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Wir müssen über „PS: I Still Love You“ reden

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Das lang erwartete Sequel (Nachfolgefilm) zu dem Hit von 2018 „To All The Boys I’ve Loved Before“ ist seit dem 12. Februar endlich auf Netflix zu sehen. Für alle, die, die keine Ahnung haben, wovon ich spreche, ich vermute ihr seid gerade aus einem Erdloch gekrochen und habt als allererstes diesen Link angeklickt, hier eine kurze Zusammenfassung:

Lara Jean Song Covey lebt mit ihren zwei Schwestern ein behütetes Leben. Sie ist das Sandwich-Kind, ihre Mutter starb als sie noch klein war. Verträumt wie Lara Jean ist, schreibt sie jedes Mal, wenn sie so richtig verknallt ist einen Liebesbrief an ihren Schwarm, um, wie sie es ausdrückt, eine Art Teufelsaustreibung durchzuführen, damit sie sich wieder auf andere Sache konzentrieren kann. Allerdings sind diese leidenschaftlichen Zeilen nur für die Verfasserin selbst bestimmt.

Fünf Mal war Lara Jean unsterblich verliebt. Was heißt, es gibt fünf ziemlich peinliche Briefe. Als die eines Tages an die Empfänger verschickt werden, darunter auch Josh, der Freund von Lara Jean’s Schwester Margot, wird alles ziemlich kompliziert. Um Josh, den die Romantikerin immer noch sehr süß findet, weiß zu machen, dass sie schon lange nicht mehr so fühlt, wie ihr Brief das suggeriert, beschließt sie zusammen mit Peter Kavinsky – eine weitere ihrer ehemaligen Schwärmereien – so zu tun als wären die beiden ein Paar. Peter will nämlich seine Ex-Freundin Genevieve eifersüchtig machen. Doch es kommt alles ganz anders als erwartet.

Der erste Film bleibt dem Buch in so vielem treu, nimmt nur kleine Änderungen vor. Kennt man den Roman ist es wirklich eine gelungene Adaption – kennt man ihn nicht ist die Highschool-Romanze so oder so zuckersüß. Interessanterweise wird Peter viel reifer und zuvorkommender, insgesamt netter und verständnisvoller dargestellt.

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Ein perfekter Fiebertraum von einem 16-Jährigen Schuljungen. Im Buch ist das ein bisschen anders. Hier scheint Peter irgendwie realistischer, wie der Prototyp eines Depps aus deiner Schulzeit, der dir auf dem Pausenhof schon einmal über den Weg gelaufen sein könnte. Versteht mich nicht falsch, ich mag auch den Buch-Peter (meistens). Allerdings bin ich froh, dass Noah Centineos Version der Figur ein bisschen zugänglicher ist in der Film-Adaption.

In Teil zwei kommt ein weiterer Liebesbrief-Empfänger ins Spiel. Nachdem Lara Jean und Peter nun endlich eine richtige Beziehung führen, tritt John Ambrose McClaren wieder in das Leben der beiden. Und mischt Lara Jeans Gefühle so richtig auf. Nun stellt sich natürlich die Frage aller Fragen der Liebes-Dreiecks-Geschichten: Team Peter oder Team John?

Die Antwort ist gar nicht so einfach. Man muss sie splitten. In zwei Lager. Einmal das Buch-Lager und einmal das Film-Lager. Im Buch ist Peter einerseits wirklich knuffiger, andererseits leistet er sich auch größere Fehltritte als im ersten Band. So stellt er die Gefühle und Belange von Ex-Freundin Gen immer wieder vor die von Lara Jean. Was dann auch schließlich zur Trennung der beiden führt.

Auftritt John. Ehrlich gesagt, als ich den Roman das erste Mal las, war ich skeptisch, ob Jenny Han wirklich in der Lage ist, mir einen anderen Love Interest für Lara Jean glaubwürdig und überzeugend zu verkaufen. Und wow, habe ich die Frau unterschätzt. John Ambrose ist galant, feinfühlig, sensibel, herzensgut, witzig, süß, intelligent und mochte Lara Jean schon seit er denken kann. Am Ende habe ich mich dabei ertappt, mir zu wünschen, unsere Heldin würde mit dem perfekten (vor allem für sie, wie sich herausstellt) John Ambrose in den Sonnenuntergang reiten.

Bei der Filmversion sieht das Ganze schon anders aus. Erstens ist die Adaption längst nicht so gelungen wie sein Vorgänger. Viele Dinge, die ich eigentlich als wichtig für den Aufbau des storyrelevanten Love Triangles erachte, werden verkürzt oder ganz weggelassen. Vor allem die ganzen Szenen, die die Verbindung von Lara Jean und John Ambrose stärken kommen bei Netflix teilweise plump, sehr gewollt oder eben gar nicht vor.

