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Mehr als 600 Minuten Twilight

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"Was mache ich hier eigentlich", mit gemischten Gefühlen lehne ich mich in den Sitz. Der Geruch von Nachos, Erdnüssen und Popcorn hängt in der Luft. Es ist Samstag, 8.30 Uhr und die letzten Twilght-Fans steuern mit schnellem Schritt auf ihre Plätze zu. In allen Ecken wird getuschelt und gekichert. Mittendrin: meine Freundin und ich. Zum letzten Film der Saga hat das Cinemaxx in Heilbronn ein Event organisiert: das Twilight-Quinttet. Nicht nur die bereits veröffentlichten Teile eins bis vier laufen hintereinander, sondern auch das Finale der Liebesgeschichte von Edward und Bella, dem viele entgegenfiebern, wird ausgestrahlt.

 

Wenn der Kinosaal zum Wohnzimmer wird

Unsere anfänglichen Befürchtungen, den Altersdurchschnitt der Besucher zu erhöhen, sind beim Betreten des Raums verflogen. Im Saal befinden sich Mutter-Tochter-Gespanne, beste Freundinnen und sogar Paare. Vereinzelt haben sich auch tatsächlich Männer ohne Partnerin in den Raum verirrt. Die Zuschauer sind für die kommenden zehn Stunden bestens ausgerüstet. Viele kuscheln sich in ihre Decken und Kissen. Manche haben sich bereits von Beginn an, so sehr im Cinemaxx eingelebt, dass sie prompt ihre Schuhe ausziehen und die Füße hochlegen. Nicht gerade zur Begeisterung anderer.

Natürlich dürfen bei einem Kinobesuch Süßigkeiten und überzuckerte Getränke nicht fehlen. "Ich kann mich nicht nur den ganzen Tag von Nachos ernähren. Also hab ich von zu Hause etwas Obst mitgebracht", sagt Dawina Wugk. Und sie ist nicht die Einzige. Mal hier, mal dort raschelt eine Tüte vom Bäcker, oder eine Vesperdose wird geöffnet. Wer glaubt, dass ein Tag im Kino nicht anstrengend sein kann, der irrt. Die richtige Sitzposition zu finden ist nicht einfach. Beine übereinanderschlagen, ausstrecken, hochlegen, nach rechts und links lehnen. Nach paar Stunden ist nichts mehr bequem.

 

Gruppendynamik

Schon beim ersten Teil können die Leute weder ihre Füße still halten, noch in Ruhe den Film schauen. Die ganze Zeit, geht jemand ein und aus. Kaum eine Szene im Film bleibt unkommentiert. Und bei jedem männlichen nackten Oberkörper geht ein Raunen durch die Reihen.

Die Zeit vergeht wie im Flug. Man fängt automatisch an, mit den Schauspielern mitzufühlen. Im Kinosaal herrscht eine Gruppendynamik. Alle lachen, seufzen und quietschen an den gleichen Stellen. Der Film wird dadurch zum Erlebnis.

 

Stimmungstief

Aber nach knapp vier Stunden ist die Stimmung spürbar angeschlagen und erreicht ihren Tiefpunkt.Nicht nur Jacob verwandelt sich in einen Wolf und Bella in einen Vampir, auch der Geruch nach Popcorn im Raum hat sich verwandelt: in Schweißgeruch. Langsam setzen die Rücken- und Nackenschmerzen ein. Das starren auf die Leinwand langweilt und die Konzentration wird auf die Probe gestellt. Und so ergeht es selbst Twilight-Fans. "Es ist eine Herausforderung. Ich habe schon alle Teile gesehen. Teilweise ist es echt langweilig, weil man schon weiß was kommt", so Corinna Kenngott. Ihre Freundin Annalena Loy wirft ein: "Wir waren schon bei anderen Events dabei. Dem Double, Triplet und Quartett. Jedes Mal ist es anstrengend."

Nicht alle treiben ihr Sitzfleisch bis an die Grenze. Manche geben auf und beschließen Bella und Co den Rücken zu kehren. Meine Freundin und ich halten weiter durch. In der letzten Pause vor dem Finale, dem Ende der Saga erwachen die Leute aus ihrem Stimmungstief. Aufregung ist unter den Besuchern zu spüren. Wie wird der neue Teil sein? Gibt es für Edward und Bella ein Happy End? Was passiert mit dem Kind? Und ich muss gestehen, auch wenn ich niemals damit gerechnet hätte, ich wurde von der Atmosphäre ergriffen und bekam einen erstaunlichen Energieschub. Die Strapazen der vergangenen Stunden sind vergessen.

 

Überraschendes Ende

Inhaltlich passiert in "Breaking Dawn – Bis(s) zum Ende der Nacht zwei" nicht mehr viel. Wäre da nicht der Überraschungseffekt, der das Ende spannend und ereignisreich macht, wäre der Film nur eine langwierige Hinführung zum Happy End der Vampirfamilie Cullen. Auch geht es kaum um Bella und Edward, sondern viel mehr um ihr Kind Renésmee, das in Gefahr ist. Am Ende der Vorstellung blicke ich in weinende, traurige und seufzende Gesichter. Ich aber, bin Stephenie Meyer dankbar, dass sie kein fünftes Buch geschrieben hat.

 

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