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Warum ihr alle Hamilton auf Disney Plus sehen müsst

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Aus dem Off ertönt eine Stimme, die darum bittet, Telefone und Kameras ausgeschaltet zu lassen. Interessante Forderung, wenn man bedenkt, dass derzeit weder in den USA noch in Deutschland Musicals aufgeführt werden. 

Aber Disney Plus hat die Lösung: eine Aufnahme des Broadway-Hits „Hamilton“. Gefilmt wurde an drei Tagen im Jahr 2016 mit der Originalbesetzung. Sprich Autor und Komponist Lin-Manuel Miranda transportiert die Zuschauer zusammen mit Tony-Gewinnern Leslie Odom Jr. und Reneé Elise Goldsberry zurück ins Amerika des 18. Jahrhunderts. Genauer gesagt in die Zeit des Unabhängigkeitskrieges, als sich die neue Welt von der Unterdrückung ihrer britischen Kolonisatoren  freimachte. 

Um den simulierten Theaterbesuch noch authentischer zu machen, gehört natürlich auch das Intro dazu. Nicht Filmen, keine Handys. Und habt auch viel Spaß bei „meiner“ Show, wie König George III. freundlichst anmerkt. 

Allerdings geht es ganz und gar nicht um ihn. Im Mittelpunkt steht, wie auch schon der Name des Musicals verrät, Alexander Hamilton. Gründervater der Vereinigten Staaten, Mitverfasser der amerikanischen Verfassung und für die Menschen im Land der unbegrenzten Möglichkeiten allgegenwärtig, prangt Hamiltons Kopf doch auf der 10-Dollar-Note

Der Einwanderer von den karibischen Inseln wurde schon früh zur Waise und eignete sich viel Wissen selbst an, da er alle Bücher, die er zu fassen bekam, verschlang. Ein Genie, darum bemüht, die Welt besser zu machen. Ein idealistischer Träumer – der beinahe immer sagte, was er dachte. 

Lin-Manuel Miranda war nach der Lektüre der Biografie so begeistert von dem, zumindest für Nicht-Amerikaner, eher unbekannten Hamilton, dass er sich dafür entschied, ein Hip-Hop-Musical zu schreiben. Das Resultat nach sieben Jahren Arbeit: Ein innovatives Meisterwerk.

Die Hauptrollen (der zum Großteil historisch weißen Figuren) werden mit schwarzen, asiatischen oder hispanischen Darstellern besetzt – das Stück hauptsächlich gerappt. Revolutionär und süchtig machend. Die Performances sind umwerfend, die Songs eingängig und mitreißend. Antagonist Aaron Burr ist so vielschichtig geschrieben, dass man nicht anders kann, als mit ihm zu sympathisieren. 

Während uns Hamiltons Geschichte inspiriert, verwebt Miranda mühelos die musikalische Geschichte des Hip Hop, Rap und Rythm and Blues in seinen Melodien. Beeinflusst von Destiny’s Child und Jay-Z rappen sich die Väter Amerikas frei. 

Und auch die Frauen in Hamiltons Leben sind stark, zielstrebig und haben unverwechselbare Liedzeilen, die legendär sind. Durch Metaphern (wie die eine tödliche Gewehrkugel, die durch ein Ensemblemitglied dargestellt wird), eine Drehscheibe in der Mitte der Bühne und die kurzweiligen Besuche des verärgerten britischen Königs schafft es Miranda kitschfreien Pathos mit Emotionalität und Witz zu verbinden. 

Natürlich wird nicht alles thematisiert – wie beispielsweise die Rolle der Gründerväter in der Sklaverei. Allerdings, wenn ihr genügend Englisch sprecht, um euch zweieinhalb Stunden Geschichtsunterricht auf coole Art anzuhören – tut es! Ihr werdet nicht enttäuscht. 

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