Beispiele gefällig? Lara Jean und John müssen im Altersheim übernachten wegen eines Schneesturms. Sie schleichen sich in der Nacht raus und haben Spaß im Aprilfrost. Die Freunde um Peter, John, Lara Jean und Gen spielen „Assassins“ eine Art Fangen, bei der John Lara Jean hilft Peters Ex-Freundin Gen auszuschalten. Nach und nach bauen die beiden eine tiefe Verbindung auf, die im Film bei mir nicht ankommt.

In der Leinwand-Version macht John sein freiwilliges Praktikum, wie Lara Jean, im Altersheim Belleview. Dadurch wird er schon früh in der Geschichte etabliert, aber die Interaktionen zwischen den beiden sind nicht wirklich bedeutsam. John ist zwar ganz süß, allerdings ist das auch schon alles. Am Ende ist mir als Zuschauer nicht klar, warum Lara Jean lieber John Ambrose nehmen sollte. Oder insgesamt, warum dieses Liebesdreieck eingeführt wurde. Dafür hätte es mehr gefühlvolle Szenen mit John bedurft, die nur den beiden gehören, um das Publikum dazu zu bringen unseren Hauptschwarm Peter in Frage zu stellen.

Natürlich muss man das Bild des netteren, zuvorkommenden Peters, das man in den Verfilmungen gezeichnet hat, weiter aufrechterhalten. Deshalb ist es gar keine Frage, für wen Lara Jean bestimmt ist. Es war die ganze Zeit Peter. In der Adaption macht er die Fehler zwar auch, aber abgeschwächt und nicht so viele davon. Das erste Drittel vom zweiten Buch wurde schon in „To All The Boy I’ve Loved Before“ behandelt, was bedeutet mehr Zeit, um das Liebesdreieck glaubwürdig aufzubauen. Stattdessen verbringt der Zuschauer die Hälfte des Spielfilms damit weitere Dates von Lara Jean und Peter mit anzusehen, was nur deren Beziehung stärkt. Außerdem trennt sich das Paar erst spät – wodurch John eigentlich keine Chance zu reagieren eingeräumt wird.

Doch der Moment, der mich beinahe hätte platzen lassen vor Ärger, war als der Tanz im Belleview Altersheim anstand und man versuchte alle Bonding-Momente zwischen Lara Jean und John Ambrose in diese eine Sequenz zu quetschen. Langsamer Tanz? Check. Gegenseitige Bewunderung? Check. Herumtollen im Schnee? Check. Alles fühlte sich gepresst und so unbedingt gewollt an.

Allerdings der Höhepunkt musste der Kuss zwischen den Beiden sein. Nach ein paar Sekunden verzieht Lara Jean den Mund und rennt davon. Sie hat in diesem Moment gemerkt, dass John nicht der Richtige für sie ist. Sondern Peter. So ein Quatsch. Im Buch küsst John Lara Jean im Auto, nach dem Tanz (übrigens eine 40er-Jahre Party keine „Sternenmeer“-Sache). Bei „Assassins“ sind nur noch Lara Jean und Gen im Spiel. Vor letzteren sind die Beiden gerade im Auto wie Bonnie und Clyde geflohen.

Nur die beiden sind in dem Moment wichtig. Es festigt ihre Verbindung noch. Stärkt sie. Lara Jean ist danach verwirrter als je zuvor. Selbst als Peter sie darauf anspricht, ob sie es nur getan hätte um ihn eifersüchtig zu machen (ja, Buch-Peter unterstellt solche Sachen) muss Lara Jean verneinen. Es ging in dem Moment nicht um Peter. Er war nicht einmal anwesend in ihrem Kopf, als es passierte.

Der Film wird John Ambrose nicht gerecht. Zurechtgestutzt und mit abgetrennten Flügeln kommt er daher. Da kann auch Jordan Fishers wunderbare Darstellung nichts dagegen ausrichten – oder das improvisierte Pianostück, dass er Lana Condor (Lara Jean) vorspielt. Film-Peter ist eben ein ziemlich guter Kerl. Und der Fokus liegt auf ihm. Natürlich entscheidet sich Lara Jean letztendlich, egal ob Buch oder Film für Peter Kavinsky. Allerdings ist man sich im Buch nicht immer komplett sicher – im Film schon. Zusammenfassend kann gesagt werden: Buch: Team John; Film: Team Peter.

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