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Alltag in Kambodscha

Übersicht

Wie in meinem vorherigen Bericht schon erwähnt, soll es hier um meinen Alltag gehen. Nach fünf Monaten bin ich definitiv hier angekommen und habe mittlerweile eine mehr oder weniger feste Routine.

Der Morgen

Im ländlichen Kambodscha gehen die Menschen früh ins Bett und stehen dafür sehr früh auf, noch vor Sonnenaufgang. Wer mich kennt, weiß, so weit habe ich mich noch nicht angepasst. Trotzdem versuche ich zumindest um circa 6.30 Uhr aufzustehen, obwohl es erst um 8 Uhr Frühstück gibt. Ich brauche diese extra Zeit vor dem Frühstück. Wenn ich erst kurz vor dem Frühstück aufstehe, fühlt sich der Tag sehr kurz an, da es in Kambodscha schnell dunkel wird.

Das Frühstück wird von unserer Gastmutter gekocht oder vom Markt gekauft, und wartet bereits auf uns, wenn wir hungrig in die Küche gehen. Wie schon in einem früheren Bericht erwähnt, könnte das Frühstück genauso Mittag- oder Abendessen sein und basiert wie alle Gerichte hier auf Reis. Daran habe ich mich aber schnell gewöhnt. Den Abwasch machen wir dann wie nach jeder Mahlzeit von Hand. (Auch die Wäsche wird von Hand gewaschen, oder zur Wäscherei gebracht, wenn man zu faul ist)

Nach dem Frühstück gibt es Zeit für die Unterrichtsvorbereitung. Dazu stehen uns für die einzelnen Klassen Lehrbücher zur Verfügung, nach denen wir uns richten können. Ich arbeite aber auch gerne mit Arbeitsblättern und Aufgaben, in denen die Schüler zum Sprechen kommen. Dazu muss man auch manchmal über das Buch hinausgehen. Ich bin jeden Tag für 4 Klassen verantwortlich.

Wenn Workcamps im Projekt sind und morgens etwas Zeit bleibt, gehört zum Morgen auch etwas körperliche Arbeit. Im Moment arbeiten wir an einem Landwirtschaftsprojekt, für das wir einen großen Kompost aufbauen und schichten müssen.  

Der Mittag

Da die Essenszeiten von unserer Gastfamilie vorgegeben sind, haben meine Tage immer eine feste Struktur. Mittagessen gibt es um 12 Uhr und besteht, wer hätte das gedacht, hauptsächlich aus Reis. Dazu gibt es aber auch immer zwei bis drei verschiedene Beilagen, die in der Mitte des Tisches stehen und von allen geteilt werden. Das Teilen des Essens gehört hier zur Kultur. Im Gegensatz zu Deutschland bestellt man selbst in Restaurants nicht nur für sich, sondern teilt mit allen. Danach ist wieder Abwasch angesagt und eine 30 Minuten Pause.

Unterricht beginnt

Die Klassen, die wir unterrichten, sind vom Alter aufsteigend. Von 13.30 Uhr bis 14 Uhr sind mit ihren ca. 8 Jahren unsere jüngsten Schüler dran. Die anderen drei Klassen sind dann jeweils älter und etwas weiter fortgeschritten, was ihr Englisch betrifft. Sie erhalten 60 Minuten Unterricht.  Ich unterrichte von 13.30 Uhr bis 15 Uhr, dann gibt es eine Stunde Pause, bis dann die älteste Klasse (bis 16 Jahre) dran ist.

Wir unterrichten nachmittags, da wir eine informelle Schule sind und die Kinder vormittags (die Älteren auch bis 15 Uhr) in die öffentliche Schule müssen. Daher sind sie manchmal müde und erschöpft. Der Unterricht muss also auch etwas lockerer sein können. Der Spaß beim Lernen ist sehr wichtig. Man muss mit Chaos umgehen können. Mittlerweile kann ich mich aber schon recht gut in Khmer verständigen, was den Unterricht erleichtert.  

Der Abend

Nach dem Unterricht gieße ich dann unseren Garten, in dem wir Blumen und Okra gepflanzt haben. Die Gartenarbeit mache ich gerne, sie hat etwas meditatives und hilft mir, den Tag abzuschließen. Auch die unglaublichen Sonnenuntergänge helfen. Abendessen gibt es um 19 Uhr, dann Abwasch.

Nach dem Abendessen ist Zeit für mich, in der ich zum Beispiel, wie in diesem Augenblick, einen Blogeintrag schreiben kann.

Dann geht es schlafen. Ich haben zwar eine Gastfamilie, lebe aber in einem separaten Gebäude. Dieses beinhaltet ein Schlafzimmer, das ich mir mit meinem Mitfreiwilligen und meinem Center-Manager teile (es steht noch ein weiteres Bett im Raum), sowie unser Büro, in dem wir unseren Unterricht vorbereiten.

Die Zimmer sauber zu halten, ist unmöglich. Jeden Abend schwirren Hundertschaften (eventuell etwas übertrieben) von Eintagsfliegen um unsere Lampen. Und wenn der eine Tag vorbei ist, dürfen wir die Überreste aus unserem Zimmer kehren. Gute Nacht.

Das Wochenende

Dieses Muster zieht sich von Montag bis Freitag durch. Samstagsmorgens unterrichte ich noch eine 5. Klasse für 90 Minuten in der öffentlichen Schule, 10 Minuten mit dem Fahrrad von unserem Center entfernt.

Hier lohnt es sich zu erwähnen, dass die 37.50 Dollar, die ich in ein neues gebrauchtes Fahrrad investiert haben, sich sehr gelohnt haben. Mit dem Fahrrad gelange ich zu allen wichtigen Orten wie der Schule oder den Märkten. Den Unterricht bereite ich am Freitag Abend vor.

Danach ist dann wirklich Wochenende. Oft fahren wir in die größeren Städte wie Phnom Penh, Kampot oder Kep, oder wir entspannen im Center und verbringen Zeit mit den Dorfbewohnern. Meistens mit der ein oder anderen Dose Bier, wie es hier üblich ist.

 

Die Workcamps

Wenn Workcamps (Gruppen von Freiwilligen die für 1-3 Wochen im Projekt helfen) hier sind, kommen in meinem Alltag noch einige Aufgaben dazu. Zu der körperlichen Arbeit muss man sich mehr um die "Projektinfrastruktur“ kümmern, z. B. die Trinkwasserversorgung (wir trinken aus 20 Liter Kanistern).

Ich leite mit Adrian zusammen bereits alleine Workcamps und bin in dieser Funktion für den Tagesablauf der Freiwilligen und ihre Sorgen und Fragen verantwortlich. Abends gibt es daher regelmäßige Meetings in denen darüber gesprochen werden kann. In den nächsten drei Monaten werden durchgängig Workcamps im Projekt sein.    

Es ist zwar mehr zu tun, aber genau diese Arbeit gibt mir das Gefühl, wirklich ein Teil des Projekts zu sein.

 

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