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Nicht genug von den USA gesehen

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Es ist Juni und meine Zeit in den USA neigt sich deutlich dem Ende entgegen, denn am 24. Juli geht es schon nach Hause - leider. Ursprünglich wollte ich erst im August fliegen aber die Flüge im August waren um einiges teurer als im Juli und somit hat sich meine Organisation gegen August entschieden und einen Flug im Juli gebucht.

Mit der kommenden Abreise bekam ich immer mehr das Gefühl, nicht genug von der USA gesehen zu haben und daher habe ich Anfang Juni beschlossen, gleich zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Ken, ein Freund von mir aus Thailand, den ich während meines Austauschjahres in Russland kennen gelernt habe, hat für etwa drei Monate in den USA gearbeitet und wollte sich mit mir in New York vor seiner Rückreise nach Thailand, treffen. Kens Arbeitgeber war KFC (Kentucky fried chicken) eine bekannte Fastfoodkette, die ihm sogar eine Wohnung und eine freie Mahlzeit plus acht Dollar Stundenlohn gestellt hat, was wirklich nicht schlecht ist.

Als Volunteer sind die finanziellen Mittel für das Reisen natürlich ziemlich beschränkt aber New York ist gerade einmal fünf Stunden Busfahrt von D.C. entfernt und insgesamt hat die Busfahrt für mich nicht mehr als 35 Dollar gekostet. Für das Hostel gingen allerdings noch einmal 54 Dollar flöten aber immerhin war es fast direkt am Broadway und nur wenige Minuten zu Fuß von der Metro entfernt. 
 

Für kurze Zeit in New York

Um so viel Zeit wie möglich in New York verbringen zu können, buchte ich mein Busticket für 7 Uhr morgens. Tom fuhr mich zum Busbahnhof in D.C. und vier oder fünf Stunden später war ich schon in New York. Da Ken erst einige Stunden später ankommen würde, beschloss ich, das berühmte Museum of Modern Art, kurz MOMA, zu besuchen. In New York ist der Eintritt in Museen leider nicht frei, so wie in D.C., sondern sogar recht Preis intensiv - 25 Dollar hat es mich gekostet aber dafür bekam ich auch einiges im Original zu sehen, was ich bisher im Kunstunterricht nur auf der Projektorleinwand betrachten konnte und natürlich ganz viel Neues. 

Auch wenn es von Thema USA etwas abschweifen mag, möchte ich doch kurz über zwei Designer Kunstwerke berichten, die ich beide ziemlich interessant fand.

Zum einen war der der "Earthquake proof table", Erdbebensicherer Tisch, von den Designern Ido Bruno und Arthur Brutter, beide Israelis, in Zusammenarbeit mit Bezalel Labs Research & Development sowie der Bezalel Academy of Art and Design. Laut der Studien des Bezalel Labs sind etwa 300 Millionen Studenten tagtäglich von Erdbeben gefährdet, weshalb Bruno und Brutter beschlossen haben etwas zu tun, um diese Studenten besser zu schützen. Man sagt ja, dass bei einem Erdbeben der Platz unter dem Tisch der sicherste sei, aber wenn wir doch mal ehrlich sind und uns die Tische, die heutzutage in den meisten Klassenräumen stehen mal genauer anschauen, kann an dieser Aussage nicht all zu viel dran sein - zumindest würde ich mich nicht darauf verlassen.
 

Clevere Konstruktion bei Erdbeben

Der "Earthquake proof table" ist natürlich auch nicht komplett "erdbebensicher", wenn man es denn so übersetzen möchte, tatsächlich bricht die Sperrholzplattete, wenn fünf Tonnen Stahl, Beton oder Steine (wie ich im Video gesehen habe) auf sie fallen, allerdings bleibt das stählerne Gerüst, das heißt die Beine und der Rahmen des Tisches dabei unversehrt und unter dem Tisch bleib genug Hohlraum für etwa drei zusammengedrungenen und geduckten Studenten oder Schüler. Wenn man sich die Konstruktion des Tisches anschaut, kann man sich auch denken warum und ich finde die Designer waren ziemlich clever. Wie man sehen kann hat die Tischplatte an vier Punkten und einer Linie durch die Mitte der Breitseiten Kontakt mit dem Stahlgerüst, dabei ist das Gerüst an den vier Ecken dünner und gibt somit leichter nach, während die "Linie", welche die zwei Dreiecke an der Breitseite des Gerüstes verbindet, aus dicken Stahl besteht. Fällt eine schwere Last auf die Tischplatte bricht diese in zwei Teile, da sie an den Ecken weniger vom Gerüst unterstützt und in der Mitte von der "Stahllinie" nach oben gehalten wird bildet sie aber eine Art Hausdach. Somit bleibt man zumindest beim ersten "Schlag" recht unversehrt, wenn man den Platz unter dem Tisch wählt und zusätzlich wird man nicht von der Tischplatte zerquetscht. Anscheinend sind diese Tische recht leicht und man kann sie außerdem während eines Erdbebens zum Tunnelbau nach draußen verwenden. Recht praktisch, nicht zu teuer und so wie ich das einschätzen kann, ziemlich nützlich und effektiv

