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Der Junge, der überlebte

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Ein ohrenbetäubendes Knattern durchschneidet die Stille im Kleinstädtchen Little Whinging. Am Horizont zeichnet sich ein Blechhaufen ab, der schneller und schneller auf die Erde herabschießt. Erst kurz bevor es quietschend auf dem Asphalt  zum Stehen kommt, lässt sich das Motorrad mit Beiwagen erkennen.

Junge Berühmtheit

Ein monströser, haariger Mann steigt mit schwerfälligen Bewegungen ab. Er übergibt ein Bündel an zwei Gestalten in Umhängen und spitzen Hüten, die vor einem der Reihenhäuser auf ihn zu warten scheinen.

Als der ältere Mann das Baby gerade auf die Schwelle von Privet Drive Nummer vier legen will, unterbricht ihn die katzenhafte Dame an seiner Seite. "Sind Sie sicher, dass Sie ihn bei diesen Leuten lassen wollen? Dieser Junge wird eine Berühmtheit sein in unserer Welt, jedes Kind wird seinen Namen kennen“.

Die Magie beginnt

So nimmt die Geschichte rund um den Zauberlehrling Harry Potter vor über 20 Jahren ihren Anfang. Dass wirklich jedem Kind auf der Welt der Junge mit der Blitznarbe danach ein Begriff sein würde, hätte seine Schöpferin Joanne K. Rowling nie für möglich gehalten.

Von Sozialhilfe lebend kam sie als alleinerziehende Mutter mit ihrer Tochter Jessica mehr schlecht als Recht über die Runden. Das Manuskript wollte einfach keinen Abnehmer finden. Es bestehe keine Chance auf Erfolg meinten die einen. Das Buch sei für Kinder zu dick, sagten die anderen.

Diese Einschätzungen sollten sich jedoch als falsch herausstellen. Heute ist die siebenteilige Romanreihe in 80 Sprachen verfügbar und mit 500 Millionen verkauften Exemplaren weltweit eine der erfolgreichsten. Rowlings Vermögen wird auf rund 770 Millionen Euro geschätzt.

Persönliche Note

Die Idee für den Zauberschüler kam der heute 53-Jährigen als sie bei einer Zugfahrt zum Londoner Bahnhof King’s Cross stecken blieb. Ihren Einfall hielt sie in mehreren Skizzen fest. Aber Rowling und ihre Schöpfung verbindet nicht nur ein einfaches Autoren-Figuren-Verhältnis. Zum einen teilen sich die beiden den gleichen Geburtstag – den 31. Juli. Zum anderen durchleben sie den gleichen Schmerz – den Verlust eines Elternteils. Der frühe Tod ihrer Mutter floss in Rowlings Kunst ein – und so betrauert Harry nicht nur seine Mutter sondern auch seinen Vater.

Welcher der Charaktere noch eine Portion Rowling abbekommen hat? Musterschülerin Hermine Granger. Sie entspricht dem Bild, das die Autorin als Kind von sich hatte. Sowohl äußerlich - mit den ungebändigten braunen Locken – als auch charakterlich. So bezeichnete sie sich selbst einmal als "intelligentes Mauerblümchen mit einer Begabung zum Lehren und Belehren“.

Abenteuer erleben

Als Waise wächst Harry -  mit den schwarzen Wuschelhaaren und der runden Brille - bei seinen schrecklichen Verwandten auf, die ihn in einem Wandschrank hausen lassen. Dabei soll es aber nicht bleiben. An seinem elften Geburtstag erfährt er vom Halbriesen Hagrid, dass er ein Zauberer ist. Dieser eröffnet ihm außerdem, Harry sei am Hogwarts Internat aufgenommen.

Ab diesem Moment beginnen für den jungen Magier eine Menge Abenteuer, in die er mit seinen neuen Freunden Ron und Hermine Hals über Kopf hineinschlittert. Egal ob Riesenschlange, gefährliches Zauberturnier oder der machtgierige Lord Voldemort selbst – das Trio meistert es.

Auch heute, zwei Jahrzehnte nach Erscheinen des ersten Buches "Harry Potter und der Stein der Weisen“ begeistert die Geschichte noch immer Jung und Alt. Laut einer Studie der Fachzeitschrift "Journal of Applied Social Psychology“ seien Potter-Leser zudem die "besseren Menschen“. Sie täten es ihrem Helden nach und seien toleranter im Umgang mit Minderheiten.

