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Die Iguazú-Wasserfälle

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Nach anstrengenden, ermüdenden Arbeitswochen rückt unser lang ersehntes Reiseziel endlich immer mehr in greifbare Nähe. Gemeinsam mit zwei Freunden, ebenfalls Freiwillige von den "Freunden der Erziehungskunst" aus Buenos Aires, wollten wir am letzten Juniwochenende zu den Iguazú-Wasserfällen in die Provinz "Misiónes" fliegen.

Geplanter Ablauf: 6.50 Uhr von Córdoba losfliegen, um 8.10 Uhr in Buenos Aires ankommen, dort dann um 9.20 Uhr in ein Flugzeug nach Puerto Iguazú umsteigen und mich mit Kathi treffen. Von Córdoba nach Iguazú gibt es leider keine Direktflüge. Hannes wollte Freitagabends schon losfliegen. Treffpunkt: ca. 11.45 Uhr im Mango Chill Hostel, Iguazú. Unser Kurzurlaub sollte jedoch nicht so einfach beginnen, wie von uns ursprünglich gedacht.

 

Schlechte Neuigkeiten

 

Als ich am Freitagmittag aus dem Kindergarten vom Arbeiten komme und meine E-Mails checke, lese ich einen nicht sehr erfreulichen Betreff: "Ihr Flug wurde gestrichen". Nach ausführlichem Lesen stand also fest, dass mein Flug gestrichen und ich in einen späteren platziert wurde. Nach einem Anruf bei der Fluggesellschaft erfuhr ich dann, dass ich es in 20 Minuten kaum schaffen würde, dass Flugzeug zu wechseln, also wurde auch mein Flug nach Iguazú geändert, Ankunft nun anstatt 11.15 Uhr um 16.50 Uhr. Na toll. Da wir am Montagmittag schon wieder zurückfliegen lohnt sich es auf keinen Fall, nur für einen Tag dort zu sein. Durch die späte Ankunft am Samstag verliere ich den ganzen Tag - der Nationalpark schließt im Winter schon im 18 Uhr. Nach 20 Anrufen bei der Airline gibt es also keine Möglichkeit mich wieder auf den frühen Flug nach Iguazú umzubuchen, außerdem würde ich diesen, durch den späteren Flug von Córdoba aus, ja sowieso nicht mehr bekommen. Ich will aber auf jeden Fall um 9.20 Uhr los und soviel von den Wasserfällen sehen, wie eben möglich. Was nun? Zur Auswahl stehen ein Flug mit einer anderen Fluggesellschaft für 1300 Pesos, ein Platz auf der Warteliste für den ausgebuchten Flug am Freitagabend (mit dementsprechender Übernachtung am Flughafen von Buenos Aires, sollte ich denn einen Platz im ausgebuchten Flugzeug bekommen) oder den Verlust der brasilianischen Seite der Iguazú-Fälle. Keine der Optionen haut mich um.

Nach weiteren Anrufen bei der Airline wird später klar, dass ich wahrscheinlich schon gar keinen Platz mehr im frühen Flugzeug nach Iguazú bekommen würde, sollte ich jedoch einen Platz per Warteliste kriegen, hätte ich also die Chance auf 16 Stunden Flughafenaufenthalt in Buenos Aires. Mit rauchendem Kopf telefoniere ich mit meiner Chefin, da ich zu spät zu den Vorbereitungen für die Laternenfeier komme, diese wünscht mir nur "Suerte" und sagt, es wäre ja nicht das erste Mal, dass Reisenden solche Sachen passieren. Que Quilombo!!! Als ich dann endlich einen Bus Freitagabends nach Buenos Aires finde, erklärt die Airline mir, dass ich 500 Pesos (ungefähr 50 Euro) Strafe bezahlen muss, wenn ich ihren (geänderten und für mich völlig unnützen!) Flug nicht wahrnehme. Den anfangs versprochenen, "gutgeschriebenen" Flug bekomme ich natürlich nicht, von Geld ganz zu schweigen. Meiner Gastmama reißt der Geduldsfaden - dieses Mal geht sie ans Telefon: "es kann ja wohl nicht wahr sein, dass wir Strafe zahlen, wenn der Flug gestrichen wird und der andere uns nichts bringt!"

