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Wir müssen über "The End of The F***ing World" reden

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Falls ihr nicht seit 2016 unter einem Stein wohnt, habt ihr sicherlich auch schon von einem kleinen britischen Serienevent mit dem klangvollen, leicht passiv-aggressiven, Namen "The End of The F***ing World" gehört. Vor zwei Jahren startete die Show auf Netflix und fand sofort eine rege Fangemeinde, die am Ende einer Staffel mit acht Folgen à 20 Minuten und einem unglaublich gemeinen Cliffhanger, nach mehr verlangte. Da das Quellenmaterial allerdings nach dieser einen Season aufgebraucht war – Charles Forsman’s Graphic Novel aus dem Jahr 2011 –  sollte es eigentlich bei einer Staffel bleiben.

Doch in Zeiten von Social Media ist keine Entscheidung mehr komplett in Stein gemeißelt. Shows, die von dem einen Sender abgeschrieben wurden, werden von Streaming-Diensten oder anderen Sendern gerettet. So entging "Brooklyn 99" dem Serientod und auch die beliebte Netflix-Sitcom "One Day At A Time" wurde von "Pop TV" wiederbelebt. Aber nicht genug, Serien, die eigentlich schon zu Grabe getragen wurden, dürfen, dank herausragender Quoten, wieder ausgegraben werden. Wie beispielsweise die perfekte HBO-Produktion "Big Little Lies", das für eine unglaublich enttäuschende zweite Runde noch einmal ins Feld zog. 

Leider geht das meistens schief. Das Problem dieser weitergeführten Ministories? Genau: Eben keine Story mehr, die es wert wäre erzählt zu werden, geschweige denn acht Stunden meiner kostbaren Freizeit zu opfern. Ein noch besseres Beispiel als "Big Little Lies"? "Tote Mädchen lügen nicht" (oder auch "13 Reasons Why") am Anfang eine bahnbrechende Geschichte, mutig, heftig und kontrovers – was nicht immer schlecht ist, wenn man ein stigmatisiertes Thema in den Medien behandeln will. Die zweite Staffel reichte an Qualität schon nicht mehr an die erste heran, konnte aber dennoch mit Hintergrundinformationen auftrumpfen und brachte eine Art emotionalen Abschluss für die Charaktere. Die diesjährige dritte Season jedoch, war komplett sinnbefreit. Ohne Hannah, keine Story mehr. Und somit keine Daseinsberechtigung für 13 Reasons Why. (Wirklich, vertraut mir, tut es euch nicht an)

Daher machte es mich einerseits recht nervös als ich die Fans von "The End of The F***ing World" ihren Willen bekamen und eine zweite Staffel angekündigt wurde, andererseits wollte ich aber auch unbedingt wissen, wie es mit Alyssa und James weitergeht. Ein Teufelskreis. Nach zwei Jahren des Wartens, wurden vor ein paar Monaten die ersten Szenenbilder veröffentlicht. Alyssa im Hochzeitskleid mit einer Urne? Achtung Spoiler: Ist James tot? Hat er den Schuss am Strand nicht überlebt? 

Daraufhin stellte sich mir natürlich die Frage: Möchte ich das Ganze ohne James überhaupt sehen? Nein. Definitiv nicht. Die Serie lebt von der Chemie dieser beiden Figuren, eigentlich sind nur diese beiden vollwertige Charaktere. Die anderen sind einfach nur da. Schemenhafte, unscharfe und fiktive Personen, die einfach kurz metaphorisch winken, wenn James und Alyssa mit ihnen interagieren und dann weiterfahren.

Der 5. November – also das Erscheinungsdatum der zweiten Staffel – kam um die Ecke und ich saß pünktlich zum Startschuss davor. Was soll ich sagen. Ich hab‘ alle Folgen am Stück gesehen. Und mochte sie wirklich. Noch einmal Achtung Spoiler: James lebt! Allerdings ist Alyssa kurz davor jemand anderen zu heiraten und die Freundin des Psychopathen, den die beiden in Staffel eins aus Notwehr umgebracht haben, will sich an dem Duo rächen. 

Die Story hat einen coolen Aufbau. Ziemlich gewagt mit einer Person die Staffel einzuleiten, die uns Zuschauern unbekannt ist. Andererseits bekommen wir so einen Überblick, wer diese Bonnie, die unser Lieblingspaar bedroht, ist. Die Dynamik zwischen James und Alyssa ist eine andere, seit dem Vorfall am Strand sind zwei Jahre vergangen, in denen sie sich nicht gesehen haben. Verarbeitet, was passiert ist, haben sie allerdings nicht. Alyssa tröstet sich mit einem jungen Kerl, James nähert sich seinem Vater an. Bis dieser stirbt. Er ist auch derjenige in der Urne aus den Promofotos

Als Alyssa von ihrer eigenen Hochzeit flieht, um bei James ins Auto einzusteigen, und sie Bonnie als Anhalterin mitnehmen, komplett unbedarft, was ihr Motiv angeht, beginnt ein interessanter und – in alter TEOTFW-Manier – verrückter Road-Trip

Vor allem das Ende ist es, das die meisten zufrieden stimmen wird. Die Reise dorthin ist amüsant, jedoch nicht so amüsant wie beim letzten Mal. Die Charaktere sind dysfunktional – noch extremer als beim letzten Mal, was verständlich ist. Allerdings dauerte es mir ein bisschen zu lang, bis die alte Dynamik von James und Alyssa wieder spürbar wurde, was, wie vorhin schon erwähnt, die quintessentielle Zutat zum Erfolg der Serie ist. 

Die zweite Staffel hat nicht ganz meine Vorstellungen erfüllt, Die waren aber zugegeben auch ziemlich hoch gesetzt. Zufriedenstellend ist sie im Gegensatz zu anderen Serien-Fortsetzungen jedoch auf alle Fälle. 

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