Das zweite Kunstwerk, das mich erstaunt hat, war der "Mine Kafon Wind-powered Deminer" (Windbetriebener Minenräumer) von Moussad Hassani, geboren in Afghanistan. Hassani wuchs in Qasaba einem Dorf zwischen Kabul und Jalalabad auf und fertigte Spielzeuge aus allen möglichen gefundenen Materialen an. Seine Lieblingsspielzeuge waren runde Objekte die vom Wind betrieben wurden. Während seiner Kindheit wurden vieler seiner Freunde von zerstreuten Minen getötet oder verletzt und während seiner Zeit in der Designerschule in den Niederlanden dachte Hassani an diese Unglücke sowie seine Spielzeuge und produzierte letztere von neuem, nur größer und schwerer, aus Bambus und biologisch abbaubaren Plastik. Zusätzlich rüstete er sie zudem mit einem GPS-Chip aus, der den sicheren Pfad abspeichern sollte. Hassanis Idee war es, dass man die Minen mit seinem Design auslösen und somit buchstäblich aus dem Weg zu räumen könnte. Natürlich wird der sogenannte Kafon dabei halb zerstört aber das zerstreute Plastik und Bambus kann zum Bau eines neuen Kafons verwendet werden. Wenn der Kafon in die Massenproduktion gehen würde, wäre es möglich ihn für nur 40 Dollar das Stück herzustellen, während heute verwendete Minenräumer um die 1000 Dollar pro Mine kosten können.

Maussud Hassani hate eine geniale Idee und hat es mit Hilfe der Website Kickstarter geschafft sein Projekt mit gespendeten 119.000 Pfund zu finanzieren.

Ich hätte jedenfalls noch länger in dem Museum bleiben können aber ich wollte Ken, der kein Handy besitzt, nicht auf mich warten lassen.
 

Gigantische Bedeutung der Statue

Getroffen haben wir uns auf dem Timessquare vor dem riesen Toys'R'Us-Laden und gemeinsam beschlossen wir, als aller erstes die bekannteste Touristenattraktion von New York zu besuchen - die Freiheitsstatue. Ken meinte die Tickets für die Fähre wären umsonst, was so natürlich so nicht ganz stimmte. Die Tickets zu der Insel, auf der diese Statue errichtet wurde, hätte uns 30 Dollar gekostet aber die Fähre die ziemlich nah an ihr vorbei fährt war kostenlos.

Ich finde diese Statue schön und ihre Bedeutung ist gigantisch, insgesamt war ich allerdings weniger begeistert, vielleicht hätte ich doch besser auf die Insel gehen sollen, von der Ferne sieht sie schon recht klein und weniger beeindruckend aus. Ich kann mich noch ganz deutlich an das Gefühl erinnern als ich die "?????? ????" Mutter-Heimat-Statue in Wolgograd gesehen habe. Mit ihrem Fundament ist sie sogar größer als die Freiheitsstatue von New York und auch wenn meine amerikanischen Freunde mir sagen, dass sie ja eine weniger wichtige Bedeutung als die Freiheitsstatue habe, da sie ursprünglich den Patriotismus für die Sowjetunion beflügeln sollte sowie einen Art Racheengel symbolisiert, kann ich dem nicht ganz zustimmen - immerhin steht sie direkt über dem Denkmal der über zehntausenden gefallenen Soldaten, wenn auch nur der, der Sowjetunion. Bedeutung hin -oder her, die Heimat-Mutter-Statue zieht mit ihrem offenstehenden Mund, aus dem ein Schrei zu kommen scheint, ihren erhobenen Schwert und ihrem nach Vorne ausgestreckten Arm, mich einfach mehr in ihren Bann und löst durch ihre scheinbare Lebendigkeit mehr Emotionen aus als die stillschweigend stehende und ernst dreinschauende Freiheitsstatue in New York, aber dass ist nur meine Ansicht und soll erklären warum ich insgesamt nicht bereit war, 30 Dollar herzugeben, um sie von Nahem betrachten zu können. Wenn es um die Bedeutung geht, finde ich die Freiheitsstatue aber natürlich immer noch um einiges wichtiger und ihre steife Haltung mit der Fackel in der einen erhobenen Hand und dem Buch in der anderen, vermittelt sie ein feierliches Gefühl und schafft sich den Eindruck einer Ikone.
 