Letztendlich komme ich um die 500 Pesos Strafe rum, muss um den frühen Flug nach Iguazú zu kriegen aber für 700 Pesos noch ein Busticket nach Buenos Aires kaufen. Geld kriege ich keins zurück, wirklich ärgerlich. 10 Stunden Busfahrt sind es mir dann aber doch wert, wenn ich dafür zwei Tage die Iguazúfälle sehen kann.

 

Finalmente!

 

Nach dem Laternenfest (Beginn 17.30 Uhr) im Kindergarten sind wir zum Argentinienspiel ("Copa America 2015") gegen Kolumbien bei Freunden zum Pizza essen eingeladen. Um 17 Uhr steht also fest: 10 stündige Busfahrt nach Buenos Aires (700 Pesos extra), kein Geld zurück, dafür der frühe Flug nach Iguazú. Mir bleibt eine halbe Stunde zum duschen, richten und Rucksack packen. Als ich, mit zwei Stunden Verspätung und nassen Haaren, endlich in der Schule ankomme, sind fast alle Familien schon da. Das Laternenfest mit heißer Schokolade, Märchen, Laternenlauf und vielen Liedern hebt meine Laune zum Glück wieder ein bisschen! Nach dem Fest geht’s dann noch schnell ein paar Stücke Pizza essen, da ich durch das ganze Flugchaos nicht mal Zeit zum Mittagessen hatte. Dann werde ich auch schon zum Busbahnhof gefahren. Planmäßige Ankunft am Busbahnhof Retiro in Buenos Aires: Samstag, 8.20 Uhr, durch den vielen Nebel wahrscheinlich später. Boardingzeit für den Flug nach Iguazú: 8.20 Uhr. Die Laune verschlechtert sich wieder. Es kann also ernsthaft sein, dass ich einen Flug UND ein Busticket umsonst bezahlt habe und erst um 17 Uhr in Iguazú ankomme? Das soll wohl ein schlechter Scherz sein. Im Bus bekomme ich kein Auge zu. Alle 20 Minuten schaue ich auf die Uhr und überlege, wie viel bis Buenos Aires wohl noch fehlen mag. Mit dem Taxi von Retiro zum Aeroparque sind es wohl ca. 20 Minuten. Der Bus kommt schneller als gedacht am Retiro an und so bin ich letztendlich schon um 8 Uhr an Flughafen. Der Witz des Tages: der Flug nach Iguazú wurde um 1 1/2 Stunden nach hinten verlegt.

Nachdem Kathi und ich nach viel Chaos, Wartezeit und Stress endlich im Hostel ankommen, ist Hannes nicht mehr da. Er ist schon los zu den Wasserfällen, die Frage die sich jetzt stellt lautet: "auf die argentinische oder auf die brasilianische Seite?". Wie sich später herausstellt hatte auch Hannes am Vorabend kein großes Glück und kam erst um halb 3 Uhr nachts im Hostel an. Sein Flug hatte 3 Stunden Verspätung, der Grund: das Fußballspiel mit anschließender Verlängerung plus Elfmeterschießen.

 

Die Sage um die Entstehung 

 

Die Entstehung der Wasserfälle wird in verschiedenen Geschichten erzählt, die sich im Grundgedanken jedoch alle ähneln: Vor unzähligen Jahren lebte im Río Iguazú eine Schlange mit dem Name Boi. Die Guaraní opferten ihr jedes Jahr eine schöne, junge Frau, indem sie diese in den Fluss warfen. Alle Stämme der Umgebung trafen sich daher regelmäßig zu diesem Fest. Als eines Tages der junge Häuptling Taroba hörte, dass die Schöne Naipi geopfert werden sollte, protestierte er. Der Ältestenrat ließ jedoch keine Ausnahme zu und wies ihn zurück. Aus diesem Grund versteckte Taroba sich mit seinem Kanu am Flussufer, um Naipi zu retten. Als Boi davon erfuhr, wurde sie so wütend und wild, dass sie mit ihrem Schwanz zu heftig gegen die Flussufer schlug, dass sich die Wasserfälle herausbildeten. Taroba und Naipi verwandelte sie zur Strafe in zwei Bäume, um sie für immer voneinander zu trennen. Doch wenn die Sonne scheint, werden die beiden Bäume, die am oberen Rand der Wasserfälle stehen, durch einen Regenbogen vereint.

