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Um ein Haar wahnsinnig geworden

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Wir Männer haben einen Vaterkomplex. Zumindest wenn es um das Gesichtshaar geht. Die Mehrheit orientiert sich dabei am Vorgehen des Vaters. Nass- oder Trockenrasur, Vollbart oder glatt rasiert. Gerade an der letzten Frage scheiden sich die Geister. Vor allem zwischen den Geschlechtern scheint Uneinigkeit zu herrschen.

Sechs von zehn Männern fühlen sich mit Bart sexy und männlich. Aber liebe Frauen, dafür können wir nichts. Das war schon immer so. Bereits im Antiken Griechenland brachten Männer mit ihrer Gesichtsbehaarung ihre Stärke zum Ausdruck. Die Rasur war eine Form der Bestrafung, die nicht selten auch öffentlich vollzogen wurde. Heutzutage hält es das starke Geschlecht eher mit den alten Ägyptern.  

 

Weisheit und Intelligenz

Der Bart dient vor allem als individuelles modisches Accessoire. Die Pharaonen – übrigens egal ob männlich oder weiblich – wurden vor großen Zeremonien zunächst rasiert, ehe dann ein künstlicher Bart stilisiert wurde. Zudem stand das Barthaar in der Geschichte schon immer für Männlichkeit, Weisheit und Verwegenheit und war im Bereich der Literatur lange Zeit ein Zeichen der Intelligenz.

Doch liebe Jungs, wer jetzt schon seine Rasierer zur Seite gepackt hat, der wird nun leider enttäuscht. Es sind einmal mehr die Frauen, die uns einen Strich durch die Rechnung machen. Neun von zehn bevorzugen eine glatte Wange den Stoppeln im Gesicht. Das stört auch nicht so beim Küssen.

Wie jetzt? Liebe Forscher des International Communication Research: Da muss euch ein Fehler unterlaufen sein. Wer kennt sie schließlich nicht, die Frauen aus dem Verwandten- und Bekanntenkreis, die kaum ansprechbar sind, sobald einer dieser "richtigen" Männer über den Bildschirm wackelt. Diese Ben Afflecks, Brad Pitts oder George Clooneys, die den Gesichtspullover in regelmäßigen Abständen immer wieder zum Leben erwecken.
 

Gesunder Bart

Je länger ich darüber nachdachte, reifte eine Idee in mir. Ich reihe mich ein in die Riege der Reichen und Schönen, der Stilikonen und Glamour-Boys ein. Na ja, sofern das bei mir eben möglich ist. Aber angesichts der kalten Jahreszeit sicherlich nicht die schlechteste Idee sich das Gesicht zuwachsen zu lassen. Denn wer will schon morgens frisch rasiert und am Besten noch mit After Shave im Gesicht bei pfeifendem Wind zur Arbeit laufen – nein Danke!  Für mich als Drei-bis-Sechs-Tage-Bart-Träger – eher aus Bequemlichkeit, denn aus Überzeugung – sollte das vom Gefühl her ja auch nichts Neues sein. Denke ich zumindest. Also gesagt, getan. Rasierer in der letzten Ecke des Badschranks verstaut und einfach mal wachsen lassen.

Die ersten sechs Tage verlaufen problemlos. Alles wie gewohnt und in der Zwischenzeit mache ich mir Gedanken darüber, was ich aus dem langen Haar später optisch herausholen kann. Schnell wird mir klar: Je voller der Bart, desto besser. Denn die australische Universität Southern Queensland hat herausgefunden, dass ein Bart bis zu 95 Prozent der UV-Strahlen blockieren kann, was wiederum zur Folge hat, dass die Haut langsamer altert und das Hautkrebsrisiko sinkt. Zudem wird die Haut generell durch das seltenere Rasieren weniger strapaziert. Auch gut, dass man mit Vollbart unvorteilhafte Stellen, wie Narben, einfach kaschieren kann.  
 

Sympathie-Bonus

Auch nach zehn Tagen ist noch alles in Butter. Das Barthaar wächst, der Testosteronspiegel steigt. Männlicher fühle ich mich definitiv. Zwar juckt es mal hier, mal da, aber schließlich bin ich ja kein Weichei. Und was der Volksmund über den sagt, der schön sein will, ist ja wohl jedem bekannt. In der Zwischenzeit habe ich noch weiter recherchiert und alles Jucken war vergessen. Laut einer Studie der Uni Kiel sollten Männer ihren Bart wachsen lassen, um Pluspunkte bei ihren Mitmenschen zu sammeln. Bärtige kommen demnach sympathischer, gebildeter und attraktiver rüber als Männer ohne Bart. Alles richtig gemacht!

Doch das kann mich leider nicht lange aufheitern. Wir schreiben Tag 16 und was folgt, ist die längste Woche meines Lebens. Wie eine Katze oder ein Hund kratzt meine Hand schon fast automatisch und unaufhörlich an meinem Hals rauf und runter. Und wenn es gerade einmal nicht so schlimm ist, werde ich mit der nächsten Berührung, der nächsten Zuckung meines Gesichts an die tolle Haarpracht erinnert.
 

Zurück zum Drei-Tage-Look

Jeder Aufmunterungsversuch scheitert kläglich. "Keine Angst das wird schon wieder. Mit der Zeit werden die Haare weicher, dann ist es auch nicht mehr so schlimm." Mit jeder dieser Thekenweisheiten steigt die Lust einfach zum Rasierer zu greifen und dem Ganzen ein Ende zu machen.  Ein wenig halte ich es noch aus. Am 24. Tag mache ist jedoch Schluss. Rasierer aus dem Schrank und zurück auf den Drei-Tage-Look getrimmt.
Für mich selbst habe ich nach diesen gut drei Wochen einen Kompromiss gefunden. Männlich hin, gesund her: Mit meinem Drei-bis-Sechs-Tage-Bart habe ich so ziemlich alle Fliegen auf einmal geschlagen – zumindest teilweise. Und ganz entscheidend: Meine Freundin kann auch damit leben. 
                         

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