Ken und ich nutzten die Zeit auf dem Schiff zum Fotografieren und liefen später noch etwas am anderen Ufer herum, bevor wir uns mit der selben Fähre wieder auf den Rückweg machten.
 

Den Big Apple erkundet

Während unserer Tour durch New York betrachteten wir auch das Empire State Building, das 1931 fertig gebaut wurde und danach mit seinen 381 Metern für 40 Jahre lang den Rekord als das höchste Gebäude der Welt hielt, bis der Nordturm des World Trade Centers 1972 fertig gestellt wurde. Nach dem 11.September in 2001 "gewann" das Empire State Building wieder seinen Titel zurück, bis das One World Trade Center gebaut wurde. Heute steht das höchste Gebäude, Burj Khalifa, in Dubai und ist mit 829,8 Metern deutlich höher als das Empire State Building.

Da Ken Wirtschaft studiert, wollte er Wall Street, die größte Börse der Welt, zumindest einmal von Außen betrachtet haben. Danach machten wir noch einen kurzen Abstecher nach China Town und ich lud noch schnell mein Handy im Starbucks auf, so dass es mich später zu meinen Hostel navigieren konnte - wie praktisch wir doch im 21. Jahrhundert leben können. Das nette Zwei-Bettzimmer hatte ich sogar ganz für mich alleine. Ken übernachtete bei einen Freund von ihm.

Der zweite Tag startete recht schleppend, da wir beide recht erschöpft waren. Wir verbrachten eine Weile im Central Park, ruderten etwas auf dem Teich dort und betrachteten Schildkröten und Vögel. Nach dieser Tour machten wir uns auf den Weg zum nächsten Falaffelstand, da diese in New York anscheinend köstlich sind - nunja das halbe-Stunde-Anstehen hat sich dann nicht so wirklich gelohnt aber immerhin sind wir satt geworden. Mit gefüllten und zufriedenen Magen verging auch die Müdigkeit etwas und ich schlug vor, das "Morimoto"-Restaurant aufzusuchen, das vom berühmten japanischen Architekten Tadao Ando entworfen wurde. Ich wollte dort nicht essen aber es zumindest einmal gesehen haben, da ich mich für Architektur, besonders die der Moderne, interessiere. In Deutschland kann man eines seiner Gebäude nahe an der Schweizer Grenze bei dem Designer Museum Vitra bewundern. Um zum "Morimoto" zu gelangen, mussten wir ein gutes Stück entlang des Meeresufers laufen und nach einigen Schwierigkeiten ist es uns durch Nachfragen letztendlich doch gelungen das Morimoto auszumachen. Das Problem war, dass nicht das ganze Gebäude von Ando entworfen worden ist und das Äußere noch nicht einmal seinen Rohbeton Stil nahe kommt.
 

