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Auf in den Norden!

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Auch im Juli war einiges los. Nachdem schlagartig dann doch noch der Winter eingetreten ist und ich somit für ein Wochenende in Iguazú erneut die Sonne und Wärme genießen konnte, machten wir mit den Kleinen aus dem Kindergarten im Hof oft ein Lagerfeuer. Das Arbeiten macht mir immer noch viel Spaß, obwohl sich vor den Winterferien eine kleine Durststrecke bei allen breit gemacht hatte. Das kalte Wetter lässt einen manchmal durchaus wünschen, man wäre lieber mit einer heißen Schokolade im Bett geblieben. Die lang ersehnten Winterferien nutzte ich dann, um erneut nach Buenos Aires zu fliegen.

Buenos Aires - Klappe die 4.

Eine Woche lang besuchte und verabschiedete ich diverse Freunde und begleitete einige zu ihren Einsatzstellen. Es war sehr spannend zu sehen, wie unterschiedlich die Projekte von anderen Freiwilligen aussehen, arbeiten, verschiedene Aufgaben ausführen und im Endeffekt doch alle etwas gemeinsam haben: die Waldorfpädagogik. Neben der Arbeit  genossen wir auch das freie Wochenende und die freien Abende, die wir mit viel Fiesta verbrachten. Von der Abschiedsparty zweier Freunde, die mittlerweile schon wieder in Deutschland sind, zu den Mädels nach Hause - mal wieder meine Buenos Aires Unterkuft - nach Maschwitz, was sich in der nördlichen Zone von Buenos Aires befindet und ebenfalls schon Provinz ist, brauchten wir mit U-Bahn und Bus fast 3 1/2 Stunden, was wieder einmal die unglaubliche Größe dieser Stadt verdeutlicht. Nach meinen zahlreichen Besuchen in Buenos Aires könnte ich behaupten, dass Buenos Aires trotz seiner Schattenseiten, definitiv zu meinen Lieblingsstädten gehört und ich mich nun schon wirklich ziemlich gut auskenne.

Die letzte Reise

Nachdem ich aus Buenos Aires zurück war, blieb nicht viel Zeit zum Wäsche waschen und Rucksack packen, meine letzte Reise stand bevor. Gemeinsam mit meiner Gastfamilie machte ich mich auf in die nördlichste Provinz Argentiniens, um die "Quebrada de Humahuaca" zu besichtigen. Nach 700 Kilometern machten wir Zwischenstopp in einem Motel in San Miguel de Tucumán, wo wir das "Casa de Tucumán" besichtigen. Hier wurde am 9. Juli 1816 die Unabhängigkeit Argentiniens erklärt. Der Zwischenstopp in Tucumán sollte uns außerdem die Möglichkeit zum Ausruhen geben. Die zweite Hälfte der Fahrt sollte uns von 350 Meter über dem Meeresspiegel auf 3000 Meter über NN bringen. Mit sechs weiteren Leuten im Auto und dem ganzen Gepäck, welches natürlich nicht alles im Dachkoffer verstaut werden kann, bleibt nämlich nicht viel Platz, vom Fußraum ganz zu schweigen, für eine genießbare, lange Autofahrt. 

Als wir nach weiteren 600 Kilometern endlich in Humahuaca, Provinz Jujuy, am Ferienhaus ankommen, trifft uns beinahe der Schlag: Der Besitzer hat vergessen, dass wir kommen, und somit andere Gäste auf der Liste stehen. Das Ferienhaus steht uns nur zwei Tage zur Verfügung und dann? Während wir das Gepäck ins Haus schleppen, sinkt die gute Laune immer weiter, da es ziemlich unwahrscheinlich ist, für sieben Leute spontan ein anderes Ferienhaus zu finden. Im Mai war schon kaum mehr was frei, als wir auf der Suche nach einer Unterkunft waren. Der Besitzer verspricht am Telefon, sich darum zu kümmern. 

Noch eine schlechte Nachricht

Das war nicht alles: der Wassertank ist kaputt und wird in ein bis zwei Tagen ausgewechselt. Bis dahin gibt es kein warmes Wasser, wir können jedoch die Dusche in einem benachbarten, leerstehenden Häuschen benutzen. Na toll. Da die Heizung nicht funktioniert und es nachts -5 Grad Celsius hat sind wir kurz davor, wieder nach Hause zu fahren. Der Gedanke verfliegt, als wir am nächsten Tag das Zentrum von Humahuaca und den riesigen Markt besuchen, wo ich mir endlich! meinen langersehnten Pulli aus Lamawolle und verschiedene Mitbringsel kaufen kann. Die restliche Woche verbringen wir damit, die Umgebung und verschiedene Dörfer zu besuchen, in denen heute noch viele Ureinwohner leben. So besuchen wir unteranderem Tilcara, den Berg der 14 Farben (auf 4300 Metern Höhe) und Uquia.

Wir fahren in einen Kakteenwald mit dem typischen Kaktus "Carbon", der hier im Norden für die verschiedensten Zwecke dient. Die Menschen im Norden leben auf komplett andere Art und Weise. Sie sind viel ärmer, leben viel einfacher, in kleinen Häusern und arbeiten von morgens bis abends im Freien auf den Märkten um Handgemachtes zu verkaufen, z.B. Pullis, Schmuck, Essen, Jacken, diverse Keramiksachen, beispielsweise Töpfe, Tassen, Schüsseln etc.  Ein weiteres Merkmal des Nordens ist das Kauen von Coca. Man legt sich ein paar Blätter in die Wange und kaut sie ein paar Stunden. Man trifft die Mehrzahl der Einheimischen dort mit diesen Blättern im Mund an und erschrickt sich zuerst, da man denken könnte, die Männer hätten eine Krankheit bzw eine schlimme Entzündung nach dem Entfernen der Weisheitszähne. Das Kauen der Blätter soll unter anderem aufmerksamkeitsfördernd wirken und magenberuhigend sein. 

Mit dem warmen Wasser hatten wir in der gesamtem Woche kein Glück mehr. Der neue Heißwassertank wurde beim Installieren falsch montiert und war somit auch nutzlos und "quemado". Am vierten Tag gelangten wird jedoch endlich an Kohle für den Holzhofen und so konnten wir, zwar mit viel Lagerfeuergestank, dann letztendlich abends doch noch das Häuschen aufwärmen. In Córdoba hingegen könnte man denken, dass so langsam schon der Frühling einzieht. Außerdem konnten wir die volle Woche bleiben, da wir das Haus zuerst gebucht hatten, mussten dann zwar jede Nacht wo anders duschen, aber so blieb es eben wie immer typisch argentinisch, abenteuerlich

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