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Virtuelle Liebe

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Den Partner durch ein Online-Game kennenlernen: Das hört sich verrückt an? Das dachte ich vor einigen Jahren auch. Denn ich hatte schon immer die Vorstellung, meinen Liebsten auf ganz normale Art und Weise zu treffen: zum Beispiel im Kino, in der Disco oder beim Einkaufen.

Daraus wurde aber nichts, denn ein "Krieger" vermasselte mir diesen Plan vor fast zwei Jahren. Der Ort an dem wir uns begegneten, war natürlich nicht unsere friedliche Erde, sondern eine gefährliche und virtuelle Welt namens World of Warcraft. Und wie das halt so ist, kriegt man dort oft mal eine rote Rose von seinem Liebsten. Meine stachelte zwar nicht, dafür war sie leicht pixelig. Auch halfen wir uns gegenseitig in schweren Zeiten, in denen grausame Bestien besiegt werden mussten. Und wenn wir in dieser Welt mal ein paar romantische Stündchen wollten, so führte mich Hendrik zu den schönen lila-blassblauen Wäldern der Elfen mit ihren stillen Tempeln.

 

400 Kilometer Entfernung

"Meine Güte", sagen jetzt vielleicht einige: "Die hat doch wohl nen Knall!" Ja. Das könnte man so sagen. Doch keine Angst, ich lebe nicht wirklich in dieser virtuellen Welt. Und: Ich habe mittlerweile auch eine duftende Rose von ihm in meinem Zimmer stehen.
Denn nun sind mein Schatz und ich schon über ein Jahr glücklich zusammen, und dies nicht als Krieger und Priesterin, sondern als zwei normale Schüler. Er macht im nächsten Schuljahr sein Abi und ich zurzeit meine mittlere Reife. Jetzt werden sich einige fragen: "Hm, schön und gut, aber habt ihr euch überhaupt schon mal gesehen?" Klar, haben wir uns schon gesehen, egal ob beim Zähneputzen oder wenn ich zerzaust am Frühstückstisch sitze und meine Augen nicht aufkriege. Wir verbringen oft Zeit miteinander - zumindest in den Ferien und an verlängerten Wochenenden. Doch wie man daraus schließen kann, sehe ich ihn nicht an einem ganz normalen Schultag. Ganze 400 Kilometer trennen uns noch voneinander.

 

Alles Zufall?

Manchmal frage ich mich, ob es wirklich Zufall war, dass ich ihn so getroffen habe. Denn schon meine Eltern lernten sich durch eine brasilianische Zeitungsanzeige kennen. Sie trennten sogar 11 000 Kilometer.
Ich muss zugeben, dass die Beziehung mit Hendrik nicht besonders einfach ist. Ich habe ihn nicht immer "griffbereit", wenn ich ihn brauche, aber er macht mich glücklich. Außerdem telefonieren wir jeden Tag. Und wenn die stressige Zeit es mal zulässt, begegnen wir uns wieder als Priesterin und Krieger – in der virtuellen Welt.



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