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18 Kinder und Friederike mittendrin

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Zur "Escuela Dandelion" brauchen meine Gastfamilie und ich mit dem Auto keine zehn Minuten. Ich arbeite im Kindergarten, der an die Schule angegliedert ist. Schule sowie Kindergarten beruhen auf der Waldorfpädagogik.

 

Löwenzahnschule 


Unsere Kindergartengruppe besteht aus 18 Kindern, zwei Maestras (dt.: Erzieherinnen) und mir. Der Alltag im Kindi hat einen bestimmten Rhythmus. Morgens werden zunächst die Früchte für den Obstsalat geschnitten. Danach werden entweder Bilder gemalt oder wir backen zusammen mit den Kleinen Brot. Verwendete Gegenstände werden nach dem Gebrauch immer gemeinsam aufgeräumt. Die Spielsachen der Jungen und Mädchen sind ausschließlich aus Holz, Filz, Wolle oder anderen Stoffen, welche die Naturverbundenheit stärken und ausdrücken sollen. Nach den ersten Aktivitäten findet der Morgenkreis statt. 

 

Persönliche Entwicklung


Auch die eigene Fantasie und Entwicklung der Kinder spielt in der Waldorfpädagogik eine wichtige Rolle. Jedes Kind soll sich so entwickeln dürfen, wie es ist und seiner Fantasie soll - nach Möglichkeit - keine Grenzen gesetzt werden. So haben die Puppen beispielsweise nur zwei Punkte als Augen und einen schmalen Strich als Mund. Dadurch können die Kinder das Gesicht selbst fertigstellen. Nach dem Aufräumen dürfen sie für eineinhalb Stunden in den Garten zum Spielen. Anschließend kommen die Kleinen zum Händewaschen und Essen zurück in den Saal. Danach dürfen sie noch einmal in den Garten. Am Ende des Tages folgt ein Märchen als Abschluss.

Für den Morgenkreis, "la Merienda" (dt.: das Frühstücken) und das Märchen gibt es bestimmte Lieder, die alle Kinder zusammen mit den Maestras singen: „Tú que reinas sobre las estrellas haznos dignos de recibir. Con decovión y gratitud, lo que la tierra nos da.“ Auch das Essen wechselt täglich. Jeden Tag gibt es Brot oder Kekse, die aus verschiedenen Getreidesorten im Kindergarten gebacken werden. Dienstags gibt es dazu sogar Obstsalat. Wenn die Kinder im Garten spielen gibt es hier auch jeden Tag - unabhängig vom Frühstück - für alle Obst. Jedes Kind bringt nach Möglichkeit pro Tag ein Stück mit. Bevorzugt werden grüne Äpfel und Bananen. Den Tee für das Frühstück kann man aus den Blättern eines kleinen Baumes, Cedrón, kochen, der im Garten des Kindergartens wächst. 

 

Mittagsschlaf 


Da ich in den ersten drei Wochen krank war, konnte ich in dieser Zeit den Kindergarten kaum besuchen. Trotzdem haben die meisten Kinder schon Vertrauen in mich gefasst und bitten mich um Hilfe, wenn sie etwas brauchen. Das macht mich wirklich glücklich. Jedoch ist die Arbeit manchmal anstrengender, als ich zuvor vermutet habe.

Die Kinder der beiden Gruppen sind zwischen drei und sechs Jahre alt, alle wirklich süß und meistens auch ganz lieb. Manche von ihnen benötigen jedoch besonders viel Aufmerksamkeit oder Zuwendung. Rund die Hälfte der Kinder haben zum Beispiel eine leichte Form von Autismus, zu viel Kraft und sind dadurch oftmals zu aggressiv und nicht ruhig zu stellen. Wenn ich also mittags nach Hause komme, mache ich meistens - genau wie meine zwei kleinen Brüder - eine "Siesta". Ich mache sie, im Gegensatz zu ihnen, freiwillig.


 

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