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Warum ihr Parasite unbedingt sehen solltet

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Zwei Familien. Die eine reich, sorglos und privilegiert. Die andere verschuldet, verzweifelt und zu allem bereit, um aus ihrer Lage zu entfliehen. 

Als der Sohn der letzteren einen Job als Nachhilfelehrer für Englisch bekommt, schafft er es nach und nach, die Angestellten der Wohlhabenden durch seine Eltern und seine Schwester zu ersetzen. Und das mit nicht ganz einwandfreien Tricks. Doch im Haus geht etwas Merkwürdiges vor sich, von dem niemand etwas ahnt. Und löst eine Kette von Ereignissen aus, die alles verändern werden. 

Mehr möchte ich gar nicht verraten. Am besten sieht man sich Parasite mit so wenig Vorwissen wie möglich an. So erwischt einen der Plot noch heftiger. 

Gesellschaftskritische Symbole

Meisterwerk, das 2020 zum ersten Mal in der Geschichte der Academy Awards als nicht-englischsprachiger Film den Preis für Best Picture abräumte, überzeugt mit fantastischen und unvorhersehbaren Twists. Zugleich ist der Film ein einzigartiges Beispiel für eine moderne Parabel über Konsumzwang, die Kluft zwischen den sozialen Schichten und Snobismus

Dabei trifft es genau den Zeitgeist und ist doch eine Genremischung, die man so noch nie zuvor im Kino gesehen hat. Das Werk ist voller Metaphern und Symbole. Der soziale Stand der Figuren wird vor allem durch die Lage der Wohnung (je reicher man ist, desto weiter oben lebt man) und die Anzahl der Fenster dargestellt. So hat die wohlhabende Familie eine komplett verglaste Hauswand, während die Angestellten gerade mal ein Oberlicht besitzen. 

Die gesellschaftliche Stellung der Figuren wird nochmals durch den Gestank verdeutlicht, den die Angestellten der Meinung ihrer Vorgesetzten nach verströmen. Die untere Mittelschicht wird wie Dreck behandelt. Und kann nie mehr sein als Dreck. 

Denn obwohl Familie Kim sich ihren Weg zu diesen Arbeitsplätzen erlogen und ihre Herkunft ein wenig frisiert hat – kommen sie doch vom Gestank der Armut nicht los. 

Clevere Handlung 

Natürlich ist Parasite düster, kann sogar einige Horrorelemente vorweisen, doch trotzdem schafft es Bong Joon-ho auch, Witz und Sarkasmus in seine Erzählung zu bringen. Die Kameraführung ist exzellent und addiert extra Spannung zur Story. 

Die Handlung ist unglaublich clever. Sie lässt den Zuschauer hoffen, nur um diesen Funken sofort wieder mit der Wahrheitskeule im Keim zu ersticken. Auf jeden Fall lässt sie einen so schnell nicht mehr los. Regt zum Nachdenken an und ist so komplex und verdichtet, dass einem bei jedem weiteren Ansehen neue Kleinigkeiten auffallen, die einem vorher entgangen sind. 

So geht innovatives Kino in Zeiten von ewig gleichen Sequels und Reboots. 

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