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Willkommen in Patagonien

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Seit dem letzten Eintrag ist viel passiert. An einem Freitag im Dezember machte ich mich mit einer Freundin auf in den Süden Argentiniens. Nachdem wir den Reisebus beinahe verpasst hätten, starteten wir dann (natürlich mit Verspätung) die 1570 Kilometer lange Reise. Da die Reisebusse auf Grund der Entfernungen und langen Strecken meistens im unteren Stockwerk sogenannte "camas" haben, war die Fahrt, zumindest in den ersten zwölf Stunden durchaus erträglich, lustig und sogar "mas ó menos comodo".

Da wir jedoch leider davon ausgingen, dass einem in diesem Bussen Essen wie im Flugzeug serviert wird, schauten wir etwas verdattert, als wir an jedem Terminal an dem wir vorbeikamen nur zehn Minuten Ein- und Ausstiegspause machten, obwohl wir schon ein ziemliches Loch im Bauch hatten. Nachts um 24 Uhr hatten wir dann die Möglichkeit, an einer kleinen Kneipe für 100 Pesos Pommes mit Hähnchen zu essen. Wiederum nicht ganz das, das wir uns erhofft hatten, denn so lehrte sich das Reiseportmonnaie schon vor der Ankunft. Die restlichen 13 Stunden ereigneten sich ruhig: wir konnten viel schlafen, hatten Kekse als Proviant und im Bus lief "a million ways to die in the west"- nicht unbedingt unser Lieblingsfilm, aber dennoch besser als keiner, da sich die Akkus von Handy und iPod langsam dem Ende neigten und uns somit die Musik auszugehen drohte.
 
Die letzten 4 Stunden im Bus verdeutlichten uns mal wieder wie unendlich groß unser neues Heimatland eigentlich ist. Berge, Täler, Seen, Flüsse, Wälder - alles völlig unberührt. Alle halbe Stunde ein Auto, kein Haus, keine Stromleitungen, gar nichts.

Nach 26 Stunden kommen wir müde, hungrig, aber fasziniert von der wunderschönen Landschaft Patagoniens endlich in Bariloche an.

 

Die Schweiz Argentiniens


San Carlos de Bariloche, oft bekannt als die "argentinische Schweiz" liegt am Fuß der Anden in der Provinz "Rio Negro". Lauritz, der seinen Freiwilligendienst in Bariloche absolviert und ein guter Freund von uns ist, erzählte uns, dass der Name "Bariloche" vom Mapuche-Wort "Vuriloche", was soviel heißt wie "Menschen hinter dem Berg", abstammt, da die Mapuches den Vurilochepass früher dazu benutzten, um die Anden zu überqueren. Die Stadt wird von acht verschiedenen Seen umgeben, der größte und bekannteste davon ist der Lago Nahuel Haupi

Nach unserer Ankunft wollten wir so schnell wie möglich die schweren Rucksäcke loswerden und machten uns also auf zur Bushaltestelle. Da wir leider nicht wussten, dass man in Bariloche im Bus nicht bar bezahlt, sondern eine spezielle Buskarte mit Guthaben benötigt, durften wir mit Sack und Pack also wieder rausklettern und uns erstmal eine Karte zulegen. Nach weiteren eineinhalb Stunden und der Hilfe von vielen, netten Einheimischen kommen wir endlich am Kilometer sechs an, wo sich die Waldorfschule "La Semilla" befindet, in der Lauritz arbeitet.

Endlich werden wir unser Gepäck los, noch dazu kommt das Highlight des Tages: Lauritz hat für die Feria in der Schule Brezeln gemacht und uns zwei davon aufgehoben. Als wir unser Quartier bezogen, alles abgestellt, geduscht und gegessen haben machen wir drei uns auch schon auf zurück ins Zentrum um das Nachtleben zu erkunden. Da Bariloche vom Tourismus lebt und viel zu bieten hat, machen die meisten Schulen aus ganz Argentinien ihre Abschlussfahrten dorthin. Das ist auch der Grund dafür, dass egal zu welcher Tages- und Nachtzeit, egal in welcher Jahreszeit immer was los ist.


 

Urlaubsprogramm


Da sich Lauritz bestens auskennt, haben wir das Glück in einer Woche so viel wie möglich von Bariloche zu sehen, ohne uns irgendwelchen Touritouren anschließen zu müssen. Unser erster Ausflug führt in den Parque Nacional Nahuel Haupi, an einem der wunderschönen, aber viel zu kalten, Bergseen entlang.

Das Ziel: ein kleiner Wasserfall im Wald versteckt und nur zu Fuß zu erreichen. Mit dem Bus ist es eine gute halbe Stunde bis zur Conolial Suiza, wo wir eine riesige Feria besuchen. In den nächsten Tagen besteigen wir den Cerro Campanario zu Fuß und am Gipfel verspeisen wir drei auf einer gigantischen Terasse dann erstmal ein Vesper oder wie die Bayern (Lauritz) sagen: eine Brotzeit. Man hat eine fantastische Aussicht auf alle acht Seen und Bariloche - hermoso.

Den Cerro Otto, bekannt für sein drehendes Cafe auf der Spitze, erklimmen wir dann am Folgetag mit der Seilbahn. Im drehenden Cafe, von dem wir anfangs befürchteten es könnte uns beim Essen schlecht werden, verpeisen wir eine riesige Torte aus Schokolade, Merenge und Sahne, die wir zu unserem Glück vom "Moso" sogar spendiert bekommen - que suerte! Da Bariloche auch für die excelente Schokolade bekannt ist, dürfen wir es also nicht verpassen in mindestens eine Chocolaterie zu gehen und unseren lieben Familien etwas mitzubringen. Den letzten Urlaubstag verbringen wir am Strand des Lago Moreno und Lago Nahuel Haupi, da die Busse streiken. Abends kochen wir für ein paar Lehrer aus der Schule ein typisch süddeutsches Essen: Knödel mit Pilzrahmsoße!

 

Sommerliche Weihnachten


Nach acht Tagen und erneuten 26 Stunden im "geliebten" Reisebus kommen wir (bei 35 Grad) wieder in Córdoba an und meine Gastfamilie ist schon ganz gespannt, was ich alles vom schönen Bariloche erzählen werde.

Kurz danach steht auch schon Weihnachten vor der Tür. Da ich bei 38 Grad die Geschenke für alle einpacke und mich danach erschöpft wieder unter die Klimaanlage setze, bin ich nicht allzu sehr in Weihnachtsstimmung, obwohl "Noche de Paz" und andere Weihnachtslieder ständig rauf und runter laufen.

Leider gab es am letzten Weihnachten kein Raclette wie gewohnt, dafür haben wir mal wieder ein typisches Asado mit vielen Freunden veranstaltet. Die Kinder können es kaum abwarten, bis es endlich 24 Uhr ist und am 25. Dezember Weihnachten mit einem riesigen Feuerwerk und der "Noche Buena" beginnt.

Während dem Feuerwerk schleicht sich Papa Noel also ins Haus und verteilt für alle die Geschenke. In diesem Falle jedoch im gesamten Raum da unter dem 50 Zentimeter großen Weihnachtsbaum mit Kunstnadeln nicht allzu viel Platz ist. Nach der Bescherung saßen wir dann noch gemütlich bei einem gigantischen Eis zusammen, sommerliche Weihnachten haben also auch ihre schönen Seiten! 


 

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Hasnain Kazim liest in der Stadtbibliothek im K3 Heilbronn aus „Mein Kalifat“.