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Seit meinem letzten Bericht ist mehr Zeit vergangen, als mir lieb ist und das, obwohl ich außer vielen Filmen und verschiedenen Sprechzimmern gar nicht viel gesehen habe.
 

Qué pasó?


Nachts kühlt es auf sieben Grad ab, während es tagsüber oft die 30 Grad Schwelle erreicht. Viele neue Eindrücke, eine unbekannte Umgebung, andere Luftverhältnisse, viele kleine verschnupfte Kinder, und ich landete erneut im Bett - mit dem gleichen Virus
 

Meine neue Familie


Da ich die letzten zwei Wochen im Bett verbringen musste, wurden sowohl ich, als auch meine Gastfamilie direkt auf die harte Probe gestellt. Obwohl ich anfangs noch versuchte, mich in den Kindergarten zu schleppen, waren meine Gasteltern und ich irgendwann der Meinung, dass ich ins Bett gehörte. Das Tagesprogramm wechselte also bereits nach einer Woche von Märchen erzählen, mit den Kindern spielen, Obstsalat machen und Spanischunterricht zu Unmengen von Tee trinken, im Bett/auf der Couch liegen und viele Filme schauen. Ich wollte meiner Gastfamilie natürlich nicht gleich nach meiner Ankunft "zur Last fallen" oder ihnen noch mehr Arbeit auftischen, doch sie kümmerten sich die ganze Zeit sehr, sehr lieb um mich. Lieblingstee und massenweise Obst wurden nur für mich gekauft, Bücher in Englisch und haufenweise Filme standen zur Verfügung, sodass ich schnell wieder auf die Beine kam und meine Zeit hier genießen konnte.
 

Arztbesuche über Arztbesuche


Arztbesuche in Argentinien sind als "Tourist" gar nicht so einfach. Das erste Mal haben wir direkt den Reisepass daheim vergessen, also hieß es: umkehren und wieder zurück fahren, Pass holen und den zweiten Anlauf starten. Glücklicherweise hatte ich genügend Pesos dabei, um die Untersuchung zu bezahlen. Das macht man hier nämlich direkt vor Ort. Diagnose: Virusinfekt. Daraus folgte: Bettruhe und ein Haufen verschiedener Medikamente für Hals, Ohren, Nase und Kopf. Wirklich kompliziert und schwierig ist die Verständigung mit dem Arzt bezüglich allen Unterschriften und genauen Berichten von der Untersuchung, Behandlung und Diagnose, welche natürlich nötig für die deutsche Krankenversicherung sind. Auch Medikamente muss man zum Teil direkt beim Arzt bezahlen, also noch mehr Papierkram, der ausführlich aufgelistet werden muss, damit später jeder nachvollziehen kann, dass man Grippostad für eine Grippe eingenommen hat. Wofür auch sonst?!

Nachdem diverse Medikamente jedoch nicht halfen und ich auch nach dem zweiten Arztbesuch weiterhin auf der Couch lag, ging es zum dritten Mal zum Arzt, der in Argentinien zum Glück auch sonntags Sprechstunde hat. Glück in diesem Fall wohl mehr für mich, als für den behandelnden Arzt. Diagnose: Angehende Angina, Nebenhöhlen- und Bindehautentzündung. Sowohl beim Arzt als auch im Kindergarten ist es gut, den Ausdruck "muchos mocos" zu kennen, denn Schnupfen hat immer mindestens ein Kind im Kindergarten. Meinen Anfang hier habe ich mir zwar nicht so vorgestellt, nach einem weiteren Haufen voller Medikamente, ganz viel Liebe meiner Gastfamilie, mentalen Beistand aus Deutschland, viel Tee, Harry Potter und Grey’s Anatomy schaffte ich es nach einer weiteren Woche dann das erste Mal wieder richtig aus dem Haus.
 

Argentinische Lebensfreude


Was anstand? Der 40. Geburtstag einer Bekannten/Freundin, die gleichzeitig die Sekretärin der "Escuela Dandelion" ist. Typisch für die Südamerikaner ist ihre Unpünktlichkeit oder wenn man den Spieß umdreht: Die Deutschen sind zu pünktlich. Als ich meine Gastmama um 20.30 Uhr fragte, wann wir losfahren und sie mit "in 30 Minuten" antwortete, machte ich mich also fertig und saß um 21 Uhr fertig gestylt in der Küche. Falsch gedacht! Was ich dringend noch lernen muss: Alles ist immer mindestens eine halbe Stunde später. Als wir viertel nach 10 dann (endlich) das Haus verließen, schlief die Hälfte meiner Gastbrüder bereits. Die andere Hälfte schlief auf dem Weg zum Geburtstag, beziehungsweise in der ersten halben Stunde ein. Beim Geburtstag angekommen, wurde ich von allen herzlich begrüßt. Hier erlebt man keine komischen Situationen, denn es ist, als wäre ich nicht "neu" und nicht fremd und das ist ein echt schönes Gefühl. Das Fest lief anders ab, als ich 40. Geburtstage aus Deutschland gewohnt bin. Alles war ein kleines bisschen chaotisch, laut, die ganze Zeit lief Latino-Musik, jeder aß wann er wollte und das Wichtigste: (Fast) alle tanzten Salsa. Keine Ausrede zählte, ich musste tanzen, immer noch leicht krank hin oder her. Es ging darum, Spaß zu haben und wie man diesen hat, scheinen die Argentinier ganz genau zu wissen. 

Ab jetzt werde ich endlich wieder voll durchstarten. In diesem Sinne, hasta pronto!


 

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