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Warum „Tage wie diese“ als Netflix-Film besser funktioniert

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Weihnachten ist gleich um die Ecke. Zumindest glaubt man dem Einzelhandel, der uns schon seit August die Lebkuchen unterjubeln möchte oder auch Netflix, das seit Anfang November fleißig neue Weihnachtsfilme hochlädt. Na gut, da wir uns dem Ende des Monats annähern, ist es nun aber erlaubt, sich diese Feiertagsgeschichten mal genauer anzusehen. 

"Tage wie diese" beispielsweise ist eine neue weihnachtliche Bestselleradaption. Ich lese gerne vorher die Bücher und sehe mir danach die Filme an. Obwohl, wie ich schon festgestellt habe, die Akzeptanz der Leinwandversion, bei mir zumindest, größer ist, wenn ich das Buch erst danach lese. Man versteht die Kürzungen besser, oder kann beide Kunstformen für sich betrachten. Sobald man das Geschriebene verinnerlicht hat, ist es schwer sich mit den Veränderungen, die eine Verfilmung mit sich bringen, einverstanden zu sein. 

Trotzdem macht es den größeren Reiz aus, sich vorher den Schmöker vorzunehmen und dann über die Bewegtbilder abzulästern. Denn eine Wahrheit bleibt, egal wie man sie dreht und wendet, in Kraft: Das Buch ist immer besser! 

Dachte ich zumindest bis gestern. Wie bei allem anderen auf der Welt scheint es auch in diesem Bereich Ausnahmen von der Regel zu geben. 

"Tage wie diese" ist eine schon 2008 erschienene Kurzgeschichtensammlung der gefeierten Jugendbuchautoren John Green ("Eine wie Alaska", "Das Schicksal ist ein mieser Verräter"), Maureen Johnson ("Ellingham Academy", "Die Schatten von London") und Lauren Myracle ("Wunschtag"). 

Die Stories drehen sich um die Weihnachtsfeiertage und sind miteinander verwoben - denn sie spielen in derselben Stadt.

Jubilee bleibt mit ihrem Zug im Schneesturm stecken und muss mit einem fremden Jungen und seiner Familie die Feiertage verbringen. Doch dann knistert es zwischen ihnen. Das einzige Problem: Jubliee hat einen Freund.

Tobin hat drei beste Freunde: JP, Keun und den Herzog. Nur dass der Herzog ein Mädchen ist. Und Tobin schon länger Gefühle für sie entwickelt hat. Als Keun die anderen drei ins Waffelhaus einlädt, um die Cheerleader zu beeindrucken, die ebenfalls mit dem Zug gestrandet sind, beginnt eine wilde Fahrt durch den Schneesturm.

Addie und Jeb sind verliebt. Doch irgendwie sprechen sie gefühlsmäßig nicht dieselbe Sprache. Als Addie einen Fehler begeht meldet sich Jeb nicht mehr. Sie ist todunglücklich, doch sie weiß nur die Hälfte. Denn Jeb steckt im Schneechaos fest. 

Die erste Geschichte war irgendwie süß, ein bisschen Klischee beladen, aber das gehört zu kitschigen Weihnachtsmedien. Die zweite von John Green hatte, wie immer, interessante Spitznamen und eine Liebe auf den zweiten Blick. Jedoch ging mir alles ein wenig zu schnell, vor allem die Gefühlssituation von Tobin und dem Herzog, obwohl eigentlich nicht viel passierte. Insgesamt gefiel sie mir aber auch. "Der Schutzheilige der Schweine" jedoch, die dritte und letzte Erzählung, schien mir beinahe unerträglich. Addie, unsere Protagonistin ist eingebildet, herablassend, egozentrisch und überhaupt nervig. Sie versucht herauszufinden, warum ihr Freund sie verlassen hat. Hm, vielleicht, weil sie mit einem anderen Kerl herumknutscht, weil sie sich nicht genug beachtet fühlt? Auch der Satz: "Zählt es denn nicht, dass es mir leidtut", hat mir physische Schmerzen bereitet. Zudem sind Addies Kommentare irgendwie rassistisch und man merkt, dass die Geschichte nicht gut gealtert ist. Gut möglich, dass ich aber auch nicht mehr der Zielgruppe für das Buch entspreche. Vermutlich haben Mädchen zwischen 14 und 16 mehr Freude damit. 

Trotzdem dachte ich mir, könnte der Film ja ganz nett sein, eine kurzweilige Abwechslung für Zwischendurch. Und ich wurde nicht enttäuscht. Die Charaktere sind knuffig, divers und der Weihnachtsvibe, der im Buch teilweise ein bisschen verloren geht, wird hier durch viel Schnee und Dekoration wunderbar vermittelt. Die Geschichten wurden ein bisschen verändert. Figuren kamen hinzu oder wurden angepasst. Allerdings hilft das den Stories eher, als dass es ihnen schadet. Es fühlt sich an, als ob das ursprüngliche Material in einen heutigen Kontext gesetzt wurde (nicht alle Liebesgeschichten sind zwischen Heteros). Falls ihr euch also überlegt das Buch zu lesen: Hier ist es erlaubt, den Film anzuschauen und den Text komplett zu überspringen. Am besten an einem kalten Tag mit einem Heißgetränk eurer Wahl auf die Couch kuscheln und den Teenagern mit ihren Weihnachtsproblemen zuschauen. 

 

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