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Viel Tee in Ilam

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Am nächsten Tag haben wir Janakpur verlassen, abgesehen davon, dass es noch nicht Tag war, sondern viel zu früh. Irgendwann standen wir im Stau und irgendwann in Birtamod. Da wollten wir sogar hin, jedenfalls, um mit dem Jeep wieder wegzukommen. Da liegt der Unterschied zum Stau. Da wollten wir nämlich nur weg.

Wir wollten nach Ilam. Das ist das Nepali-Äquivalent zu Darjeeling. Die Teefelder der Äquivalente grenzen aneinander. An der Grenze (Ich meine die zwischen Indien und Nepal.). Wir waren aber nicht in Ilam, sondern in Birtamod, und standen in einer langen, geraden Straße, wo uns unsere Rikschafahrer abgesetzt hatten. Da standen auch fünf junge Männer und haben uns erklärt, dass wir zu spät dran seien. Busse führen wieder am nächsten Morgen ab sechs Uhr. So sehr wollten wir hier aber nicht hin.

"No more busses today?"
"No, tomorrow."
Wir schauen uns um. Da sind eigentlich sehr viele Busse. "Where do these busses go?"
Nein, die führen nicht nach Ilam. Schade. Ein Busjunge hat uns sogar noch "Ilam!" zugerufen, als wir mit der Rikscha vorbeigefahren sind. Aber das hat der Rikschafahrer irgendwie nicht gewollt. Andererseits wollten wir doch sowieso...
"What about the jeeps?" Von denen sind nämlich auch ziemlich viele in Sichtweite und in Bewegung.
"Yes." Der Mann mir gegenüber wackelt bejahend mit dem Kopf, wie das hier üblich ist.
"I mean, all the jeeps around over there...?"
"Yes." Er wackelt erneut. Üblich ist eben nicht nur das Wackeln, sondern auch das Bejahen. Wenn man die Frage nicht verstanden hat. Wenn sie einen einfach nicht interessiert.
Wir beraten uns kurz. "Okay... so we have to stay here over night.", teile ich dem Sprecher der Gruppe vor uns mit, den ich irgendwann zu Beginn des Gesprächs als Fahrkartenverkäufer klassifiziert habe. Wieso auch immer. Die Rikschas haben halt da gehalten.
Wenn man die Frage nicht verstanden hat. Wenn sie einen nicht interessiert. Oder wenn man ein ganz klares Interesse hat, sie nicht verstanden zu haben.
"Yes, here, our guesthouse!", enthüllt er erfreut.

Er hat allerdings Pech. Wenige Meter weiter ist nämlich ein anderes Hotel. Das sieht schöner aus, jedenfalls von der Wandfarbe her.

Die Betreiber des schöneren, tiefblauen Hotels haben auch Pech, nur wissen sie das nicht. Noch ein Stück weiter, am Ende der geraden Straße sehen wir nämlich den Busbahnhof. Und gehen eben doch mal hin, die Straße ist ja eben, da rollt sogar der Koffer. Wir erreichen ihn nicht. Vorher kommt uns ein Jeep entgegen.
Ob es tatsächlich irgendwo einen Ticketschalter gab, weiß ich nicht.

Hurra, jetzt hab ich einen meiner Obstverkäufer auf Facebook! Es ist der, mit dem Lehrauftrag für Philosophie an der Tribhuvan-Universität.

Wir erreichen Ilam etwas über zwölf Stunden, nachdem wir in Janakpur aufgebrochen sind.
Am nächsten Morgen wechseln wir das Hotel, was mir im Wesentlichen deshalb in Erinnerung geblieben ist, weil da ein Hang mit Teeplantagen und sehr vielen Treppenstufen dazwischenliegt und einer von uns seinen Koffer entgegen zwischenzeitlicher Vermutungen und Hoffnungen immer noch nicht verloren hat.

An die nächsten Tage jedenfalls habe ich sehr wenig Erinnerung. An einem, der ziemlich warm war, haben wir uns auf dem Weg zu einem See verlaufen, von dem ich eine bessere Meinung hätte, wenn wir ihn nicht doch noch erreicht hätten. An den anderen haben wir, glaube ich, hauptsächlich abgewartet und Tee gekauft. Schön. Auch wenn mir dafür jetzt die anschaulichen Beispiele fehlen.

Ich sitze im Eiscafé und würde gerne mal eine neue Einleitung zum Einsatz bringen. Zum Beispiel, indem ich mich in ein Restaurant setze.

Von Ilam aus sind wir über Biratnagar nach Bharatpur gefahren, die zweite Etappe übrigens mit fünf verschiedenen Bussen. Davon hatten wir, als wir in den ersten eingestiegen sind, keine Ahnung und haben für die gesamte Strecke bezahlt. Irgendwann hat unser Bus neben einem anderen gehalten und wir sollten umsteigen. Und dann eben noch drei mal. Das Schöne war, dass jeder Busjunge den entsprechenden Anteil des Geldes an den nächsten weitergegeben hat, obwohl jeder die Möglichkeit gehabt hätte, weit weg zu sein, wenn der nächste von uns Geld wollte. Ich hatte Fieber, von dem ich noch nicht wusste, dass das richtiger Typhus sein sollte. In Devghat, wo wir eigentlich hinwollten, war ich deshalb nicht, und Malte und Raphael haben es bei der Gelegenheit auch bleiben lassen.

Anschließend waren wir in Gorkha. Da gab es wieder sehr viele Treppenstufen, diesmal aber auf dem Weg zum alten Königspalast. Diesmal ist der Koffer aber unten geblieben. Dafür mussten wir mich irgendwie hoch bekommen, also vor allem ich.

Danach: Kathmandu. Zwei Stunden in Bhaktapur, sehr viel mehr im Eiscafé. Zwei Tagesausflüge, die dagegen leider einfach keine Chance hatten. Allgemeiner Souvenirerwerb. Und dann Zwei weniger.

Dafür hatte ich ja dann Typhus. Auf das zeitliche Management bin ich schon ein bisschen stolz. Ob Raphael und Malte mit ihren verschweißten Plastiktütchen ungehindert durch den Zoll kamen, weiß ich übrigens nicht. Immerhin, es stand ja "tea" drauf.
     

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