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Eingesperrt in Peru

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Patrouillierende Soldaten mit Maschinengewehren, vollmaskierte Menschen auf der Straße und die einzigen Geräusche in der Stadt sind die Sirenen von Militär und Polizei: Was mehr wie die Beschreibung in einem dystopischen Film klingt, ist in Peru die pure Realität. Seit 16. März herrscht in Peru der nationale Ausnahmezustand. Und ich war mittendrin… 

Vor dem 10. März war in Peru noch alles in bester Ordnung. Ich ging normal zur Arbeit und das peruanische Leben, in welchem ich seit acht Monaten in der drittgrößten Stadt Perus namens Cusco teilnahm, war geprägt durch den chaotischen Verkehr, Musik an jeder Straßenecke und jeder Menge Lebensfreude.

Leergeräumte Supermärkte, gestiegene Preise

Erschreckende Bilder über leergeräumte Supermärkte und tausende Patienten in Asien und Europa bekam ich nur durch die Nachrichten und Erzählungen meiner Freunde und Familie via Videoanruf mit. Doch dann trafen schlagartig die ersten Corona-Fälle in Peru ein und am nächsten Tag waren die Supermärkte leergeräumt. Lebensmittelpreise stiegen in die Höhe und in den Läden herrschte Chaos pur. Die Regierung um Präsident Vizcarra reagierte schlagartig auf die ersten Fälle und innerhalb von zwei Tagen wurde der nationale Ausnahmezustand im ganzen Land verhängt.

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Das heißt, dass eine nationale Ausgangssperre für das ganze Land gilt. Lediglich der Versorgungs- und Gesundheitssektor darf noch arbeiten gehen. Alle anderen dürfen das Haus nur für dringende Einkäufe und Arztbesuche verlassen. Das Militär verteilte sich im ganzen Land und kontrolliert seitdem, ob die Bevölkerung sich an die Regeln hält. Wer ohne Maske und ohne Grund die Straße betritt, muss mit saftigen Strafen rechnen. Zwischen 18 Uhr bis 5 Uhr gilt zudem eine strikte Ausgangssperre. Niemand darf sein Haus verlassen. Wer es dennoch tut, kann mit bis zu zehn Jahren Haft rechnen. 

Strenge Kontrollen

Auch mich traf der Ausruf des Ausnahmezustands. Gemeinsam mit sechs Mitfreiwilligen war ich für zweieinhalb Wochen in unserer Wohnanlage eingesperrt. Unser Vermieter hatte unsere Wohnanlage mit einem Vorhangschloss abgeriegelt, sodass niemand die Anlage verlassen oder betreten durfte. Zum Einkaufen habe ich dann dennoch nach Absprache des Vermieters unsere Anlage, welche glücklicherweise noch einen Garten und eine riesige Terrasse besitzt, zweimal verlassen.

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Doch das Militär und die strikten Kontrollen und Nachfragen der Polizisten haben mir wirklich Angst gemacht, weshalb ich danach freiwillig das Haus nicht mehr verlassen habe. Zudem hat die peruanische Regierung am 28. März das Militär und Polizei, die bei Straßenpatrouillen zur Durchsetzung der obligatorischen nationalen Quarantäne Menschen verletzen oder töten, von strafrechtlichen Verantwortungen befreit. Ein weiterer Grund, das Haus nicht zu verlassen. Zudem wurde das Leben in Peru täglich mehr durch Fremdenhass geprägt. Uns „gringos“ (so werden die weißen Europäer und US-Amerikaner genannt) wurde die Schuld für die Corona-Krise in Peru in die Schuhe geschoben, so kam es mir vor. Uns wurde der Zutritt zu Supermärkten und Bussen verweigert und viele Peruaner, die uns auf der Straße sahen, gingen auf die andere Straßenseite. Das hat mich wirklich hart getroffen, weil ich kein normaler Tourist war, sondern eine Person, die in dem Land lebt und arbeitet und nicht mehr Geld als die Einheimischen verdient. 

Warten auf den Rückflug

Da ich einen staatlichen Freiwilligendienst des Ministeriums für Zusammenarbeit und Entwicklung absolvierte, entschied der Staat, dass ich zurückkehren solle. Somit wartete ich gemeinsam mit meinen Mitfreiwilligen sehnsüchtig auf einen Rückholflug nach Deutschland. Die traurigen Ausflüge in Cuscos Straßen in der Zeit der Corona-Krise, die geprägt durch Militär und Xenophobie waren, holten uns zurück auf den Boden der Tatsache, dass es für uns unter diesen besonderen Umständen keine Zukunft in Peru geben wird.

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Sage und schreibe zweieinhalb Wochen hat es gedauert, bis das Auswärtige Amt gemeinsam mit der Deutschen Botschaft die Rückholaktion der gestrandeten Deutschen in Peru starten konnte. Die peruanische Regierung legte täglich neue Steine in den Weg - angefangen über die Schließung des Flughafens in der Hauptstadt Lima, über Quarantänebestimmung und das Verbot, das Haus zu verlassen, bis hin zu abgelehnten Landegenehmigungen am Flughafen in Cusco. Sie verzögerten die Rückholaktion. Schließlich konnte mit Zwischenstopp in Santiago de Chile eine Lösung gefunden werden, um die knapp 4000 Deutschen aus Peru rauszuholen. Der Rückholflug ging dann glücklicherweise sehr organisiert und pünktlich zurück nach Deutschland. 

Seit dem dritten April bin ich nun wieder zurück: vier Monate früher als eigentlich geplant. Bisher ohne Job und ohne Plan, was ich bis zum Wintersemester in Zeiten der Corona-Krise anstellen möchte, da Jobs momentan rar sind. Jedoch mit jeder Menge Erfahrungen und vielen spannenden Begegnungen, die mein Leben nun stark geprägt haben und es auch weiterhin tun werden. 

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