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Es war einmal ein Land, viele Nullen und Einsen entfernt, das hieß Instagram. Dieses Königreich strotzte nur so von hübsch drapiertem Essen, paradiesischen Sandstränden und fröhlichen Menschen. Das Rezept für deren Heiterkeit: Stretching, Stretching und – erraten – Stretching.

Aufdringlicher Trend

Bis vor kurzem fanden diese Körperertüchtigungen der Stars und Sternchen noch offline statt, in einem Fitnessstudio ihres Vertrauens. Zum Pilates geht’s  zwar weiterhin – nur ist jetzt die ganze Welt dabei zu Gast.

Ob der Trend neu ist? Bestimmt nicht. Doch er wird immer aufdringlicher. Denn zwischen gut ausgeleuchtete Selbstportraits schleichen sich mehr und mehr halbminütige Trainingsvideos. Die obligatorische Stippvisite auf der Social-Media-Plattform zu jeder vollen Stunde ist für den User auf einmal keine Mini-Flucht aus dem Alltag mehr.

Die Promis machen's vor

Das Tappen und Wischen durch die Insta-Stories der Berühmtheiten wirft das Stammhirn jäh aus seinem kurzzeitigen Stand-By-Modus. Was der Ottonormalverbraucher da sieht, lässt ihn stutzen.

So wuchtet beispielsweise "Thor“-Darsteller Chris Hemsworth oberkörperfrei Monstertruck-Reifen durch seinen Wohnwagen. Und Kardashian-Clanmitglied Khloé unterlegt ihr selbst geschnittenes Personal-Training-Filmchen mit einem Hip-Hop-Song und stellt sicher, dass bei den Übungen ihr Hinterteil gut zur Geltung kommt.

Wozu das Ganze?

Nun, eine sehr treffende Fragestellung zum Thema wäre: Warum? Was soll diese Zurschaustellung von Fitness bringen? Dass sich die Fans die Übungen abschauen können, um sie daheim nachzumachen? Dafür sind die Clips zu kurz, enthalten keine Anweisungen (wie oft soll der Spaß wiederholt werden?) und fokussieren sich mehr darauf, den Promi in seinem Yoga-Top vorteilhaft zu präsentieren.

Um Begeisterten den It-Trainer schmackhaft zu machen? Viel Spaß bei der Rechnung – Flug nach L.A. und zurück, mehrere Fitnesseinheiten und das schicke Restaurant um sich wieder zu akklimatisieren – da kommt einiges zusammen.

Oder – und das ist am Wahrscheinlichsten – um einen runterzuziehen. Die Mehrheit der Normalos führt doch den gleichen "Fitnesstanz“ auf. In der ersten Januarwoche, sind alle total motiviert, melden sich in einem Studio an und gehen dann genau zwei Mal hin. Den Rest des Jahres verbringt man mit Selbsthass und viel Schokolade.

Zwischen Akzeptanz und Wut

Das Einzige was einem vom Nicht-Training bleibt sind die 60 Euro Gebühren im Monat. Die dickste Lüge, die man sich selbst erzählt ist nämlich: Ich könnte ja doch nochmal hingehen. Gegen Ende Oktober wird dann so langsam aber sicher die fünfte Stufe der Trauer erreicht– Akzeptanz. "Das bringt eh nichts mehr – verschieben wir es aufs nächste Jahr.“

Die ständigen Erinnerungen in Form von angeberischen Work-Out-Clips, machen dieses System zunichte und lassen einen ganz schnell wieder in Phase zwei – Wut – reinrutschen. Und zu allem Überfluss stolpert man immer häufiger über Kabinenselfies von Privatpersonen. Es braucht eine Menge genervten Tippens bis ein entspannender Sonnenuntergang am Meer zu sehen ist. Moment, die hat schon wieder Urlaub? Es ist ein Teufelskreis.

 

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