmedikament verschrieben und konnte wieder nach Hause. Danach lag ich jedoch noch drei Tage flach, konnte nichts wirklich essen und bekam dann auch noch Fieber. Ich war übrigens nicht der einzige Dumme, Ninas Freund Alan hatte auch einen Schluck getrunken, es aber im Mund gemerkt und wieder ausgespuckt.

Mein Geburtstag

Direkt am Montag danach, als ich noch krank war, hatte ich Geburtstag. Ich verbrachte den Tag also größtenteils im Bett. Dafür haben wir am Samstag darauf ordentlich gefeiert. Wir haben gegrillt, ich hatte dafür zusammen mit Momo (einem deutschen Kumpel) ziemlich viel Fleisch und Beilagen besorgt, und danach Party gemacht. War echt ein toller Abend und am nächsten Tag war noch so viel übrig, dass wir gleich nochmal grillen konnten :D Am Sonntag war außerdem noch das EM-Spiel Deutschland gegen Ukraine, was wir mit ein paar Kumpels die extra geblieben sind angeschaut haben, so dass das Wochenende perfekt war.

 

Party

Die Woche danach hatten wir dann leider das genaue Gegenteil. Marvin hatte uns über eine Freundin eine richtig große Party klar gemacht (anscheinend sollten 80 Leute kommen). Die lag jedoch ziemlich außerhalb von Santiago, so dass wir mit Metro, Bus und Uber ewig dahin gebraucht haben und erst um 2:30 ankamen. Wir staunten nicht schlecht, als wir zu dem Haus liefen, das in einer geschützten Siedlung lag, die unglaublich reich war. Die Häuser waren riesengroß, jedes hatte Pool und mindestens fünf Autos davor stehen (manche sogar eine Jacht). Auch das Haus, in dem die Party stattfand, war groß und echt geil gebaut, die Besitzer müssen mindestens Millionäre sein. Wir kamen also rein, in Erwartung der Riesenparty, was sich aber ziemlich schnell als Flop rausstellte. Es waren genau sieben Leute außer uns da. Richtig gelesen, SIEBEN. Wir waren natürlich entsprechend enttäuscht und schlecht gelaunt, haben dann aber angefangen, mit den Leuten zu reden und was zu trinken. Nach einer Stunde beschloss jedoch die Gastgeberin, dass die Feier zu Ende war und wollte uns rausschmeißen. Das hat unsere Laune nicht gerade verbessert, wir diskutierten ein bisschen mit ihr, aber irgendwann wollte ich nur noch nach Hause.

Es hat eine Weile gedauert, biss ich alle zusammen hatte und wir gehen konnten. Auf der Straße waren wir dann anscheinend ein wenig laut, auf jeden Fall kam sie uns hinterher gerannt und schrie uns an, dass irgendjemand die Polizei rufen würde, wenn wir nicht leiser sind. Einer meiner Kumpels (ich nenne besser keine Namen) war ziemlich besoffen und hielt es für eine gute Idee, ein Straßenschild auszureißen. Als dann ein anderer das Schild auch noch unbedingt mitnehmen wollte, diskutierte ich so lange mit ihm bis er es hinlegte, was meine Laune natürlich auch nicht gerade steigerte. Dass wir dann aber gerade aus der Siedlung raus waren, stellte sich meine Überredungskunst als sehr vorteilhaft heraus, da uns die Polizei entgegenkam. Ich, als der am wenigsten Besoffene, musste ihnen dann alles erklären, einer von uns musste seinen Ausweis angeben und wir konnten weiter. Da war es aber noch nicht zu Ende, denn es gab so spät nachts (es war so gegen 5:30) keine Uber oder Taxen mehr in der Gegend. Wir standen also bei um die 0 Grad eine Stunde lang rum. Einfach nur so... dann beschlossen wir, jemanden zu fragen, wo denn die ersten Busse abfahren. Auf dem Weg dahin haben wir dann ein Taxi gefunden, was uns dann zum Glück endlich nach Hause gebracht hat.

Mein neuer Pass

Ich habe übrigens in der Woche auch meinen Pass bei der deutschen Botschaft abgeholt, den ich ca. einen Monat davor endlich beantragt hatte, nachdem er mir im November geklaut wurde. Zwei Tage später war ich direkt mit Claudia (unserer Mentorin) beim Departamento de Extranjería, dem Ausländeramt. Dort wollten wir in Erfahrung bringen, ob ich ein neues Visum brauche für die Ausreise. Nach drei langen Stunden des Wartens wurde uns aber gesagt, dass es mit den Dokumenten, die ich habe und meinem chilenischen Ausweis auch so geht.

Das ist auch gut so, da wir in drei Wochen schon zurück nach Deutschland fliegen. Langsam müssen wir schon anfangen, unseren Abschied zu planen, nochmal alle Freunde sehen und unsere Möbel und andere Sachen verkaufen, die wir nicht mit nach Hause nehmen können. Mein Jahr in Chile neigt sich bald schon dem Ende zu...

Galerien

Regionale Events