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Selbstfolter und andere Wandererfahrungen

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Zu allererst ist Vorsicht geboten. Wenn ihr weiterlest, sollte euch bewusst sein, dass dieser Blogartikel Spuren von Sarkasmus, Ironie und Übertreibungen beinhalten kann. Doch beginnen wir von vorne: Ab Dunedin machen wir uns auf den Weg nach Wanaka, wo wir eine Nacht lang im Base Hostel übernachten und uns wieder einmal mit Sander treffen.

Nordinsel Neuseeland 

Zu unserer Überraschung entdecken wir zwei bekannte Gesichter: Zwei holländische Mädels, die wir auf den Whitsunday Islands kennengelernt haben, stehen beim Einchecken plötzlich vor uns. Nach einem kurzen Gespräch mit den beiden nehmen wir uns unseren Block, Stifte und Sander (für die Insidertipps) zur Hand und planen in gemütlicher Atmosphäre unsere Reise auf der Nordinsel Neuseelands. Daraufhin kochen wir gemeinsam das Abendessen und lassen es uns jeweils zu zweit auf dem Stuhl in der viel zu kleinen Küche des Hostels schmecken. Nach dem Abwasch üben wir uns in dem neuen Kartenspiel, das Alessia uns beigebracht hat und gehen schließlich in die Mint Bar, wo wir den Abend gemeinsam mit Sander, Tom aus England und Cedric aus der Schweiz bei ein paar Cidern ausklingen lassen.

Der nächste Tag beginnt entspannt: Wir fahren von Wanaka nach Franz Josef und treffen dort bei unserem Couchsurfer Kahu, einem geborenen Kiwi sowie Bob Marley 2.0, ein. Um unseren Hunger zu stillen gehen wir in der kleinen Touri Stadt im viel zu überteuerten, aber einzigen Supermarkt einkaufen und kochen abends für Kahu und uns Tortellini. Auch Kahu darf unser neues Kartenspiel kennenlernen und redet mit uns noch bis spät in den Abend hinein über Gott und die Welt. Der nächste Tag beginnt viel zu früh und wird uns all' unsere Kräfte rauben. Hoch motiviert machen wir uns trotzdem bereits morgens auf den Weg und starten unsere siebenstündige Wanderung auf dem Alex Knob, einem Wanderweg in Franz Josef. Leider ist es an unserem Ziel jedoch so neblig, dass wir nicht einmal 10 Meter weit sehen können und deshalb den schönen Gletscher nicht zu Gesicht bekommen.

Pancake Rocks 

Mit letzten Kräften bewältigen wir den Abstieg und fallen dann wirklich erschöpft und mehr als müde in unsere Luftmatratzen. Nach diesen 20,6 Kilometern heute, fehlt sogar jegliche Kraft, den Tagesablauf in meinem Reisetagebuch aufzuschreiben und das Ganze wird ein einziges Gekritzel. Am nächsten Tag steht glücklicherweise eine längere Fahrt an. Dank unserem Muskelkater wären wir nämlich nicht im Stande gewesen, uns auf unseren Füßen auch nur ein paar Meter zu bewegen. Unterwegs bleibt uns allerdings nichts anderes übrig, als in Punakaiki kurz auszusteigen, um uns die Pancake Rocks anzusehen. Trotz der kühlen Temperaturen ziehen wir unsere Flipflops an, um die Blasen und Druckstellen, die durch unsere Wanderschuhe entstanden sind, nicht spüren zu müssen. Gegen Nachmittag kommen wir im süßesten Hostel an, das wir bisher gesehen haben. Im Laughing Kiwi Backpackers essen wir zu Abend, packen unsere Backpacks für das nächste Abenteuer und genießen dann die entspannte Nacht in den bequemen Hostelbetten. Diese werden wir in den nächsten vier Nächten im Zelt nämlich sehr vermissen.

Denn der nächste Tag bringt Verrücktheit mit sich. Wir starten unsere fünftägige Wanderung auf dem Coastal Track des Abel Tasman Nationalparks. Ob wir uns das denn wirklich gut überlegt haben? Augen zu und durch! Denn immer noch gilt mein Lebensmotto "Geht nicht, gibt's nicht". Mit Zelt, Schlafsäcken, Pullis, einer Decke und Essen für fünf Tage beginnen wir bei Sonnenschein in Marahau und wandern bis nach Anchorage.

