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Cuñape und Erdnusssuppe

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Es ist einfach der Wahnsinn, wie schnell inzwischen die Zeit vergeht. Nur noch etwa 80 Tage bis ich nach Deutschland zurückkehre und überraschenderweise genieße ich fast jeden davon.
 

Französischkurs 


Durch viele glückliche Umstände verbringe ich gerade sehr wenig Zeit in der Guardería, soll heißen nur noch zwischen zwei und drei Tagen in der Woche. An den anderen Vormittagen bin ich dann zum Beispiel auf Reuniones mit den anderen Freiwilligen, auf denen wir erzählen, was in der letzten Zeit passiert ist oder welche Aktivitäten anstehen. Auch bereite ich manchmal meinen Unterricht für nachmittags vor, denn mittlerweile hat sich ein regelmäßiger Französischkurs gefunden, bestehend aus zwei elfjährigen Mädchen, Vanesa und Yesica oder, wie sie im Französischunterricht heißen, Amélie und Fanny.

Die beiden haben täglich eine unbändige Lust, Neues zu lernen oder schon Gelerntes zu wiederholen, sodass wir inzwischen meinen Einschätzungen nach schon ziemlich weit fortgeschritten sind. Zudem profitieren beide Seiten davon, die Mädchen lernen die Basis einer neuen Fremdsprache und ich kann mir das geliebte Französisch zurück ins Gedächtnis rufen, was für mein anstehendes Studium sehr von Vorteil ist. Ständig überraschen mich die zwei mit sehr süßen Tafelanschrieben, in denen sie mir mitteilen, wie sehr sie mich "lieben" und wie dankbar sie mir sind, schon bereitgestelltem Tee, Obstsalat oder einfach damit, wie viel sie schon wissen und wie schnell sich ihre Aussprache verbessert. Viermal in der Woche unterrichte ich auch jeweils eine Stunde Deutsch. Hier sind es aber nicht wissbegierige Kinder, sondern zwei Erwachsene. Roxana, die in einer Zahnarztpraxis arbeitet und viel mit den hier angesiedelten Mennoniten zu tun hat, und der Geigenlehrer der Bibliothek, der schon mal in Deutschland war und sich deshalb voller Interesse vom Ungetüm der vier deutschen Fälle quälen lässt.
 
Am Wochenende habe ich Santa Cruz nach langer Zeit mal wieder kurz verlassen. Wegen einer Reunión im kleinen Dorf Comarapa, sechs Stunden nördlich von Santa Cruz, machten Sissi und ich uns am Samstagmorgen auf zur Busabfahrtsstelle. Wie so oft entflohen wir dadurch der hohen Luftfeuchtigkeit und dem bewölkten Wetter der Großstadt, um blauen Himmel und Sonne auf dem Land zu genießen. Endlich lernten wir dann nachmittags die Arbeitsstellen unserer drei Mitfreiwilligen kennen, die teilweise in einer Guardería und in einem Altenheim arbeiten. Nach einem typisch bolivianischen Frühstück auf dem Mercado (Markt) von Comarapa, bestehend aus Cuñape, Empanadas oder Erdnusssuppe, ging es dann sonntags los mit dem Streichen. Sissi und ich durften die Arbeit unterbrechen und bereiteten für die anderen elf Kumpanen, Nudeln mit Tomatensoße, Salat und Obstsalat zu. Am Abend konnte sich das Ergebnis stundenlangen Pinselns sehen lassen und wir fuhren erschöpft aber zufrieden mit dem Bus wieder gen Großstadt.
 

Fußballfieber


Die WM in einem Land zu verbringen, das gar nicht an dieser teilnimmt, habe ich mir langweiliger vorstellt, denn trotz allem fiebern alle richtig mit. Viele sind für Brasilien, aber auch Argentinien und Deutschland stehen hier hoch im Kurs der Wetten um Bier oder Geld. Sogar eine Art Public Viewing gibt es vor der Stadtbibliothek im Zentrum. Eine, im Vergleich zu Deutschland, kleine Leinwand und Plastikstühle stehen für jedes Spiel bereit und auch Fanartikel und Essen auf Rädern werden angeboten. Am Donnerstag beim nächsten Deutschlandspiel werde ich mich davon überzeugen, ob es auch Paceña (Bier) in der passenden Deutschlanddose zu kaufen gibt, was ich aber wegen des Alkoholverbots in der Öffentlichkeit bezweifle.
 
Bis dahin, chaucito!
 

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Hasnain Kazim liest in der Stadtbibliothek im K3 Heilbronn aus „Mein Kalifat“.