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Rosarote Theaterbrille

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Poesie liegt in der Luft, in Mozarts Geburtsstadt, an diesem 31. Januar. Salzburg ist stolz auf den namhaften Komponisten, nach ihm wurde das Mozarteum, Salzburgs XXX benannt. Ich bin auf dem Weg zum Schauspieldepartment, dem "Thomas-Bernhard-Institut“, es ist mal wieder Zeit für ein Vorsprechen.  
Das Hauptgebäude des Instituts hat seinen Sitz am "Mirabellplatz“.

Nicht allein

Poesie liegt in der Luft, sie reicht bis in die Namensgebung der Bushaltestellen. Ich erinnere mich wieder an die Straßenzüge, muss schmunzeln beim Gedanken an folgendes Erlebnis aus dem letzten Jahr. 

Im Januar 2018 habe ich mich ins Musikgebäude verirrt, abseits der Probebühnen. Einem Bewerber aus Wien ist dasselbe passiert. So saßen wir zu zweit in einem menschenleeren Gang, warteten über eine halbe Stunde auf andere Schauspielinteressierte – vergeblich. Wir müssen ratlos dreingeblickt haben, sodass eine Musikdozentin auf uns aufmerksam wurde, uns angesprochen hat, worauf wir denn warten?

"Die Zulassungsprüfung, die ist nicht hier, packt eure Sachen, ich laufe mit euch rüber!“ Zur "ZLP“, wie die Abkürzung lautet, kamen wir natürlich zu spät. Das Warm-Up hatte schon begonnen, der Aufenthaltsraum über und über voll mit Menschen – von wegen, menschenleerer Gang…

Starke Truppe

Dieses Vorsprechen ist ein Besonderes. Es ist wie Zurückkommen, diesmal kenne ich ja das Schulgebäude. Die Atmosphäre am Mozarteum hat mir gut gefallen, es ist die Schule, wo ich mich am wohlsten gefühlt habe. "Kommen Sie wieder“, war das Feedback. Gesagt, getan. Der Ablauf ist reibungslos, um zehn Uhr geht es los. 

So kann man den Schwung aus dem Warm-Up direkt mit auf die Bühne nehmen. In meiner Kommission sind wir zu fünfzehnt, wir dürfen einander zuschauen. An einem Tisch sitzen die Schulleiterin, ein Sprecherzieher und ein Dramaturg – ihn erkenne ich wieder, er saß mir im Auswertungsgespräch gegenüber. Ob er sich erinnert

Mein Name steht an letzter Stelle. Das heißt ich habe Gelegenheit, allen aus meiner Gruppe beim Spielen zuzusehen. Es macht Laune, die Kommission hat Lust zu schauen, wir Bewerber - Lust zu spielen. Bevor ich dran bin, komme ich in den Genuss von 14 tollen Monologen. Eine starke Truppe.

Entspannte Atmosphäre 

Nachdem die ersten Rollen gezeigt sind, berät sich die Kommission darüber, welche Rolle sie als nächstes sehen möchte. Für einen kurzen Moment schießt mir der Gedanke in den Kopf, übermütig eine neue Rolle angeboten zu haben. Spontan habe ich Pauline Piperkarcka aus Gerhart Hauptmanns "Die Ratten“, die ich für die zweite Runde an der Ernst Busch vorbereite, auf den Rollenzettel geschrieben. Die Wahl fällt auf "die Piperkarcka“. Premierenfieber! Wer hätte gedacht, dass "die Piperkarcka“ die Rolle ist, die mir den Eintritt in die zweite Runde verschafft? (Über)Mut lohnt sich!