Im Hostel legen wir nur schnell unsere Sachen ab und machen uns direkt auf zum Busterminal, das Ziel: die brasilianische Seite der "Cataratas do Iguazu"- Catarata bedeutet Wasserfall. Mit einem Shuttlebus geht es vom Eingang des Nationalparks durch den Dschungel zu den Wasserfällen, Endstation ist ein Hotel, das sich im Park befindet. Von dort aus kann jeder in seinem eigenen Tempo zu Fuß weiter. Die brasilianische Seite ist deutlich kleiner als die argentinische, der "Teufelsschlund" (Garganta del Diablo") am Ende ist jedoch wirklich sehenswert! Man steht auf einer Besucherplattform plötzlich mitten in der Gischt, aus allen Richtungen kommen Schmetterlinge und Wassertropfen. Hier treffen wir zufälligerweise auf Hannes. Nach 3 Stunden haben wir die Spazierwege im Stechschritt absolviert und machen uns mit dem Bus wieder auf dem Rückweg von "Foz do Iguazu" nach "Puerto Iguazú". Das Einreisen nach Argentinien wird (mal wieder) zum Problem, da sich niemand richtig mit dem Typ des Visums auskennt. Zurück im Hostel lernen wir einen Haufen Amis kennen, die aus den USA zum Spanisch lernen nach Argentinien kamen. Gemeinsam mit ihnen und den Leuten, die im Hostel arbeiten, veranstalten wir zur Feier des Tages dann noch ein riesiges Asado.

 

Teufelsschlund

 

Am Sonntagmorgen machen wir uns früh auf, um die argentinische Seite zu besichtigen. Alle halbe Stunde fährt ein öffentlicher, im Vergleich zu den Taxipreisen wirklich günstiger Bus zum Nationalpark. Sogar im Winter ist es im 67 620 Hektar großen Park nie kälter als 17 Grad, wir kamen sogar in den Genuss von sonnigen, aber schwülen, 26 Grad! Glück hatten wir auch mit dem vorhanden Wasserstand, sodass wir mit einem Boot zur "Isla San Martin" übersetzen konnten. Ein Mitarbeiter im Hostel erzählte uns, dass er schon sechs Mal den Park besucht hat, jedoch noch nie auf die Insel übersetzen konnte. Auf der Insel "San Martin" haben wir die größte Spinne unseres Lebens gesehen: handgroß, schwarz, lange Beine, ziemlich widerlich ehrlich gesagt. Außerdem haben wir Nasenbären, Kapuzineraffen, Kappenblauraben, eine Schlange und ein Krokodil gesehen, ein Riesentukan hat sich leider nicht gezeigt. Zum Abschluss der argentinischen Seite fahren wir mit einem Bummelzug zur Garganta del Diablo (Teufelsschlund), wo man über schmale Stege direkt hinlaufen und dann 80 Meter tief in den "Teufelsschlund" blicken kann. Das ist das Highlight der Wasserfälle. Unmengen von Wasser stürzen hier in die Tiefe und es ist ein überwältigendes Gefühl direkt darüber bzw. davor zu stehen. Die Iguazú-Wasserfälle sind mit das Schönste, was wir je gesehen haben!

Am Abend treffen wir im Hostel auf andere deutsche Freiwillige und tauschen uns über Erfahrungen, Erlebnisse, Arbeit, Veränderungen, Ansichten und unsere Reisen aus. Mit viel Fernet schließen wir den Abend ab und sind froh, dass am Ende doch noch alles geklappt hat! Auch wenn sich langsam unsere 12 Monate schon dem Ende zuneigen. Ein Reiseziel steht mit meiner Gastfamilie für die Winterferien jedoch noch an: die Provinzen Salta und Jujuy im Norden von Argentinien!

 

 

 

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