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Brasilien: Ein Traum

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Am 6. August, dem Nationalfeiertag Boliviens, ging es für mich in Richtung brasilianische Grenze. Um in die von Santa Cruz 500 Kilometer entfernte Grenzstadt Quijarro zu gelangen, nahm ich den sogenannten "Todeszug", der 15 Stunden brauchen sollte. Und schon auf dieser Fahrt begann die Serie von unglücklichen Umständen. Wegen technischer Probleme sollte der Zug nachts drei Stunden mitten im Nirgendwo nicht weiterfahren können, sodass ich im Endeffekt sogar 20 Stunden bis an mein Ziel gebraucht habe.
 

Endlich angekommen!


Im sonnigen Quijarro angekommen fehlte nur noch der Ausreisestempel von Bolivien und schon war ich in Brasilien. Und wie ich in Brasilien war! Kaum war der Grenzstreifen überfahren, begann eine neue Welt. Die Straßen waren gut, es war kein Müll zu entdecken und ganz davon abgesehen, standen überall Palmen und die Häuser waren ungewohnt schön und gepflegt. Wie sehr hatte ich mich schon an das vermüllte und eher hässliche Stadtbild Boliviens gewöhnt! So kam ich aus der Begeisterung bis zu meinem ersten Couchsurfer gar nicht mehr heraus. Wobei ich dies erklären muss.

Da ich mich dazu entschieden hatte, allein zu reisen und so viel Geld wie möglich sparen wollte, organisierte ich die ganze Reise mit Couchsurfing. Wer das Prinzip nicht kennt: Man stellt ein Gesuch auf eine Onlineplattform, die sich Couchsurfing nennt und bekommt dann von Privatleuten aus jeder beliebigen Stadt unentgeltlich einen Schlafplatz angeboten. Eine Erfindung, die unvergleichlich ist und bei mir immer funktioniert hat! So lernte ich also gleich mal insgesamt neun Leute aus allen Teilen Südamerikas kennen, die alle dort schliefen, wo ich auch schlafen sollte. Gemeinsam schauten wir abends die Stadt an, die direkt am Pantanal gelegen, eine wunderschöne Atmosphäre hat.
 

Vom Pech verfolgt


Schon am nächsten Tag wollte ich weiter nach Sao Paulo reisen, doch das Pech, oder in diesem Fall vielleicht eher meine Dummheit, verfolgte mich weiter. Kurz vor dem Einsteigen in den Bus, teilte mir der Busfahrer beim Blick in meinen Reisepass mit, mir fehle der Einreisestempel von der brasilianischen Migration, und dass ich somit illegal im Land sei und nicht reisen könne. Großzügig bot er mir aber an, den Bus am selben Nachmittag zu nehmen. So ging ich also, an mir selbst zweifelnd, wie ich das hatte vergessen können, zur Migration, holte mir den Stempel, und kehrte am Nachmittag zum Busbahnhof zurück. Dort wurde mir allerdings, sehr zu meiner Enttäuschung, mitgeteilt, dass es keinen Platz mehr im Bus gebe, und ich das doch hätte reservieren müssen. Widerwillig musste ich also den Bus am nächsten Tag nehmen. Wenn ich aber schon einen weiteren Abend in Corumbá verbringen sollte, wollte ich den auch nutzen und lernte… Jonglieren! Wow, welch eine Bereicherung für mein Leben.
 
So kam ich also erst am Sonntag, nach 24 Stunden Busfahrt, in Sao Paulo an. Dort wurde ich auch direkt von meiner zweiten Couchsurfingbekanntschaft abgeholt. Super zentral gelegen, sollte ich in einer sehr sauberen Wohnung in einem 18 Stöcke Hochhaus mit Dachterrasse schlafen. Schon am Nachmittag zeigte mir Renato einen kleinen Teil der 18 Millionen Einwohner Großstadt und ich war hin und weg. So viele Leute, so viele unterschiedliche Dinge, so viel Verkehr und so viele schöne Häuser, das hatte ich genau elf Monate nicht mehr zu sehen bekommen. Schon in den ersten paar Stunden verliebte ich mich in diese Stadt und wurde auch in den darauffolgenden Tagen nicht enttäuscht. Natürlich weiß ich, besser als viele andere Leute, dass das bloße Kennenlernen einer Stadt als Tourist etwas völlig anderes ist als wirklich dort zu wohnen, und deshalb schätzte ich mich glücklich, dieses Getummel und Gerenne der beschäftigten Leute nicht mitmachen zu müssen.

