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Bei den geliebten Büchern

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Wie versprochen werde ich euch dieses Mal etwas von meiner erst kürzlich angefangenen neuen Arbeit berichten. Wer alle meine Berichte verfolgt hat, wird festgestellt haben, dass ich mit der Beschäftigung im Kindergarten nie zufrieden war und immer aufs Wochenende gefiebert habe. Dank eines Wechsels der für uns zuständigen Koordinatoren wurde die Suche nach einer neuen Arbeit zumindest für den Nachmittag ernsthaft begonnen und endete in einem kleinen Kulturzentrum mit Bibliothek im nicht ganz ungefährlichem Stadtteil La Cuchilla am 4. Ring. Im Verwaltungszentrum teilte man mir schon mit, dass die Bibliothekare, die dort arbeiteten, wohl sehr dynamisch seien, wovon ich mich zwei Tage später selbst überzeugen sollte. Mittwoch war mein erster Arbeitstag, da das Zentrum nachmittags erst um 15 Uhr öffnet, beginnt auch erst um diese Zeit meine Anwesenheitspflicht. Die zwei Bibliothekare Walter und Henry machten in der Tat gleich einen sehr lockeren und witzigen Eindruck auf mich. Mein neuer Alltag sollte also so aussehen, dass ich morgens von 9 bis 12 Uhr in der Guardería arbeite, dann nach Hause komme um Mittag zu essen und von 15 bis etwa 18.30 Uhr in der Bibliothek bin.
 

Arbeitsalltag


Montag, Mittwoch und Freitag finden nachmittags Violinen- und Gitarrenunterricht statt. Dieser ist nicht nur kostenlos und für jedermann, man kann sich sogar eine Violine oder Gitarre ausleihen, die in begrenzter Anzahl vorhanden sind. In den ersten Tagen habe ich die Bücher der Bibliothek geordnet, die völlig durcheinander geworfen waren und nun sortiert nach Romanen und Sachbüchern sortiert sind. Diese Arbeit hat mir total Spaß gemacht, was alle nachvollziehen können, die wissen, wie sehr ich Bücher liebe, denn natürlich hatte ich alle Zeit der Welt, um zu schmökern. Gleich zu Beginn bot ich allen Kindern beziehungsweise Jugendlichen, die mir über den Weg gelaufen sind, meine Hilfe bei den Hausaufgaben, speziell aber bei Englisch an und wurde durch ein Interesse an Deutsch- und Französischunterricht überrascht. Grob gesagt sind die Kinder, die kommen, so zwischen acht und 18 Jahre alt. Inzwischen sehen meine Nachmittage so aus, dass ich ein paar Kindern ziemlich unregelmäßig Englischnachhilfe gebe, ihnen Zeichnungen für die Schule anfertige, viel mit ihnen rede und in den Büchern rumstöbere. Generell also ziemlich gechillt ;)
 

Büchermesse

 
Heute ist in Santa Cruz die Büchermesse, die XV Feria Internacional del Libro, zu Ende gegangen. Zweimal durfte ich eine große Anzahl an Büchern durchsuchen und bin erstaunt, wie viele bolivianische Autoren es doch gibt, von denen ich auf jeden Fall teilweise etwas lesen werde. Mittlerweile habe ich aufgehört täglich ins Fitnessstudio zu gehen, was mich mit der Zeit dann doch gelangweilt hat und habe begonnen, Karate Kyokushin zu lernen. Dank eines bolivianischen Freundes bin ich auf diesen Kampfsport gekommen, der mir bis jetzt noch ziemlich Spaß macht und noch dazu anstrengend ist, also genau das, was ich will. Mal sehen, wie viel ich in den letzten Monaten noch lernen kann. Letzte Woche habe ich nach sage und schreibe acht Monaten und drei Wochen meinen bolivianischen Ausweis auf dem Amt abgeholt, den ich jetzt noch drei Monate und eine Woche nutzen kann und der bis zum 22. Oktober dieses Jahres gültig ist. Ein Hoch auf die bolivianische Bürokratie.
 
Zwischenzeitlich war ich zur Abwechslung auch mal wieder krank. Nachdem anfangs irrtümlich eine Rachenentzündung festgestellt wurde, deuteten Bluttests auf einen Virus hin. Letztendlich, nachdem ich nach ein paar Tagen Paracetamol wieder fit war, meinte eine Ärztin, es sei wohl Mayaro gewesen.
 
Inzwischen ist es leider teilweise ziemlich kalt geworden im sonst so heißen Santa Cruz. Der Winter kommt und das merkt man. Es gibt zwar immer noch Tage mit 20 bis 25 Grad Celsius, doch die Sonne ist kaum noch zu sehen und manchmal sinken die Temperaturen auf 10 Grad Celsius, vor allem nachts, was ohne Heizung, nicht gedämmten Häusern und einer Luftfeuchte von circa 90 Prozent durch täglich Regen sehr viel unangenehmer ist als in Deutschland. Also seid froh mit dem beginnenden Sommer!

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Barrierefreie Lesung

Hasnain Kazim liest in der Stadtbibliothek im K3 Heilbronn aus „Mein Kalifat“.