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Eine Gastfamilie finden

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Weit weg von der Familie und den Freunden zu leben, ist hart – das Internet ersetzt keine Umarmung. Zehn Stunden am Tag Verantwortung für Kinder zu übernehmen, ist anstrengend. Nicht nur Spaß sondern richtig harte Arbeit. Wäsche waschen, Geschirr spülen oder Staubsaugen gehören ebenso dazu wie Lunchboxen zu packen oder Barbie-Kleider zu falten. 

So ziemlich jedes Au-Pair ist sich am Anfang seines Jahres sicher: Ich habe die perfekte Gastfamilie gefunden. Viele stellen aber nach ein paar Wochen fest: Perfekt ist hier überhaupt nichts! Wiebke Keller startete 27. August vergangenen Jahres. Nach den ersten fünf Tagen in einer Trainingsschool ging es zu ihrer Gastfamilie nach Bridgewater, New Jersey. Zwei Jungen und zwei Mädchen warteten da gespannt auf das erste Au-Pair ihres Lebens
 

Hoffnungslos verloren

Jedoch kam es ganz anders: Die Gastfamilie der 19-Jährigen kam erst einmal viel zu spät zum Abholen. Danach wurde sie zu den Großeltern gefahren und war dort den restlichen Tag mit denen und ihren Enkeln alleine – von einem Kennenlernen keine Spur. An ihrem ersten Abend wurde sie von ihrer indischen Gastfamilie auch direkt in deren Kultur eingewiesen – ansich keine schlechte Sache, hätte die Gastfamilie sich die Mühe gemacht, auch mit Wiebke auf Englisch zu sprechen. Da die Heilbronnerin jedoch kein Indisch spricht, fühlte sie sich hoffnungslos verloren – ein perfekter Start in ein Au-Pair-Jahr sieht anders aus. Auch ihr erstes Wochenende verbrachte Wiebe komplett alleine im Haus ihrer Gastfamilie und auch in der kommenden Woche wurde sie nicht mit einbezogen. Wie konnte Wiebke sich so in der Familie täuschen? "Ich habe mich für diese Familie entschieden, weil ich dachte, das passt. Wir hatten die gleichen Interessen wie Basketball und Klavier und es hieß, alle vier Kinder seien  tagsüber weg. Doch das 14 Monate alte Baby hatten sie zum Beispiel nie irgendwo angemeldet. Sie hatten mir versprochen, mein eigenes Zimmer zu haben, dabei musste ich mir das Zimmer mit den Jungs teilen. Das Auto war noch nicht mal angemeldet, heißt ich hatte auch keine Möglichkeit irgendwo hin zu kommen."

Eine Woche später war es vorbei mit dem Spuk: Wiebke ging ins Rematch. Im Rematch hat ein Au-Pair zwei Wochen Zeit, um eine neue Gastfamilie zu finden. Wiebke hatte Glück im Unglück und fand trotz Zeitdruck eine neue Gastfamilie in Stamford, Connecticut. Mit dieser Familie traf sich Wiebke sogar, bevor sie sich entschied: Die ist es.
 

Unterstützung aus Deutschland

Selbst als sie erneut vier Kinder zu betreuen hatte, dachte sie sich, dass es zu schaffen sein wird. Außerdem hatte die Familie bereits fünf Au-Pairs – auch kein schlechtes Zeichen. Nach drei Wochen in Amerika packte sie also wieder ihre Koffer und zog um – dieses Mal hoffentlich in eine bessere Familie. "Eine Woche später bin ich dann angekommen und sie haben mich total lieb aufgenommen und viel mit mir unternommen. Und wir waren das erste Wochenende auch gleich in Vermont im Ferienhaus." Doch plötzlich wird es auch in dieser Familie schwierig: "Meine Stunden haben sich überhäuft, mein Arbeitsplan hat sich von Tag zu Tag geändert und ich konnte nie planen. Ich wurde nicht als Familienmitglied aufgenommen und hatte kein Auto zur Verfügung." Kein Auto in Amerika zu haben, ist ein großes Problem: Öffentliche Verkehrsmittel gibt es kaum, wenn man nicht gerade in einer Großstadt lebt. Nach weiteren vier Wochen traf Wiebke also erneut die schwere Entscheidung: Rematch. "Ich dachte eigentlich: Jetzt musst du nach Hause". In dieser Zeit wurde Wiebke vor allem von ihrer Familie in Deutschland sehr unterstützt: "Ohne sie hätte ich es nicht geschafft! Diese Unterstützung hat mich gestärkt."

Und Wiebke hatte erneut Glück: "Am selben Tag als meine zweite Rematchzeit startete, wurde ich von meiner Programmdirektorin angerufen. Sie erzählte mir von einer Familie, die auch in Connecticut lebte." Am selben Tag noch sprach Wiebke über zwei Stunden mit ihrer potentiellen neuen Gastmutter. "Und dieses Mal war ich mir sicher: Das ist sie! Ich habe viele Fragen gestellt, um sicher zu gehen, dass es mir dort nicht so geht, wie in meinen alten Gastfamilien." Zwei Tage später stand es dann schon fest: Wiebke hat eine dritte Familie gefunden
 

Alle sind glücklich

Anfang November zog die Heilbronnerin ein letztes Mal nach Avon, Connecticut, um und startete ungefähr zwei Monate nach ihrer Ankunft in den USA ihr Auslandsjahr mit ihrer Gastfamilie, in der sie noch bis Ende August bleiben wird. Dort war direkt alles anders: "Das erste Wochenende habe ich mit meinen Jungs, Gabe und Noah, jeweils etwas einzeln unternommen, damit wir uns besser kennenlernen konnten. Und ich wusste: Das sind meine Jungs! Meine jetzige Familie hatte davor auch zwei schlechte Erfahrungen mit den Au-Pairs und wir waren und sind einfach alle glücklich, dass wir uns gefunden haben." Wiebke verbringt viel Zeit mit ihrer Familie und freut sich auf jeden Moment, den sie mit ihren drei Kindern verbringen kann. Gabe, sechs Jahre, und Noah, fünf Jahre, sind zwar die meiste Zeit des Tages in der Schule, aber dafür bleibt Wiebke mehr Zeit für Lily, 13 Monate. "Lily, mein Baby, fängt jetzt an zu laufen. Die Entwicklung von ihr oder auch meinen Jungs zu sehen, macht mich glücklich! Ich bin hier ein neuer Teil der Familie und das bestärkt mich, das Richtige getan zu haben und die richtige Entscheidung getroffen zu haben."    
 

Au-Pair in den USA

Marina Röhrich ist seit August 2012 als Au-Pair in den USA. Ihre Erfahrungen sind nicht immer rosig. Doch nicht zuletzt im Gespräch mit Wiebke wurde der Heilbronnerin klar, dass es auch bei scheinbar auswegslosen Situationen ein Happy-End geben kann. 
                                        

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