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Bienvenido a Santiago de Chile!

Übersicht

Wir sind nach 26 Stunden und 17 Minuten Reisedauer (davon 19 Stunden im Flugzeug), zweimaligem Umsteigen in Santo Domingo und Panama und fünf Stunden Zeitverschiebung am Abend des 30. Juli in Santiago angekommen.

Am Flughafen wurde ich von meiner Gastfamilie abgeholt, die ich durch meinen chilenischen Tandempartner in Freiburg kennen gelernt habe. Dessen Schwester wohnt glücklicherweise in Santiago de Chile und hatte ein freies Zimmer in ihrer Wohnung.

Sie wohnt zusammen mit ihrem 20 Jahre alten Sohn in Las Condes, einem eher wohlhabenderen Viertel von Santiago. Von dort aus sind es circa 25 Minuten mit der Metro in die Innenstadt. Wir haben uns darauf geeinigt, dass ich den ersten Monat dort wohnen könne, bis ich eine etwas zentralere Studenten-WG gefunden habe. Die anderen beiden wohnten für die erste Zeit in einem Hostel im Zentrum. Meine Gastfamilie war sehr nett, wir aßen am Abend noch etwas zusammen aber ich ging relativ früh schlafen, da ich aufgrund der Zeitverschiebung doch sehr müde war.

Auf ins kalte Nass

Leider regnete es die ersten Tage nach unserer Ankunft nur. Für Santiago, eine Stadt mit sehr wenig Niederschlag pro Jahr, die pure Katastrophe! Straßen wurden überschwemmt, die Nachrichten waren voll von Schreckensszenarien (wie z.B. Erdrutsche), die sich im Norden des Landes abspielten und die Straßenverkäufer verkauften anstatt frisch gepresstem O-Saft und Hamburguesas nur noch Regenschirme. Man konnte keine Straße trockenen Fußes überqueren, da die wenigen Gullydeckel (wenn es überhaupt einen gab) mit dem ganzen Wasser komplett überfordert waren.

Belohnt wurden wir dafür mit einem wunderschönen Blick auf die schneebedeckte Cordillera, die man nur an klaren Tagen sieht, da sie sonst vom Smog verdeckt wird. Apropos Schnee: die Chilenen kennen weder Zentralheizung noch isolierte Fenster. Trotzdem kann es im Winter sehr kalt werden. Es kam also öfter vor, dass wir in Jacke und Schal beim Essen saßen, da es in den Häusern genauso kalt war wie draußen und die kleinen Gas-, oder Elektroheizöfen nur spärlich benutzt werden. Den Chilenen scheint das nichts auszumachen und jedes Mal, wenn wir uns über die Kälte beschwerten, ernteten wir den Spruch "Aber in Deutschland wird es doch viel kälter im Winter". Das stimmt zwar…aber wir haben isolierte Häuser, Heizungen und müssen nur draußen dick eingepackt herumlaufen!

Wohnung: Check!

In der ersten Woche standen Wohnungsbesichtigungen auf dem Plan. Über diverse Internetseiten suchten wir nach der perfekten WG, uns wurde aber schnell klar, dass wir unsere Erwartungen ein wenig zurück schrauben mussten. Jede Wohnung, die auf den Bildern noch so toll aussah, stellte sich als eher mäßig heraus und es dauerte fast fünf Tage mit bestimmt 20 Besichtigungen, bis jeder von uns etwas gefunden hatten.

Julika würde in eine 4er WG mit einer Deutschen, einer Mexikanerin und einer Chilenin ziehen, Leo in ein Haus speziell für Austauschstudenten mit jeweils 5er WGs auf jedem Stock und ich werde mit einer Chilenin zusammen ziehen, die auch Jura studiert, allerdings auf einer privaten Uni. Da wir alle etwas in dem Stadtteil Providencia gefunden haben, wohnen wir relativ nah beieinander und können zu jeder Wohnung in 20 Minuten laufen. Mein Fußweg zur Uni beträgt ca. eine halbe Stunde.

Chilenische Bürokratie    

In der zweiten Woche machten wir uns an unsere Anmeldung. Da wir ein Studenten Visum haben, mussten wir uns innerhalb der ersten 30 Tage bei der internationalen Polizei melden und beim Einwohnermeldeamt eine Cedula de Identitad (chilenischer Personalausweis) beantragen. Das hört sich leichter an als getan. Aufgrund unserer schlechten Spanisch Kenntnisse und mangelnder Vorbereitung (vergessener Reisepass, Kopie des Visums ohne Einreisestempel, nicht leserlicher Einreisestempel) und zusätzlicher Menschenmassen, die anscheinend jeden Tag die Ämter heimsuchen, verbrachten wir gefühlte volle zwei Tage auf den Ämtern. Julika fast drei, denn sie musste aufgrund des nicht leserlichen Einreisestempels alle Ämter noch einmal abklappern. Am Ende hatten wir jedoch auch die chilenische Bürokratie überlebt. Wer weiß, was uns beim Abholen der Cedula erwartet…

Chaos pur!

Ein weiterer Punkt auf unserer To-Do Liste war die Universität. Die Kommunikation gestaltete sich schon in Deutschland als schwierig, daher machten wir uns nicht allzu große Hoffnungen, in unseren ersten Wochen etwas zu erreichen.

Von den anderen Austauschstudenten (und etwa nicht von unserem Auslandskoordinator!) erfuhren wir, dass der Start der Vorlesungen wohl noch einmal um drei Wochen nach hinten verlegt wurde. Das wir die freie Zeit zum Reisen nutzen wollten, stand außer Frage, denn immerhin wird uns die Zeit von unseren Sommerferien gekürzt. Ein bisschen googeln, ein bisschen Flüge vergleichen…und heraus kam Lima! Die nächsten Wochen waren also mit Reisen verplant, aber wie genau das mit der Uni und vor allem der Kurswahl funktionieren sollte wussten wir immer noch nicht. Wir gingen also ein-, zweimal persönlich vorbei, aber schlauer wurden wir daraus auch nicht. Unser Auslandskoordinator schickte uns ans Sekretariat, da dies für Einschreibung der Kurswahl zuständig war. Diese wiederum meinten jedoch, dass es für Auslandsstudenten spezielle Regelungen gäbe und wir das doch mit dem zuständigen Koordinator für Austauschstudenten klären sollten. Einmal stießen wir auf einen Professor, der ein bisschen mehr Ahnung zu haben schien. Das Online Portal für die Kurswahl wäre wohl ab dem 7. September geöffnet und funktioniert nach dem Prinzip "first come, first serve". Eher weniger vorteilhaft, wenn man bis zum 11. September in Peru ist.

Aber immerhin eine Info! Wenn wir irgendwann einmal alles herausgefunden haben sollten, werde ich einen Leitfaden für die nächsten Studenten schreiben, in der Hoffnung, dass sich die Uni bis dahin nicht wieder etwas neues einfallen lässt!

 

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