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Wann ist ein Mann ein Mann? III

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Von dem was auf dem Kopf IST gehen wir nun zu dem was IN dem Kopf SEIN SOLLTE. Und das ist viel! Uriel ist sehr gebildet und kultiviert. Sein Horizont übertrifft den der meisten - aber er ist kein Besserwisser. Uriel schaut selten Fernseher und liest viel aber unter keinen Umständen, also, wirklich, nie (!) die BILD! Nicht einmal zur Belustigung. Sie amüsiert ihn noch nicht einmal denn sein Humor, den er auch auf jeden Fall haben muss, ist schwarz. Manchmal ist Uriel ein bisschen sarkastisch aber lieber ironisch. Seine Bemerkungen sind voller Witz und Esprit.

Uriels Sprache ist extrem wichtig! Er spricht Hochdeutsch (oder hat einen leichten französischen, eventuell auch spanischen Akzent). Sein Wortschatz entspricht ungefähr dem von Goethe, seine Sprache ist im richtigen Moment pathetisch, wie die von Schiller und manchmal wird Uriel - natürlich nur wenn es auch wirklich angebracht ist - ein bisschen poetisch. Uriel DARF auch Gedichte schreiben, aber nur, wenn er sie mit dazu passender Musik unterlegt und als Lied vorträgt. Natürlich geht das nur mit einer wirklich guten Band, ich meine mit einer Band die GUT IST - und das nicht nur von sich glaubt! Bei Auftritten wird Uriel auch gerne mal emotional, aber nicht so stark wie ein türkischer Pop-Sänger. Eher wütend - aber nicht so hart wie Prometheus.

 

Es ist schon auffällig, wie schwer Uriel - ein Mann zu definieren ist. Man könnte ihm noch über 30 Milliarden Seiten hinweg gute Eigenschaften zuordnen und wir würden erst beginnen zu erahnen, was ein Mann sein KÖNNTE. Aber im normalen Leben gibt es einen solchen Menschen nicht, einen, der all diese Kriterien erfüllen könnte. Folglich gibt es auch keinen "Mann". Es kann ihn gar nicht geben. Die Liedzeile der 90er-Jahre Rockband kann also nicht stimmen.

 

Man merkt schon an den Worten "es kam ihr ein Mann entgegen", wie die Behauptung scheitern muss. Dem Mädchen kam am Bahnhof wahrscheinlich ein Würstchen entgegen, denn Uriel würde nicht einfach so  - "jemandem entgegen kommen". Er würde majestätisch schreiten, denn er hat einen männlich-angenehmen Gang, den das Verb "schweben" wohl noch besser beschreibt. Uriel läuft wie ein Held zum Siegen, dabei ist er von einem Nimbus umgeben, der seine vornehme Blässe dezent unterstreicht.

 

Unser "wie - ein - Wattebäuschchen - über - einen - glattpolierten - Kischholztisch - gleitender - Mann - Uriel" würde sich auch nicht auf Bahnhöfen herumtreiben, sondern ein Jazzkonzert besuchen, oder einer Verdi-Oper lauschen. Unser Uriel hätte auch absolut nichts mit dem herumlungernden Bahnhofsmädchen zu tun, denn er verkehrt grundsätzlich nur mit Göttinnen.

 

Da es zwar Bahnhöfe, Mädchen und Würstchen gibt, jedoch leider keine Göttinnen, existiert auch kein Uriel. Also auch kein Mann. Der Liedtext bleibt eine falsche Aussage, die 90er-Jahre Rockband bleibt eher unbekannt und die Vorstellung, es könnte echte Männer geben bleibt eine Utopie. Bevor ich mir aber weiter Gedanken über ein Wesen mache, das nicht existiert, gehe ich lieber mit meiner Leber noch ein Gläschen Rotwein trinken.

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