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Fünf Bücher, um sich über Rassismus zu informieren

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In Amerika protestieren die Menschen auf den Straßen. Die Hautfarben der Demonstranten sind vielfältig. Doch genau die ist Grund für den Aufruhr. Ende Mai töten vier Polizisten den unbewaffneten George Floyd. Einer der Beamten kniet so lange auf dessen Hals, bis der schließlich aufhört zu atmen. Ein paar Wochen zuvor bereits sorgten die Fälle von Breonna Taylor, die im Schlaf bei einem Polizeieinsatz getötet wurde (die Beamten waren im falschen Haus) und Ahmaud Arbery, den zwei weiße Männern beim Joggen verfolgten und erschossen, für Aufsehen und weltweite Empörung.

Doch Floyds Tod brachte das Fass zum Überlaufen. Protestierende auf der ganzen Welt gingen auf die Straßen (trotz globaler Pandemie) und verlangten Gerechtigkeit. #Blacklifesmatter (dt.: „schwarze Leben sind bedeutend“) trendete auch auf den Sozialen Medien. Petitionen und Spenden sorgten dafür, dass einige der Täter verhaftet und angeklagt wurden. Doch der Kampf gegen den Rassismus ist damit noch nicht beendet.

Vor allem ist es nun an uns weißen Mitmenschen, ein guter Verbündeter zu sein. Und das gelingt durch Weiterbildung. Um Zusammenhänge und Ursachen besser zu verstehen, hier eine Liste an hilfreicher Lektüre. So könnt ihr einen klaren Standpunkt beziehen und so den nächsten rassistischen Kommentar im Keim ersticken. 

"Ohne Gnade" von Bryan Stevenson 

Der Anwalt Bryan Stevenson entschied sich die Fälle von rassistischer Diskriminierung im amerikanischen Rechtssystem zu veröffentlichen. Dabei vertritt er Mandanten, die gar keinen oder sonst nur einen pro forma Rechtsbeistand gestellt bekämen. Vor allem die unschuldig Inhaftierten aus der Todeszelle herauszuholen, hat sich Stevenson zur Aufgabe gemacht.

Im Buch beschreibt er mehrere Fälle, die sich wie ein Thriller lesen. 13-Jährige, die Ewigkeiten in Isolationshaft eingesperrt werden, willkürliche Verhaftungen und Vorurteile von Justiz und Polizei sind an der Tagesordnung. Ein wichtiges Werk, das das Versagen des Strafsystems anprangert und düstere Einblicke in die amerikanische Gesellschaft gewährt. 

"Zwischen mir und der Welt" von Ta-Nehisi Coates

Coates‘ bewegendes Manifest verwebt sein eigenes Schicksal mit der amerikanischen Geschichte. Und das in Form eines schmerzhaften und zugleich leidenschaftlichen Briefes an seinen Sohn. Coates legt dar, dass die rassistische Gewalt tief in Amerikas Identität verankert ist. Die radikale Polizei ist dabei nur eines der vielen Probleme. Es gibt keine individuelle Verfehlung. Das Land sei auf dem Rücken von Sklaven aufgebaut.

Das Sterben habe hierbei jedoch nach der Befreiung nicht aufgehört. Coates möchte, dass sich seine Mitmenschen mit der Vergangenheit auseinandersetzen, sich darüber informieren und weiterbilden. Nur so kann ein Bewusstsein gegen Diskriminierung geschaffen werden und auch nur so ist es möglich Rassismus zu bekämpfen. 

"Beale Street Blues" von James Baldwin 

Eines meiner absoluten Lieblingsbücher von einem meiner absoluten Lieblingsautoren. Hier in Deutschland ein bisschen in Vergessenheit geraten, haben die Themen seiner Romane, die zwischen 1953 und 1979 erschienen, leider an keinerlei Aktualität eingebüßt. 2018 wurde Baldwins Meisterwerk „If Beale Street Could Talk“, passend zur Verfilmung von Oscar-Preisträger Barry Jenkins, neu ins Deutsche übertragen.

Die jungen Erwachsenen Tish und Fonny (19 und 22 Jahre alt) waren Freunde bevor sie sich ineinander verliebten. Nun erwartet Tish ein Kind. Aber das junge Glück hält nicht lange. Denn Fonny wird für ein Verbrechen angeklagt, das er nicht begangen hat.  Allein seine Hautfarbe scheint als Beweis für seine Schuld auszureichen. Als Tish ihrem Liebsten helfen will, bemerkt sie wie tief der Hass bei Polizei und Bevölkerung reicht. 

"Deutschland Schwarz Weiß" von Noah Sow 

Rassismus ist kein exklusiv amerikanisches Thema. Die deutsche Künstlerin und Aktivistin Noah Sow beschreibt offen und tiefgründig den alltäglichen Rassismus in Deutschland. Sie erklärt beispielsweise wie sich die Unicef-Plakate an rassistischen Klischees bedient. Oder dass wir in der Schule neben dem Grundgesetz, dass alle Menschen gleich sind, eben auch noch Basiswissen aus der Kolonialzeit beigebracht bekommen.

Dabei klärt Sow vor allem über den Rassismus auf, der den weißen Mitbürgern nicht einmal als solcher auffällt. Doch noch ist nicht alles verloren. So meint Sow, wir könnten nichts dafür, dass man uns so viel rassistischen Unsinn gelehrt hat. Es ist nun eben an uns und an kommenden Generationen, das Ganze wieder zu entlernen. Das bedeutet Arbeit und ist unbequem, aber auch notwendig. 

"The Hate U Give" von Angie Thomas

Die eher schüchterne Starr lebt mit ihrer Familie in einem überwiegend von Afroamerikanern bewohnten Stadtviertel. Hier arbeitet sie in ihrer Freizeit im Lebensmittelladen ihres Vaters. Doch sie ist zerrissen. Zusammen mit ihrem älteren Bruder Seven geht Starr auf die renommierte Williamson High School für die weiße Oberschicht. Dadurch hat Starr das Gefühl nirgends wirklich rein zu passen. Nicht zu ihren weißen Freunden in der Schule, aber auch nicht zu ihren schwarzen Freunden von früher.

Eines Tages trifft sie Khalil ihren Kumpel aus Kindheitstagen auf einer Party in der Nachbarschaft wieder. Doch als Khalil Starr nach Hause bringen will, werden die Beiden von einer Polizeistreife angehalten und Khalil wird von dem Officer erschossen. Als Starr bemerkt, dass ihre Aussage ganz und gar nicht dabei hilft den Schuldigen zur Rechenschaft zu ziehen, wird sie zur Redelsführerin einer Revolution in Garden Heights. Autorin Angie Thomas ließ sich von ihren eigenen Kindheitserinnerungen an eine Schießerei inspirieren. Zudem trifft Starrs Geschichte den jetzigen Zeitgeist perfekt. 

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