Bis die Nachmittagsrunde beginnt haben wir Zeit, uns in der "Lounge“ zu entspannen. Die Studenten aus dem ersten Studienjahr haben gekocht, ein Tischkicker ist aufgestellt, wir spielen Brettspiele zum Zeitvertreib. Ein gewisser Wolfgang Amadeus darf nicht fehlen, sein Blick aus dem goldenen Bilderrahmen thront über dem Geschehen. Es herrscht Wohnzimmeratmosphäre, die Stimmung ist gelöst, bei uns 15, die weiter gekommen sind. Mein Eindruck ging wohl in dieselbe Richtung, wie der der Kommission: Sieben der fünfzehn Vorsprecher der zweiten Runde waren mit mir in der ersten Runde, gut die Hälfte also. Eine starke Truppe!

Alte Bekannte 

Gegen 17 Uhr geht es weiter, diesmal bin ich an vierter Stelle dran. Die Bühne ist eine größere als in der ersten Runde, die Kommission besteht jetzt aus rund 15 Dozenten. Studenten sitzen im Publikum. Das ist der Moment im Vorsprechen, der wirklich motiviert: Ab Runde zwei spielt man vor Zuschauern im Saal, sehr aufmerksamen Zuschauern. Dieser Bühnenmoment ist viel Wert. 

Als dritte Rolle habe ich den "Puck“ aus dem Sommernachtstraum von William Shakespeare im Gepäck. Ihn habe ich letztes Jahr schon gezeigt, auch vor der großen Kommission. Arbeitsaufträge dazu waren unter anderem "Puck auf Pilzen“ und "Puck der sich Gehör verschaffen will“. Als ich den Raum betrete, kommt prompt die Frage auf: "Wir erinnern uns an Ihren Puck im letzten Jahr, den haben Sie in der zweiten Runde auf LSD gemacht, oder?“ Ja! Tatsache, sie erinnern sich. 

Voller Einsatz

Der Grundtenor der meisten, die gespielt haben, lautet: "Heute Vormittag war es besser…“ Jedes Mal spielen ist anders. Und der Wille ist groß, die Leistung, mit der man morgens überzeugt hat, noch einmal abzurufen. Unabhängig von Tageszeit und Energielevel. 

Mit einigen arbeiten sie an ihren Monologen, mich lassen sie größtenteils ausspielen. Jonathan aus Zürich soll als einziger sein Lied vortragen, er singt "Bella Ciao“, baut stellenweise Beat-Box-Passagen ein. Man hört ihn bis auf den Flur aus Leibeskräften grölen. Wir Wartenden müssen uns das Lachen verkneifen. Er nimmt sich selber nicht so ernst und hat Spaß, das ist die Hauptsache. 

Es kann sich nur noch um Stunden handeln. Gegen 22 Uhr sind die Würfel gefallen. Die Anspannung in den Gesichtern der Bewerber, Studenten und Dozenten ist nicht von der Hand zu weisen. Wir werden zum Einzelgespräch gebeten, sie nehmen sich Zeit für persönliche Kritik. Kurz und schmerzlos: Es ist ein Nein. Nur fünf kommen weiter in die dritte Runde.

Rosarote Theaterbrille 

Die Grundstimmung ist dementsprechend betrübt, in der Lounge ist es still. Gedankenverloren packen die meisten ihre Kostüme zusammen, machen sich auf den Heimweg. 

Lennart aus Bonn muss zufällig in dieselbe Richtung, gemeinsam machen wir uns auf den Weg um den letzten Zug um 23 Uhr noch rechtzeitig zu erwischen. Das Mozarteum lassen wir im Dunkeln hinter uns. Es ist immer wieder verblüffend, wie wenig man während des Vorsprechens "von Draußen“ mitbekommt. Der Tag vergeht wie im Flug, plötzlich ist es Nacht. Die Zeit dazwischen? Wie durch eine rosarote Theaterbrille

Wieder gilt: Es bleibt keine Zeit zum Grübeln, in drei Tagen geht es schon wieder weiter zum Vorsprechen nach Bochum. Wieder an die Folkwang Hochschule, aber für einen anderen Studiengang, "Physical Theatre“. Das ist gut so, dann sind die Karten neu gemischt. Auf ein Besseres!

 

 

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