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Warum „Marriage Story“ mindestens einen Oscar gewinnen muss

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Das Oscar-Rennen um den Besten Film ist dieses Jahr vollgepackt mit Werken von Altmeistern wie Quentin Tarantino oder Martin Scorsese – aber auch Indie-Perlen, wie der südkoreanische Streifen Parasite kämpfen, um die begehrte Trophäe.

Fabs Favorit 

Einer dieser Mitstreiter sticht meiner Meinung nach jedoch besonders heraus. Noah Baumbachs „Marriage Story“, das seit Anfang Dezember auf Netflix verfügbar ist. Für den Hauptpreis als Bester Film wird es vermutlich schwierig werden. Trotz der insgesamt sechs Nominierungen des Scheidungsdramas, hatte der Kriegsfilm „1917“ bei den bisherigen Preisverleihungen klar die Nase vorn. 

Mindestens einen der Goldjungen sollte sich Baumbachs Geschichte jedoch holen können. Leider bleibt die Academy bei der Wahl ihrer Gewinner immer noch ihren Grundsätzen treu. Kriegsfilme, Geschichten über Hollywood und Schauspieler, viel synthetisches Make-Up oder körperlich anstrengende Rollen werden von der Jury gewürdigt. Innovation und Vielfalt muss leider draußen bleiben. Auch in diesem Jahr sind außer Cynthia Erivo alle nominierten Darsteller weiß. In der Regieriege wurden erneut nur Männer berücksichtigt. 

Dadurch bleiben Filme wie „Marriage Story“ auf der Strecke. Charlies (Adam Driver) und Nicoles (Scarlett Johansson) Liebesgeschichte wird durch Noah Baumbachs einzigartiger Perspektive außergewöhnlich: die Beiden machen nämlich ihre Scheidung durch. Und die Zuschauer erleben ihre Romanze sozusagen rückwärts. Etwas, das ich noch nie so gesehen habe. Da die Story jedoch ohne Pauken- und Trompetenschläge auskommt – zumindest was mental-instabile Charaktere und Silikon-Masken angeht – interessiert sich die Academy nicht besonders dafür. 

Tolle Schauspielleistung 

Die Schauspieler sind unglaublich. Scarlett Johansson war nie besser – vermutlich hat ihr ihre eigene Scheidung dabei geholfen Nicoles Verwirrtheit und Schmerz effektvoll darzustellen. Baumbach schrieb mehrere grandiose Monologe, die seine Hauptdarsteller erstrahlen lassen. Sie sind roh, emotional und lassen den Zuschauer, auch wenn er noch nie eine Scheidung oder Ehe durchgemacht hat, in die noch dazu ein Kind involviert war, an den Gefühlen der Charaktere teilhaben. Baumbach macht seine Figuren greifbar mit Fehlern und Stärken. Nicole und Charlie könnten genauso gut ein echtes Paar sein, das diese Phase durchmacht. 

Auch Adam Driver kann gegen Ende des Films richtig glänzen. Den Höhepunkt markiert ein Streit zwischen den bald Ex-Eheleuten. Tränenreich und mit unfairen Mitteln spielend werfen sie sich Dinge an den Kopf, die sie eigentlich nicht so meinen. Die Situation hat sich nur durch den Umstand so verschärft, dass die Anwälte der beiden ihren Gegner unbedingt vernichten wollen. Mit allen Verleumdungen, die ihnen zur Verfügung stehen. So mutiert die eigentlich freundschaftlich geplante Trennung zu einem Rosenkrieg, der in diesem alles in Brand setzenden Streit mündet. 

Driver, selbst verheiratet mit einem Sohn, verliert als Charlie die Kontrolle. Während des Films noch ruhig und subtil gespielt, wird Charlie mehr und mehr bewusst, dass er seinen Sohn für immer verlieren könnte. Adam Drivers Gesicht ist schmerzverzerrt, leidend und wutentbrannt zugleich als er Johanssons Nicole ins Gesicht spuckt, dass er wünschte sie wäre tot. Gleich darauf bricht er zusammen, schluchzt, realisiert, was er da gerade von sich gegeben hat. Als Zuschauer bleibt man mit offenem Mund zurück. 

Interessante Charaktere 

Obwohl Drivers Charlie der Grund für die Trennung zu sein scheint, versteht man auch seine Sicht der Dinge. Johanssons Nicole hat in ihrer Mutter und Schwester – übrigens fantastisch schräg dargestellt – so etwas wie ein Sicherheitsnetz, eine „Supportgroup“. Drivers Figur hat weder Kontakt zu seinen Eltern noch einen großen Freundeskreis. Er muss den Umstand, dass Nicole mit ihrem Sohn zurück nach Los Angeles zieht – dreitausend Meilen entfernt von Charlies Heimat New York – allein durchstehen. Was ziemlich nervenzehrend ist. Vor allem ohne Unterstützung. 

Die Nebencharaktere, besonders Nicoles Anwältin Nora, gespielt von einer hervorragenden Laura Dern, sind ebenfalls perfekt gecastet. Schauspielveteran Alan Alda gibt den liebenswerten Rechtsbeistand Charlies, der immer einen guten Rat parat hat. Auch der relativ skrupellose Ray Liotta macht eine gute Figur vor Gericht. 

Dern wird, so wie es bisher aussieht, den Oscar für „Marriage Story“ gewinnen. Obwohl Baumbachs feinfühlige Liebesgeschichte eindeutig mehr Preise verdient hat. 

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