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Warum mich Jane Austen in Epidemie-Zeiten beruhigt

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Schmachtende Blicke durch den Ballsaal hindurch, wohlhabende, ledige Männer, die auf der Suche nach einer Gattin sind – das ist eine überall anerkannte Tatsache – und Gefühle so stark, dass man ausführlicher darüber reden könnte, wenn diese schwächer wären. 

Das ist die Welt von Jane Austen (1775 – 1817), eine der berühmtesten Schriftstellerinnen der Geschichte. Ihre Bücher handeln meist von einer unmöglichen Liebe, sind dabei aber ebenfalls scharfzüngig und herrlich komisch. Auch die gesellschaftlichen Zustände der damaligen Regency-Ära kommen bei Austen unters Mikroskop. Klassenunterschiede, Unterdrückung der Frau und Snobismus unter anderem prangert die Britin an. Zudem spielen reichlich Vorurteile, Intrigen und alltägliche Kommunikationsschwierigkeiten eine große Rolle. Verwoben mit den einzigartigen feministischen Stimmen, die Austen ihren Heldinnen gibt, spinnt sich daraus eine Lektüre, die mit am besten für eine Alltagsflucht geeignet ist. 

Zu einer Zeit, in der es verpönt war, Zuneigung in der Öffentlichkeit zu zeigen – man konnte sich dadurch komplett ruinieren – musste eben das beiläufige Streifen einer Hand oder der sehnsuchtsvolle Ausdruck in den Augen als Annäherung ausreichen. 

Die Gesundheit: ein beliebtes Gesprächsthema

In der Corona-Krise nehmen Sätze wie „Ich hoffe, Ihre Familie ist bei guter Gesundheit“ eine völlig neue Dimension an. Natürlich war es schon immer ein Zeichen dafür, dass sich der Protagonist tatsächlich für seine Angebetete interessiert – was ohne Frage den Leser ins Schwärmen geraten lässt – aber gerade in diesen ungewissen Zeichen zeigt Jane Austen, welches romantische Potenzial diese Frage doch haben kann. 

Die sechs Bücher und einige ihrer Filmadaptionen halten mich gerade über Wasser. Mister Darcy, Colonel Brandon, Mister Knightley, Henry Tilney und Captain Wentworth sind meine Gefährten in der Krise und machen dabei einen wirklich hervorragenden Job. 

Zu wenig Mitgift, Standesdünkel oder die vorlaute Bekannte

Die Galanterie, die Chemie zwischen den Charakteren – und das ganz ohne Anfassen – die Hürden und persönlichen Mängel, die erst einmal überwunden werden müssen, bevor die Hauptfiguren zusammen sein können. Selbstverständlich bekommt jede Austen-Heldin zum Schluss ihr Happy Ending. Dieser Mix schafft es, mich ins England des 18. Jahrhunderts zu befördern, sodass ich mich die nächsten Stunden erst mal nur um Probleme wie zu wenig Mitgift, Standesdünkel oder die vorlaute Bekannte der Protagonistin kümmere. 

Natürlich sind die Einschränkungen für Frauen – obwohl, eigentlich für jeden, der nicht reich, weiß und vorzugsweise männlich ist – beträchtlich und in dieser Vergangenheit leben wollte ich auf gar keinen Fall. Doch ein bisschen in der Geschichte zu stöbern und in Zeiten zu schwelgen, in denen das höchste der Gefühle ein Handkuss oder eine charmant platzierte Bemerkung war, macht ungeheuer Spaß. Und nimmt einem das Grübeln zumindest etwas ab

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