Geburt einer Kultfigur

Trotz allem hatte der Hype in Deutschland zuerst jedoch Anlaufschwierigkeiten. Renate Herre, Chefin vom Hamburger Carlsen Verlag, erinnert sich, dass die Verkaufszahlen des ersten Teiles hierzulande zunächst enttäuschten. "Erst der dritte Band, war wirklich ein Erfolg, und zwar einen den die Leser gemacht haben.“ Für "Harry Potter und der Feuerkelch“ inszenierte das Unternehmen also ein Titelmarketing der Extraklasse. Die Faszination Potter, inklusive mitternächtlichen Buchsendungen oder dem Stürmen der Lieblingsbuchhandlung Schlag zwölf, war somit besiegelt.

Wieso diese  Begeisterung auch nach so langer Zeit nicht nachlässt, weiß Lisa-Marie Rödiger, Buchhändlerin in Ausbildung: "Zum einen ist es eine unglaublich spannende Abenteuergeschichte, die fesselt. Und dann kommt natürlich noch die Magie hinzu“. Die Entführung in eine andere Welt, die ja aber trotzdem parallel zu unserer stattfindet, verleihe der Story eine besondere Tiefe, so die 23-Jährige. Jeder habe doch schon mal eine Situation erlebt, in der er sich wünschte er könne zaubern: "Und wenn es nur der Abwasch ist, der gemacht werden muss“, schmunzelt Rödiger.

Zentrale Themen

Außerdem seien die Themen, die – abgesehen vom fantastischen Aspekt – behandelt würden sehr zentral und relevant. "Die Freundschaft von Ron, Harry und Hermine steht im Zentrum. Freunde gab es schon immer und wird es auch immer geben – deshalb kann man sich damit identifizieren.“

Dass Harry Potter schon jetzt ein moderner Klassiker ist, davon ist die Untergruppenbacherin fest überzeugt. Der Zauberschüler habe sich seinen Platz zwischen Romanen von Michael Ende und Otfried Preußler redlich verdient. "Und die Kinder, die damals die ersten Auflagen verschlungen haben, lesen es jetzt ihrem eigenen Nachwuchs vor - so setzt sich das dann fort.“

Die Besonderheit der Reihe liege vor allem darin, dass Joanne K. Rowling sich nicht nur über die Handlung an sich Gedanken gemacht habe, meint die angehende Buchhändlerin. "Das ist ja alles ein bisschen mehr als nur eine Serie von Büchern. Das umfasst inzwischen einen ganzen Kosmos.“

Zauberhaftes Universum

Stimmt, da war doch noch mehr.  Beispielsweise die acht Verfilmungen, mit einem weltweiten Einspielergebnis von 7,7 Milliarden Dollar. Selbst wenn die Fans ihren Lieblingsmagier vergessen wollten: die neue Filmreihe "Fantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“, die ebenfalls in der Rowlingschen Zauberwelt spielt, verhindert das.

Wie es mit Harry weitergeht? Keine Sorge, diese Frage beantwortet das Bühnenstück "Harry Potter und das verwunschene Kind“, das ab 2020 bei uns in Hamburg zu sehen sein wird. Für die Freizeitplanung ist natürlich auch bestens gesorgt. Egal ob Studio-Tour in London, Requisitenausstellung in Potsdam oder Themenpark in Orlando (USA) – Langeweile kommt hier keine auf.

Für Interessierte

Für alle, die es sportlich mögen: Wie wäre es mit der offiziellen magischen Körperertüchtigung Quidditch? Viele deutsche Großstädte besitzen bereits ein  Team. Sogar über einen eigenen Verbund verfügt das Spiel, bei dem man eigentlich auf einem Besen durch die Luft braust.

Tja, und für alle die, denen diese Aktivitäten immer noch nicht ausreichen: Einfach noch einmal in der Originalserie schmökern. In Joanne K. Rowling‘s Worten: "Egal ob auf der Leinwand oder dem Papier, Hogwarts wird immer da sein um euch Zuhause willkommen zu heißen.“

 

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