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Afrika zum Anfassen

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Vor einem Jahr stellte ich mir noch die Frage, wie es nach der Schule weitergehen soll. Jetzt stehe ich im togolesischen Westafrika selbst vor einer Klasse und 50 braune Augenpaare richten sich auf mich. Dabei ist das noch eine kleine Klasse, im Extremfall liegt die Größe bei bis zu 120 Schülern. Das Problem hierbei ist der Lehrermangel.

Und so kam ich mit meinem Freiwilligendienst ins Spiel, um die Lehrer mit ihren Aufgaben zu entlasten. Zusammen mit rund 30 anderen Freiwilligen von verschiedenen deutschen Organisationen lebe ich in der Region Kpalimé. Die Stadt hat etwa 85.000 Einwohner, und alle notwendigen Einrichtungen sind zu Fuß oder mit dem Rad gut erreichbar.

Klassenarbeiten korrigieren

Zu Beginn des neuen Schuljahres Anfang Oktober kam ich in meine Gastfamilie in ein Dorf etwa 20 Kilometer außerhalb der Stadt Kpalimé. Meine Aufgabe im Projekt war die Lehrer-Assistenz, was unter anderem bedeutete, Klassenarbeiten und Tests zu korrigieren und auch ein paar Mal selbst den Unterricht vorzubereiten und zu halten. Die Herausforderung dabei war, französischsprachigen Schülern die englische Sprache beizubringen. Außerdem habe ich mehrmals die Woche in einer örtlichen Grund- und Vorschule Kinder betreut, wobei die Jüngsten nur die lokale Sprache Ewe verstanden, so dass ich mich mit ihnen kaum unterhalten konnte.

Neues Projekt

Aus diesen und weiteren Gründen entschied ich mich dazu, mein Projekt und damit auch meine Gastfamilie zu wechseln. Zur Hälfte meines Freiwilligendienstes begann ich, in der Ordensgemeinschaft der Mutter Teresa Schwestern zu arbeiten. Sie kümmern sich um die Ärmsten der Gesellschaft und nehmen Kranke bei sich auf, um sie zu pflegen. Meine Aufgabe in dieser Einrichtung ist die Unterstützung der Schwestern und der Mitarbeiter, dazu zählen Essen servieren, waschen, putzen und die Patienten durch Gespräche oder Spiele zu unterhalten.

Eine religiöse Gemeinschaft, bei der die Freiwillige Hausarbeiten erledigt, hört sich erstmal nicht so super an, und ich hätte mich letztes Jahr auch nie auf so ein Projekt beworben. Allerdings sehe ich nun hier, dass ich eine sinnvolle Tätigkeit habe. Die Menschen freuen sich immer, mich zu sehen und strahlen trotz ihrer Krankheiten eine besondere Atmosphäre aus, wodurch die Zeit dort immer sehr schön ist.

Nicht ganz ungefährlich

So eine völlig neue Umgebung birgt viele Unterschiede und auch Risiken. Zweimal hatte ich bisher Malaria, was in seinen Symptomen einer normalen Erkältung gleicht. Durch einen schnellen Bluttest beim Arzt lässt sich einfach herausfinden, ob es diese Krankheit ist, die sich dann mit Medikamenten und Ruhe heilen lässt. Es gibt nur wenige Freiwillige, die nach einem halben Jahr in Togo noch keine Malaria hatten. Mittlerweile habe ich mich gut in der togolesischen Kultur eingelebt. Durch die Hautfarbe bekommen wir Freiwillige viel Aufmerksamkeit, es liegt aber auch in der Art der Menschen, dass man auf der Straße fremde Leute anspricht und beobachtet.
 
Eine andere Auffälligkeit sind die Stromausfälle, die zum Alltag gehören. Sie dauern meist nur kurze Zeit an und sind auch nicht weiter schlimm, da es in den Haushalten kaum elektronische Geräte gibt. Kühlschränke beispielsweise besitzen die wenigsten Familien, Fernseher sind weit verbreitet. Meine Gastfamilie hat wie viele andere Haushalte auch einen Brunnen im Hof. In der Trockenzeit von Januar bis März sank der Grundwasserspiegel zwar, Wassernot gab es aber nicht.

Schlaglöcher, Motorräder und mehr

Begeistert bin ich von den Fortbewegungsmethoden. Auf den Straßen Kpalimés sieht man nicht viele Autos, sondern hauptsächlich Motorräder. Um von A nach B zu kommen, kann ich umgerechnet für 15 bis 40 Cent auf diesen Maschinen mitfahren. Die Preise sind nicht festgesetzt, sondern Verhandlungssache. Die Infrastruktur ist dürftig. Die Straßen sind in einem schlechten Zustand, und die vielen Schlaglöcher zwingen einen zum Slalom fahren. Bei vielen anderen Straßen fährt man nur auf Sand oder Schotter.
 
Nach dem Wechsel von Gastfamilie und Projekt habe ich mich wieder gut eingelebt. Ich hoffe in den verbleibenden Monaten noch schöne Erfahrungen zu sammeln und am Ende auf eine sinnvolle Arbeit zurückzublicken.

Weitere Informationen

 
Mein Freiwilligendienst läuft über das entwicklungspolitische Förderprogramm "Weltwärts“, wird also vom Staat gefördert. Interessierte finden auf der Website eine vollständige Liste aller Projekte, die über diesen Träger laufen. Meine Organisation ist der SCI (Service Civil International). Er arbeitet mit Partnern auf der ganzen Welt zusammen. Viele Projekte gibt es in Ecuador, Indien und Togo, aber auch in Tansania, Thailand, Kambodscha, Frankreich, Schottland und den USA.
 

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