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Warum man sich nicht stressen sollte, in der Quarantäne produktiv zu sein

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Auf Social Media und im Internet ganz allgemein wird zu Pandemie-Zeiten darüber diskutiert, was man denn mit sich anfangen soll, wenn man das Haus nicht verlassen darf.  Man könnte doch die Zeit nutzen. Während man Zwangsurlaub von der Schule, Uni oder Arbeit hat, wäre es doch schön, irgendetwas Sinnvolles zu tun. 

Wie zum Beispiel eine neue Sprache zu lernen. Italienisch, Polnisch? Oder die Latte noch ein bisschen höher legen und eine Sprache wählen mit einem ganz neuen Alphabet, wie Russisch oder Griechisch? Nein, wisst ihr was? Bitte gleich nur noch Schriftzeichen – Chinesisch oder Japanisch darf es sein. 

Größen der Weltliteratur wie Shakespeare und Dickens sollen während Pandemien Texte für die Ewigkeit verfasst haben. Also, sagt mir, wo ist euer Prosa-Klassiker? Wann wäre denn eine bessere Zeit dafür, den markerschütternden Roman, der dir schon seit einer Weile im Kopf herumspukt – für den du nur keine Handlung hast – zu verfassen als gerade jetzt? Wie die Höhner so schön singen: Wenn nicht jetzt, wann dann? Oder?

Vielleicht solltet ihr auch an eurer Karriere als Influencer auf Youtube oder Instagram arbeiten. Ihr schminkt euch dann zwar nur noch für eure Follower, aber für irgendetwas muss man sich schließlich zwischendrin mal duschen. Ihr könntet eure Filmsammlung, Buchsammlung, Gamesammlung, Briefmarkensammlung – irgendeine Sammlung herzeigen und darüber diskutieren. Vor der Kamera. 

Ihr hättet endlich die Möglichkeit, Gitarre spielen zu lernen oder auch nur Noten lesen zu lernen. Wie wäre es, eine virtuelle Band mit deinen Freunden zu starten, die sich alle ein anderes Instrument aneignen? Nach Corona wärt ihr bestimmt der Hit auf jeder Party. Wenn ihr nicht sogar entdeckt werdet? 

Warum nicht für Sommerjobs bewerben? Wenn man dann wieder raus darf, ist das bestimmt eine gute Idee, oder? 

Ihr könntet auch im Haus euer Workout starten für den Beach-Body. Ganz wichtig, für den Urlaub, der vermutlich dieses Jahr ins Wasser fällt. 

Du liebst es, zu lesen? Warum nicht die einmalige Chance nutzen und jeden relevanten Klassiker der Literaturwelt verschlingen? Der große Gatsby, On The Road, Wer die Nachtigall stört – egal. Hauptsache, ihr seid bereit, tiefschürfende Gespräche über sie zu führen. 

Euch ist das alles zu viel Produktivität? Ihr findet irgendwie die ganze Situation einschüchternd und versumpft in eurem Sofa vor der Lieblingsserie auf Netflix, die es immer schafft, euch ein bisschen Trost zu geben? Verständlich. Die Situation kann einem zeitweise tatsächlich wie aus einem schlechten Endzeit-Thriller vorkommen. Deshalb an die Anweisungen halten, Hände waschen und Abstand halten. Und vor allem: auf euch selbst aufpassen (aka „Self Care“). Setzt euch nicht damit unter Druck, der nächste Picasso oder die nächste Beyoncé zu werden. Falls ihr einen epischen Fantasy-Schmöker à la George R. R. Martin zustande bekommt – immer her damit. Aber falls nicht, seid ihr wenigstens gesund geblieben und habt andere davor beschützt, krank zu werden. Das finde ich persönlich ziemlich Superhelden-würdig.

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