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Neues Jahr, neue Pläne

Übersicht

Schon bevor ich meinen Freiwilligendienst antrat, hatte ich mir vorgenommen, mehr zu machen als "nur“ zu unterrichten. Die Freiheit Projekte umzusetzen, die über die Haupttätigkeit (den Englischunterricht) hinausgehen, war damals ein Grund, mich für mein jetziges Projekt zu entscheiden.

Erste Schritte, erste Hürden

Ursprünglich wollte ich mein meine Begeisterung für Politik und Wirtschaft vermitteln.

In meinen letzten Schuljahren hatte ich die Möglichkeiten, Teil einer Schülerfirma zu sein, sowie an einer Model United Nations Konferenz teilzunehmen. Beides hatte mir viel Spaß gemacht und sich in der Rolle der "Großen“ zu begeben, war eine neue und aufregende Art des Lernens. Solche Projekte wollte ich auch mit den Kindern aus dem Dorf durchführen.

Als ich die ersten Schritte in meinem Projekt machte, wurde ich allerdings etwas auf den Boden der Realität zurückgeholt.

Mangel an Interesse

Erst hatte es eine Zeit lang gedauert, bis ich ins Unterrichten gefunden habe. Und auch wenn ich jetzt schon lange meine Routine habe, sind wir oft nicht sehr stark besetzt, sodass am Tag nicht viel Zeit bleibt, sich auf anderes zu konzentrieren. (Was nicht geholfen hat, war meine Uni-Bewerbung, die ich gleichzeitig fertigstellen musste.)

Das größere Problem aber, war ein Mangel an Interesse zur Politik und Wirtschaft, das die Kinder von Ihren Eltern "vererbt“ bekommen. Es herrscht in Kambodscha kein Klima, in dem Politik offen diskutiert wird. Die Menschen auf dem Dorf beschäftigen sich nicht damit und wollen das auch nicht. Alles was Sie sehen, sind die Propagandaschilder der, immer autokratischer werdenden, Regierungspartei CPP (Cambodian Peoples Party).

Pech, mein kambodschanischer Mentor hatte mir daher von solchen Inhalten abgeraten.

Ein kleiner Erfolg war eine Stunde am 10. Dezember (Human Rights Day), in der wir die Kinder über ihre unveräußerlichen Menschenrechte aufgeklärt haben.

Neue Projekte

Mit dem neuen Jahr habe ich aber angefangen weiteren Projekten unseres Centers stärker nachzugehen. Hier möchte ich von drei dieser Projekte berichten:

Musik und Kultur

Durch unseren deutschen Mentor in Kambodscha, haben wir einen Kontakt zu Cambodian Living Arts (CLA). Unser Wunsch hier im Center war es schon von Anfang an, Musikangebote zu machen. CLA ist eine Organisation, die für den Erhalt traditioneller kambodschanischer Musik und Kultur kämpft.

Künstler und die traditionelle kambodschanische Kultur konnten unter den Roten Khmer nur knapp der Auslöschung entgehen (Musiker und andere Künstler wurden von den Roten Khmer in der Regel umgebracht). Im Moment arbeite ich daran, eine Veranstaltung zu organisieren, an der kambodschanische Künstler kommen, um den Kindern die traditionellen Instrumente vorzustellen, vorzuspielen und sie hoffentlich für Musik und ihre kulturellen Wurzeln zu begeistern.

Social Enterprise

Unser Learning Center kooperiert schon seit einer Weile mit "Plant for Water“, einer Organisation aus Hong Kong, die Moringabäume in unserer Community pflanzt und den Dorfbewohnern beibringt, organische Seife mit Moringa-Pulver herzustellen. Die hergestellte Seife wird dann an Teilnehmer der nächsten "Plant for Water“-Workcamps verkauft, wodurch die Dorfbewohner etwas Geld verdienen.

Ich fand diesen Ablauf unbefriedigend, da die Dorfbewohner sehr unregelmäßig produzieren und auch nur sehr unregelmäßig entlohnt werden. Ich möchte die Fertigkeiten, die die Dorfbewohner (hauptsächlich Frauen) erlernt haben, in eine echte Einkommensquelle entwickeln.

Damit im Hinterkopf habe ich einige Läden und Unternehmen in der nächst größeren Stadt, Kampot, kontaktiert, um weitere Vertriebswege für unsere Seife zu eröffnen. Die Idee ist ein kleines Unternehmen aufzubauen, das ausschließlich der Community dient. Ich habe schon einige positive Rückmeldungen bekommen, aber wir müssen unser Produkt noch verfeinern.

Nachhaltige Landwirtschaft

Wie schon oben angeklungen ist, geht es bei meinem Projekt nicht nur um Englischunterricht, sondern auch um Community-Entwicklung. Die Seife ist ein Teil des Plans, für die Dorfbewohner (fast ausschließlich Reisbauern) weitere Einkommensmöglichkeiten zu schaffen. Ein weiterer Plan, der dazu auch noch die Umwelt (das dritte große CYA Ziel) einschließt, ist die Einführung des Permakultur Konzepts in unserer Gemeinschaft. Bei der Permakultur geht es darum, eine dauerhaft nachhaltige Farm anzulegen, die im Einklang mit dem Ökosystem steht, aber trotzdem auch Erträge abwirft. Wir wollen eine solche Farm gemeinsam mit den Dorfbewohnern errichten, sie über die Umwelt und Nachhaltigkeit informieren und damit eine Alternative oder Ergänzung zum Reisanbau liefern.

Ich bin überzeugt, dass dieses Projekt das Potential hat, viel zu bewegen. Wir schaffen Bewusstsein für eine gesunde Umwelt, gesunde Ernährung ohne schädliche Pestizide und erweitern den Horizont des Möglichen. Am Ende wird es sich außerdem im Geldbeutel der Familien manifestieren, die mehr in ihre Kinder investieren können und so vielleicht einen positiven Kreislauf ins Rollen bringen.

Um dieses Projekt zu ermöglichen, brauchen wir Startkapital. Ich habe hier (https://www.gofundme.com/change-lives-in-rural-cambodia) den Link zu einer Spendenkampagne hinzugefügt, in der nochmals Details zu unserer Vision und Tätigkeit stehen. Wir sind für jede Form der Unterstützung dankbar. Jede Spende oder einfach nur das Teilen des Links bringt uns einen Schritt weiter. Vielen Dank fürs Ansehen.

 

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