Jede Metrofahrt war cool und erst recht die größte Buchhandlung Lateinamerikas zu besuchen hat mir natürlich sehr gefallen. Im größten Park Sao Paulos lernte ich dank eines weiteren Couchsurfers, der Halbdeutscher war, ganz objektiv etwas über die brasilianische Mentalität. Nämlich, dass Brasilianer in der Tat sehr oberflächlich sind, beziehungsweise auf ihren Körper bedacht. Das zeigte sich nicht nur durch die hohe Anzahl von Menschen, die sich dort sportlich betätigten, sondern auch dadurch, dass dies alle oberkörperfrei taten.
 

Dschungelwanderung


Nach vier Tagen Sightseeing in der größten Stadt Südamerikas ging es dann weiter auf die idyllische Ilha Grande. Chillen pur war da geplant, zählt die "Große Insel" doch zu einer der schönsten Brasiliens. Leider spielte unglücklicherweise das Wetter nicht so mit, wie ich mir das gewünscht hätte, sodass ich den ersten Tag ausschließlich mit einer vierstündigen Dschungelwanderung zu mehreren Stränden verbrachte, ohne jedoch zu baden. Erst am zweiten Tag meines Aufenthaltes, nach drei Stunden Wanderung in die entgegengesetzte Richtung wie am Vortag, badete ich am schönsten Strand der Insel – Lopes Mendes. Noch nie habe ich weißeren und feineren Sand gesehen!

Da jedoch das Wetter nicht wärmer zu werden schien, entschied ich, früher als geplant nach Rio weiterzufahren. Was ein weiteres Mal Pech bedeutete. Als ich nämlich am Busterminal ankam, nach zwei Stunden Bootsfahrt im plötzlich schönsten Wetter, wurde mir mitgeteilt, dass kein einziger Sitzplatz mehr frei sei. Mit den Nerven völlig am Ende fragte ich mich, womit ich das verdient hatte. Mir blieb nichts anderes übrig, als auf die Insel zurückzukehren, sodass ich meinen Tag komplett auf dem Boot verbrachte.
 

Tropische Bäume und exotische Früchte


Dann war auch schon der letzte und für mich aufregendste Teil meiner Reise gekommen – sechs Tage Rio de Janeiro! Angefangen beim Cristo, für dessen Besuch ich mir ungünstigerweise den einzig bewölkten Tag aussuchte, bis zu einem Spiel im Maracanastadium, wo Deutschland erst vor kurzem den WM-Sieg feierte, und schließlich dem Besuch der bekannten Strände Copacabanas und Ipanemas, vergingen die wenigen Tage wie im Flug. Verkehrstechnisch gesehen hat mir Sao Paulo aber eindeutig mehr zugesagt, denn die Metro fährt einfach an jeden wichtigen Ort. Anders in Rio: Gerade mal zwei Metrolinien versorgen die Stadt eher unzureichend und die Busse brauchen meisten eine Stunde in dieser riesigen Stadt.

Doch was alles andere angeht ist Rio sehr schön, überall in der Stadt stehen tropische Bäume an denen Orchideen wachsen. Es gibt sehr viele schöne alte Häuser und  jedes Graffiti ist ein besonderes Kunstwerk. Auch kulinarisch hat Brasilien sehr Leckeres zu bieten. Nicht nur die vielen exotischen Früchte, auch das Nationalgericht Feijoada, Reis mit schwarzen Bohnen, ist sehr lecker und von den vielen Restaurants mit Buffets, in denen das Essen per Kilo bezahlt wird, war ich total begeistert. Getoppt wurde alles von den gegrillten Garnelen am Spieß, die ich einem Strandverkäufer abkaufte, la pura vida. Leider schaffte ich es nicht, eine Favela kennenzulernen, doch macht mir das nicht so viel aus denn – ich werde auf jeden Fall zurückkehren!

 

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