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Als Touristen in Kathmandu

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Inzwischen ist Anfang Mai. Ich sitze im selben Eiscafé. Der Vanille-Mokka ist leider schon weg. Vor mir hat sich gerade ein buddhistischer Mönch niedergelassen, jedenfalls dem Äußeren nach. Also niedergelassen hat er sich, da bin ich mir sicher. Nur, dass es ein Mönch ist, ist Spekulation.

Im Fernsehen läuft Real Madrid gegen Borussia Dortmund, 64. Minute, null zu null, keine Ahnung, ob das live ist. Ich kenn ein paar Nepali, die sich wesentlich intensiver mit der Champions League beschäftigen als ich. Die Bundesliga ist auch ganz populär.

Nächstes Ereignis: Urlaub. Das ist eine antichronologische Erzähltechnik und hat damit wesentliche Parallelen zur modernen Literatur.

Nach dem Zwischenseminar (Das allerdings war jetzt chronologisch.) kamen Anfang März Raphael und Malte nach Kathmandu. Ich erwähne mich weiterhin mit Personalpronomen und dementsprechend waren wir im Folgenden zu dritt.
Sie haben sogar Visa bekommen.

Während der ersten Woche sind wir im Kathmandu-Tal geblieben. Genau genommen sind wir sogar die meiste Zeit in Kathmandu selbst geblieben, es war nämlich Streik (Ich weiß nicht, wessen Idee es diesmal war.), und dann noch einen Tag, vielleicht auch zwei. Danach eigentlich nicht mehr, außer bei den indischen Lkw-Fahrern. Die wollten nicht mehr nach Nepal, weil einer von ihnen hier ermordet wurde. Nach wenigen Tagen wurde Treibstoff sehr knapp, der hätte nämlich mit indischen Lkw kommen sollen. Vor den Tankstellen haben sich lange Schlangen von Fahrzeugen gebildet, die da auch über Nacht standen, bis zur nächsten Lieferung eben. Und Taxis wurden ziemlich teuer.
 
Oh, jetzt kam mein... pürierter Schokoladenkuchen auf Eis und Espresso. Schmeckt eigentlich ganz gut. 91. Minute, Real Madrid führt mit zwei zu null.
 
Wenn man nicht gerade für seinen Gelderwerb darauf angewiesen ist, dass der Verkehr läuft, wie zum Beispiel alle Restaurantbetreiber und Ladenbesitzer Kathmandus, wenn man also als Tourist in der Stadt unterwegs ist und da auch vorerst bleiben will, ist ein Streik eine super Sache. Man kann dann nämlich die Kreuzungen am Kantipath, das ist die große Nord-Süd-Straße, diagonal zu Fuß überqueren. Sogar mehrmals. (Übrigens ist der Kantipath streng genommen eine Süd-Nord-, nämlich über eine weite Strecke eine Einbahnstraße.)
 
Na ja, eigentlich hätte man den Kuchen doch  nicht pürieren müssen.
 
Wir waren entschlossen touristisch unterwegs. Im Touristenviertel, an den den Touristenattraktionen und in Restaurants, die hauptsächlich von Touristen besucht werden. Das war eine spannende neue Perspektive. Also vor allem die Restaurants. Auf Daal Bhaat hatte ich nämlich gerade keine Lust mehr.
 
Barcelona spielt jetzt gegen Bayern, seit 43 Sekunden. Hat mir mein Gastonkel nicht vor ein paar Tagen schon erzählt, wie das Rückspiel ausgegangen ist...? Vielleicht auch nicht, was weiß denn ich.
 
Durch den Streik, jedenfalls wegen des Streiks und hier nicht näher definierter, anderer Faktoren, haben wir weniger Zeit als geplant mit dem Betrachten von Sehenswürdigkeiten verbracht und wesentlich mehr im Eiscafé und Restaurants.

Nach einigen Tagen hatte dann Shiva Geburtstag. Wahrscheinlich hatten sogar sehr viele Shivas Geburtstag, ist nämlich ein beliebter Vorname. Im Speziellen war auch die Gottheit dabei, deshalb hieß der Tag „Shivarathi“, was „Nacht des Shiva“ bedeutet, woran deutlich wird, dass meine Ausführungen fehlerhaft oder zumindest unvollständig sind.
 
Wir sind morgens nach Pashupatinath gefahren, das ist Nepals bedeutendste hinduistische Stätte, sie liegt am Stadtrand von Kathmandu ist Shiva geweiht. Das Taxi wurde gelegentlich von Kindern gestoppt, die mit Seilen die Straße blockiert und Wegzoll verlangt haben. Die hatten sogar Erfolg, beim Taxifahrer, der das allerdings mit Sicherheit bereits in den Fahrpreis eingerechnet hatte. Aus gegebenem Anlass war Wegelagerei an dem Tag offenbar gesellschaftlich akzeptiert. Einige Hundert Meter vor der Tempelanlage war die Straße wieder blockiert, diesmal von der Polizei. Die wollten allerdings kein Geld, sondern haben sich um den Verkehr gekümmert. Da waren nämlich ziemlich viele Menschen. Am Hauptheiligtum hatte sich schon eine lange Schlange gebildet. Wir sind sie entlanggegangen. Eigentlich sind wir der Straße gefolgt, die zum anderen Bereich von Pashupatinath führt. Ich nehme an, der ist weniger heilig. Nach einer Viertelstunde zu Fuß sind wir dahin abgebogen. Das Ende der Schlange hatten wir immer noch nicht erreicht.

Vor dem vermutlich weniger heiligen Bereich gab es keine Schlange. Weniger Menschen waren da aber, glaube ich, nicht. (Etwas Ähnliches wie eine Schlange gab es innerhalb der Anlage tatsächlich, nämlich einen Stau.) An manchen Stellen saßen Sadhus, das sind die heiligen Männer des Hinduismus. Normalerweise haben sie sehr wenig an, dafür sehr lange Haare. Einige sitzen auch meistens da und lassen sich für Geld fotografieren. Diesmal waren es einige mehr, Pashupatinath ist nämlich gerade zu Shivarathi ein beliebtes Pilgerziel. Irgendwo müssen da auch noch ein paar mehr gewesen sein. Die, die wir gesehen haben, hatten Grillspieße und sehr viele Zuschauer. Wegen der Zuschauer konnte ich aber nie beobachten, was sie mit den Grillspießen gemacht haben. Jedenfalls kam immer wieder ein Moment, in dem manche Beobachter die Flucht ergriffen haben.

Nach ein paar Stunden haben wir das auch getan, nur weniger dynamisch. Auf der Straße wurde es dann nämlich wiederum wesentlich enger. Wir haben uns durchgedrängt. (Das ist eigentlich nicht wahr. Ein Fragment innerhalb der Plattentektonik drängt ja auch nicht. Neben uns war eine Zeit lang eine größere Gruppe Kinder mit Betreuern unterwegs, alle hintereinander und Hand in Hand und damit in ihrer Erscheinung sehr ähnlich wie die Ägypter bei Asterix. Irgendwann kam auch mal ein Krankenwagen durch. (Ich vermute akute Dehydration.) Hinterher ist eine Gruppe junger Männer gerannt, die rechtzeitig erkannt hatten, dass sie in der Schneise hinter dem Fahrzeug wesentlich schneller vorankamen.)
 
Apropos Dehydration. Ich könnte doch mal wieder was bestellen.
                             

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