Unfreundliche Café-Bedienungen

Nach einigen Zögern sind wir eingetreten. Es hat sich etwas befremdlich angefühlt, lediglich am Eingang zu stehen und über das Design zu reden und dann das Restaurant wieder zu verlassen, da hier, anders als in Deutschland, immer noch Kellner am Eingang stehen, um Kunden in Empfang zu nehmen. Nach diesem flüchtigen Blick in das Innere des Restaurants sind wir die gesamte, 1,45 Meilen lange, sogenannte New Yorker High Line entlang gelaufen, um zu meinem Busstop zu gelangen, ein anderer als der, an dem ich angekommen bin. Die High Line ist die alte Hochbahnterrasse in Westen Manhattans, auch West Side Line genannt, die 2006 zu einem linearen Park umgestaltet wurde. Es sind die wahrscheinlich interessantesten 1,5 Meilen die ich bisher durch New York gelaufen bin - man sieht viele historische Stadtteile New Yorks sowie alte und moderne Gebäude und außerdem einige Kunststücke, nicht zu vergessen die breite Vielfalt der Pflanzen des Parks, die es um einen herum zu bewundern gibt. Dementsprechend machte ich auch einige Fotos und schon bald musste ich feststellen, dass der Akku meines Handys leer war, auf dem auch mein Busticket gespeichert war. Somit beschlossen wir, einen Starbucks ausfindig zu machen, um mein Handy wieder aufzuladen. Nach etwa einer halben Stunde Suche und Fragerei fanden wir dann auch einen und wie groß war die Enttäuschung, dass ausgerechnet dieser Starbucks weder eine Steckdose für Kunden bereit stellte noch eine Toilette! Ja, richtig eine Toilette! Ersteres war natürlich ziemlich ärgerlich aber letzteres ist verrückt uns in den USA sogar illegal - welches Café hat den bitteschön keine Toilette. Der Bedienung war es sehr unangenehm mir diese zwei Tatsachen mitzuteilen. Ich war noch nie ein Starbucks-Fan, trinke noch nicht einmal Kaffee, aber ich fand es ziemlich geschickt, dass man an jeder Ecke einer größeren Stadt einen Starbucks finden kann und weiß, dass dort Steckdosen für Kunden bereitgestellt werden - nunja, wohl nicht immer und in Zukunft ist es wohl doch besser einfach in dem nächsten Café nachzufragen. 

Jedenfalls hatte auch der McDonalds keine Steckdosen, aber immerhin eine Toilette sowie Internet und später benutzte ich einfach Kens iPad mini, um den Konduktor mein Ticket zu zeigen – auf die Idee hätte ich auch früher kommen können. Ich verabschiedete mich von Ken, den ich sobald wohl nicht mehr sehen werde und dessen Reiseroute vor Thailand noch nach Südkorea führte - so gerne wäre ich mit ihm gereist, denn ich war noch nie in einem asiatischen Land. Um etwa ein Uhr nachts war ich wieder zurück in D.C. und wurde von Tom abgeholt.

Meine Investition hat sich mehr als gelohnt und ich hoffe, dass ich es vor meiner Abreise noch einmal nach New York schaffen werde, da ich unter anderem gerne noch das Guggenheim - sowie das Withney Museum besuchen gehen möchte.
 

Beide Führerscheine nicht anerkannt

Nun zu einem ganz anderen Thema, das Autofahren in den USA. Mittlerweile habe ich mich sogar daran gewöhnt, unter der Woche fahre ich jeden Tag für etwa anderthalb Stunden, wenn es schnell gehen muss oder ich am Nachmittag früher nach Hause gehen darf und ich somit die Rush Hour vermeiden, kann es auch mal weniger sein.

Einen Unfall habe ich (noch) keinen verursacht, aber das muss ich auch nicht, hier gibt es genügend verrückte Autofahrer, die mir das abnehmen. Das interessante am Autofahren hier ist, dass bei einer der schärferen Kurve jeden Morgen ein kleiner Stau entsteht, warum ist mir bis heute nicht klar, es muss wohl doch noch Leute geben die auch mal Gebrauch von den Bremspedal machen. Insgesamt finde ich das aber recht nervig, weil man dann durch den Ketteneffekt fast immer zum Stillstand kommt und zurück in den ersten Gang schalten muss - und das auf dem Highway. Aber was beschwere ich mich eigentlich, ich bin mir sicher, dass es dasselbe Problem auf den deutschen Autobahnen während der Rush Hour Zeit gibt, nur dass ich davon bisher verschont geblieben bin. Was ich in Deutschland aber noch nie gesehen habe, ist ein Zug, der inmitten der Straße anhält und seine Passagiere dort aussteigen lässt. Hier in Gaithersburg gibt es auch keine Plattform obwohl der Platz dazu da wäre. Als Autofahrer muss man sich dann eben damit abfinden, zehn bis fünfzehn Minuten vor geschlossenen Bahnschranken zu stehen und zu warten. Ich hoffe ich kann davon noch ein Foto machen. Ach ja, man sagt ja, dass wer in die USA geht und dort seinen deutschen Führerschein benutzen möchte, laut der Behörden einen sogenannten internationalen Führerschein beantragen soll. Dieser kostet etwa 10 Dollar plus ein Passfoto und hat die ungeschickte Größe einer A5 Seite. Meine Erfahrung war, dass dieses zusätzliche Dokument eher ineffektiv ist. Als ich einmal einem Polizisten meinen internationalen sowie meinen normalen deutschen Führerschein vorzeigte, bekam ich nur ein Kopfschütteln und durfte nicht fahren. Die Umstände waren aber so, dass zu diesem Zeitpunkt keine Strafe oder ähnliches bezahlen musste, da ich mich nicht am Steuer, sondern auf dem Beifahrersitz befand und lediglich das Lenkrad übernehmen wollte. Wie das kam, ist eher uninterssant. Was ich mache, wenn ich wieder gestoppt werde, dieses Mal am Steuer sitze und der Polizist meine Führerscheine wieder nicht anerkennt, weiß ich noch nicht. Wir werden sehen. Ich möchte damit niemanden entmutigen, wollte aber darauf hinweisen, dass man sich auf eine ähnliche Reaktion wie ich sie bekam gefasst machen sollte.
 