An unserem ersten Campingplatz endlich angekommen, baden wir im eiskalten Meer, da wir die nächsten Tage auf eine Dusche verzichten müssen. Während dem Kochen auf dem Campingkocher lernen wir Alina und Valentina kennen und gehen später bei Dunkelheit gemeinsam in eine Höhle am Strand, in der wir Glühwürmchen beobachten. Danach geht es warm angezogen ab in unsere Schlafsäcke, wo wir dem Regen außerhalb unseres Zeltes entfliehen und die ganze Nacht lang hoffen, dass unser eher nicht so hochwertiges Zelt auch wirklich wie nach Herstellerbeschreibung wasserdicht ist.

Selbstfolter 

Glücklicherweise wachen wir tatsächlich im trockenen Inneren des Zeltes auf und machen uns auf den Weg nach Tonga Quarry. Als wäre es nicht genug, sich mit 20 Kilogramm schweren Backpacks auf dem Rücken über viele Kilometer hinweg selbst zu foltern, macht uns auch noch das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Nachdem wir morgens auf Ebbe warten müssen (welche nicht eintrifft), ziehen wir unsere Hosen aus, damit diese nicht nass werden und waten durch oberschenkelhohes, eiskaltes Flusswasser.

Halbwegs trocken am anderen Ufer angekommen, beginnt es plötzlich wie aus Eimern zu schütten. Unsere Regenjacken weichen durch und auch die Sachen im Backpack bleiben nicht ganz unversehrt. Völlig durchgefroren machen wir Halt, ziehen uns um und hoffen, dass der Niederschlag nachlässt. Nach einer kurzen Stärkung, setzen wir unsere Selbstfolter...äh sorry, Wanderung fort und kommen nachmittags mit unserem Zuhause auf dem Rücken endlich auf unserem "Campingplatz" (oder auch einer Bucht mit Plumsklo) an, wo wir von den Sandflies zerstochen werden. Um unsere Rückenschmerzen, Hüftschmerzen und nicht mehr spürbaren Füße ein bisschen ausblenden zu können, schauen wir uns abends zwei Folgen "Blackmirror" an und schlafen dann auf dem unglaublich unbequemen Untergrund ein.

Nach einigen nächtlichen Krämpfen und gefühlten Millionen Positionswechsel, wachen wir morgens zerknittert auf und beschließen unsere Wanderung tatsächlich frühzeitig abzubrechen. Während Monty noch denkt, dass Kerstins Aussage "Falls morgen Nacht nicht die Sonne scheint, gehen wir wieder nach Hause" ein Witz war, ist uns beiden ganz bewusst, dass die Wanderung zwar ein Erlebnis ist, doch fünf Tage einfach zu viel sind. Gemeinsam nehmen wir uns vor, noch 3 Stunden durchzuhalten und dann das Wassertaxi zurück nach Marahau zu nehmen. Doch das Blatt wendet sich - zu meinem Glück: schon nach 20 Minuten stehen wir wieder vor einer überfluteten Stelle, die wir nicht überqueren können und beschließen, bereits ab Onetahuti Bay mit dem Wassertaxi zurückzukehren. Wieder in Marahau angekommen, fahren wir nach Motueka und vor uns liegen nach dem Duschen und Wäsche waschen 12 Stunden Schlaf in den bequemen Betten des Laughing Kiwi Backpackers Hostel, den wir in vollen Zügen genießen.

Wieder erholt 

Ausgeschlafen und wieder einigermaßen fit beginnen wir den nächsten Tag und fahren nach Nelson. Da es wieder einmal regnet, machen wir einen Halt an der Richmond Mall und fahren dann weiter nach Nelson, wo wir durch die Stadt bummeln und uns spontan für den Film "The Greatest Showman" im Kino entscheiden. Da wir noch warten müssen, bis wir bei unserem Couchsurfing Host eintreffen dürfen, kommt es sogar so weit, dass wir auf einer Parkbank Abiturwissen in Mathe wiederholen und Fremdwörter lernen. (Was Langeweile nicht alles mit den Menschen macht...) Nach einer langen und entspannten Nacht verbringen wir den nächsten Tag wieder in Nelson, erledigen einige Dinge, machen Sport, gehen einkaufen und kochen schließlich gemeinsam zum Abendessen. Immer noch traumatisiert von der dreitägigen Wanderung durch den Abel Tasman Nationalpark, weigern wir uns, viel zu laufen. Doch an dieser Stelle muss erwähnt werden: Trotz allem, war es eine abenteuerreiche Erfahrung und wir hatten die ein oder anderen witzigen Minuten, um uns von der Last auf dem Rücken abzulenken.

Allerdings hoffen wir auch, dass das Tongariro Crossing unsere letzte große Wanderung wird und wir den Rest der Nordinsel ohne weitere Selbstfolter erkunden können. Ich halte euch diesbezüglich natürlich auf dem Laufenden.

Grüße aus Nelson

Jenny

 

 

 

 

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