Stimmt.de

Stimmt! Magonline lesen!

Nachricht-Detail

Warum DARK die beste deutsche Serie ist

zurück zur Übersicht

Die Mehrheit der Deutschen ist ziemlich festgefahren in ihren Sehgewohnheiten. Zwischen Tatort, dem Alten, dem Dicken, Notruf Hafenkante (übrigens alles richtige TV-Serien) – sprich Crime – , Dreiteiler über den Zweiten Weltkrieg und Komödien von und mit Schweiger oder Schweighöfer ist nicht mehr viel Platz für ein anderes Genre. 

Drama ist das höchste der Gefühle an Vielfalt. Es scheint, die deutsche Filmindustrie hat ein Problem damit, Content zu produzieren, der nicht nach einem bestimmten Schema verläuft oder total unwitzig ist. Das letztere ist ein beliebtes, Jahrtausende altes Vorurteil, das erst einmal von jemandem widerlegt werden müsste. 

Bei Fantasy und Science Fiction greifen wir lieber auf amerikanische Shows zurück. Zu viel Angst scheinen die Kreativen der Branche zu haben. Aber vor drei Jahren haben sich Retter erhoben – durch die Tiefen des todlangweiligen Krimi-Genres haben sie sich gewühlt, um Mystery, Sci-Fi und Zeitreisen miteinander zu vereinen. 

Die erste deutsche Netflix-Serie 

Heraus kam die erste deutsche Netflix-Serie DARK. Schweizer Baran Bo Odar und seine Frau Jantje Friese haben ein modernes Epos erschaffen. Drei Zyklen – beziehungsweise Staffeln – umspannt die Story um Jonas Kahnwald und seine komplizierten Familienverhältnisse. 

Als auf mysteriöse Weise mehrere Jugendliche in der fiktiven Stadt Winden verschwinden, darunter auch der Bruder von Jonas‘ Schwarm Magda, erinnern sich die Bewohner an einen ähnlichen Fall von vor 33 Jahren. 1986 war nämlich schon einmal ein 12-Jähriger nicht mehr heimgekehrt. Könnte es sein, dass alles miteinander zusammenhängt? 

Jonas plagen derweil seit dem Selbstmord seines Vaters psychische Probleme. Als er jedoch einen Abschiedsbrief sowie eine Karte findet, kommt er endlich dem Geheimnis hinter Michael Kahnwalds Tod Stückchen für Stückchen näher. Und es ist viel größer, als sich Jonas je zu träumen gewagt hätte. 

Düste Atmosphäre und gute Twists 

Durch die Reichweite von Netflix ist die deutsche Produktion in 190 Ländern verfügbar. Besonders in Brasilien und anderen lateinamerikanischen Ländern ist die Time-Travel-Show beliebt. Ende Juni wurde die letzte Staffel veröffentlicht und platzierte sich sofort auf Platz eins des Netflix-Rankings.

DARK punktet vor allem durch seine düstere Atmosphäre, die an Stephen King oder Stranger Things erinnert. Die Darstellung der Charaktere ist nuanciert und vielschichtig – was besonders an dem hervorragenden Cast (beispielsweise Louis Hofmann und Oliver Masucci) und dem exzellenten Drehbuch liegt. 

Die Twists lassen einen mit offenem Mund zurück. Egal, wie oft man denkt, man sei gefeit gegen die emotionalen Schläge in die Magengrube, bringen sie einen doch immer wieder aus dem Konzept. Manchmal sogar so weit, dass man erst einmal Pause drücken muss, um noch einmal – am besten mit jemandem zusammen – durchzugehen, was gerade passiert ist. Habe ich das jetzt richtig verstanden? Doch, doch, das muss tatsächlich so sein. 

Zeitreise und Grenres-Mix 

Das Thema Zeitreise ist an sich nicht mehr ganz taufrisch. Bekommt in DARK allerdings einen neuen Anstrich. Die Geschichte ist so ein cleverer Hybrid aus mehreren Genres (Mystery, Fantasy, Science Fiction) das mit einem klassischen Wer-hat‘s-getan (engl. „Whodunnit“) beginnt, um sich dann in eine verzwickte Verkettung von Ereignissen und Figuren zu entwickeln, die Elemente aus klassischen Franchises aufgreift. 

Die Idee des Auserwählten – wie in Harry Potter. Die Gruppe junger Erwachsener, die zuerst die Einzigen zu sein scheinen, die verstehen, was abläuft – wie in Stranger Things. Die gute und die böse Seite der Reisenden – wie in Star Wars. Die vier Familien, die darin verstrickt sind – wie in, und ich weiß das ist vielleicht ein bisschen übertrieben, Game of Thrones. 

Aufhören, wenn es am Schönsten ist 

Das alles macht DARK zu etwas ganz Besonderem. Außerdem schaffen die Showrunner hier etwas, das vielen anderen Serienmachern schon um die Ohren geflogen ist. Das Ende perfekt zu landen. Ein bisschen bittersüß, ein bisschen herzzerreißend – aber im Endeffekt die einzige Lösung des Problems und zugleich der Schluss, auf den die Charaktere schon die ganze Serie über zusteuerten. 

Wie erkennt man eine herausragende Serie? Du starrst erst einmal eine Weile die nackte Wand an, fragst dich, was gerade eigentlich passiert ist und wunderst dich, wie du dein Leben jetzt weiterführen sollst. Was kommt als Nächstes? Ich kann doch jetzt nicht mit irgendwas anderem anfangen. Also entschuldigt mich, während ich DARK zum sechsten Mal von vorne anschaue. 

Der Trailer zur ersten Staffel wird sicher eure Neugier wecken. Streamen könnt ihr die Serie ausschließlich bei Netflix selbst. Viel Spaß! 

Galerien

Regionale Events