Der Umgang mit Demenzpatienten

An meiner Arbeit hat sich wie auch in den letzten Monaten nicht all zu viel geändert. Da es jetzt häufig warmes und schönes Wetter ist, unternehme ich regelmäßig Spaziergänge mit einer ausgewählten Seniorin - Männer gibt es in Kindley fast keine. Nur wenige 100 Meter von Kindley entfernt, befindet sich ein kleiner Teich, mit zwei Fontänen und wunderschönen Bäumen. Auch dieser Blogeintrag wurde teils dort verfasst. Eigentlich alle der Senioren und Seniorinnen benötigen einen Begleiter für Spaziergänge, da viele vergesslich sind oder starke Gleichgewichtsprobleme haben und man letztere besser beim Arm oder der Hand nimmt. Einer Seniorin, Mrs. Smith (Name geändert), bei der ich eine Gitarre in der Ecke entdeckt und anschließend gestimmt habe, bringe ich gerade ein paar Gitarrengriffe bei. Außerdem spielt sie Klavier, möchte aber immer aufhören sobald sie angefangen hat und braucht deshalb viel Ermutigung. Sie hat eine großartige Stimme, wenn sie singt und ist früher wohl auch oft aufgetreten. 

An einem Tag, während des Morgenkreises der Angestellten, erfuhr ich von einer Krankenschwester, dass Mrs. Smith am Morgen völlig in Tränen aufgelöst und mit gepackten Sachen vorgefunden wurde. Es ist bekannt, dass sie an Demenz erkrankt ist, aber so ein Verhalten war sehr untypisch für sie, da sie eigentlich immer nur lacht, aus Gründen die man sich manchmal noch nicht einmal erklären kann. Nach dem Meeting beschloss ich sie besuchen zu gehen und fand sie wie beschrieben vor, mit gefalteten Klamotten auf den Bett, in welche Teebeutel, Statuen und Papiere gestopft waren, sowie einigen Boxen auf den Boden. Ich habe sie versucht zu beruhigen, aber sie war fest davon überzeugt, dass sie aus Kindley sofort und unwiderruflich ausziehen müsste. Warum konnte sie nicht erklären oder ich konnte es nicht verstehen, denn sie hat einen großen Wortschwund und kann sich besonders in Aufregung nur schwer artikulieren. Ich beschloss sie erst einmal zum sechsten Stock zu bringen und vor das Klavier zu setzen, wo sie sich tatsächlich auch mehr beruhigte. Ich erklärte, dass alles sei ein Missverständnis, dass ihre Nachbarin ausziehen würde und man wahrscheinlich ihren Namen verwechselt hätte. Wenn ich eines gelernt habe, ist es, dass es in diesem Stadium der Demenz meiner Erfahrung nach unmöglich ist, der betroffenen Person zu erklären, das alles nur Einbildung sei. Wie dieses Beispiel zumindest zeigt, war es um einiges besser, das ganze als ein Missverständnis auszugeben, dessen Ursprung bei einer unbekannten Quellen liegt und nicht bei der Seniorin selbst. Eine logische und mehr rationale Erklärung scheint für die betroffene Person leichter erfassbar zu sein. Neulich habe ich passend dazu den Film Shaddow Iland mit Leonardo Decaprio angeschaut.
 
Mittlerweile fange ich schon etwas an zu packen und mein Apartment auszuräumen und alles was ich dort gelasen habe zu Toms Haus zu bringen.

Der nächste Blogeintrag wird also vermutlich mein letzter sein.
            

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