Stimmt.de

Stimmt! Magonline lesen!

Nachricht-Detail

Ein Tag in Ghana

Übersicht

Hallo ihr  alle,

Ich berichte einmal wieder ein bisschen über die letzten Wochen, den Schulalltag und was sonst noch alles so passiert. Nun sind es noch ungefähr vier Wochen, die mich von Deutschland trennen und das begrüße ich mit einem lachenden, vor allem aber einem weinenden Auge, ich bin noch nicht bereit Abschied zu nehmen. 

Krankheit und Regenzeit

Nun ja, gerade hat es mich zum zweiten Mal erwischt: Malaria und als kleines Extra noch Typhus dazu, mittlerweile bin ich aber fast vollständig wieder genesen, zum Glück, denn eine Woche zuhause zu verbringen, kann wirklich langweilig werden. Davon wollte ich hier aber eigentlich nicht allein schreiben… Nun sind wir wirklich mitten in der Regenzeit angekommen (ich habe das Gefühl ich schreibe zu Beginn jedes Mal über das Wetter, dieses eine Mal muss es aber noch sein).

Letzte Woche hat es außer freitags wirklich jeden einzelnen Tag von morgens um elf bis abends um sechs Uhr durchgeregnet. Und das nicht nur ein bisschen, sondern in solchen Fluten, dass quasi die Straße davon schwimmt. Dies hat mich in eine mittelgroße Existenzkrise gestürzt, da ich am Wochenende gewaschen hatte (daher mal wieder extrem in Kleidernot war) und die Wäsche die ganze Woche auf der Leine hing, aber nie trocknete. So viel also zum Wetter. Und da meine Tage hier gezählt sind, schreibe ich nun einfach noch einmal hier meinen Tagesablauf hin, so wie er zurzeit ist.

Das musste ich letztens in einer Mail für meine Organisation tun und dachte es wäre vielleicht ganz interessant den euch auch mal zu zeigen, auch wenn es nicht mehr lange so sein wird. Nichtsdestotrotz fange ich jetzt einfach mal an.

Schulweg

Mein ganz normaler Schultag beginnt, wie könnte es anders sein, mit dem mal mehr, mal weniger schwerfallenden Aufstehen zwischen sechs und sieben Uhr, je nachdem ob ich noch etwas für die Schule vorbereiten muss oder nicht. Während ich mich am Anfang meiner Zeit hier immer mit meinem Frühstück und meinen Gastschwestern auf den Balkon gesetzt habe sind diese jetzt meist schon früher fertig und ich bleibe allein übrig um die Dächer des verschlafenen, zur Zeit meist noch im Nebel liegenden Swedru zu betrachten.

Da es in der Regenzeit jetzt morgens kühler ist, wage ich es sogar einen Tee zu trinken, als es noch so warm war, war das nämlich kaum auszuhalten… Dann richte ich mich für die Schule, gehe ins Bad, packe meine Bücher ein und fülle meine Flasche an unserem Wasserfilter auf.

Im Hof vor unserem Haus treffe ich meist noch Sister Grace, die unter uns wohnt, dann laufe ich auf die Straße, wo schon die Nachbarskinder auf den Schulbus warten. Da sie mittlerweile meinen Namen wissen werde ich natürlich gerufen und winke wie jeden Morgen zurück.

Um die Ecke treffe ich unseren alten Nachbarn Robert, der auf einer Bank am Brunnen sitzend auch jeden Morgen bis zum Abend hin Planen zusammennäht. Wir führen unser tägliches Gespräch, meist "how are you“, "are you going to work“ und "ko-bra“ ("geh und komm zurück“ auf Fante). Meist hört uns eine kleine Gruppe Frauen und Kinder zu, die hier ihr Wasser in großen Plastikwannen auf dem Kopf holen.

Dann geht es von meinem Hügel, dem Top Hill, den Berg hinunter zur Hauptstraße. Bis dahin treffe ich eine ganze Menge Leute, die ich jeden Morgen begrüße, die Schneiderin, die Familie mit den vielen Kindern und eine Mama mit ihrer Tochter, die jeden Tag an derselben Stelle ebenfalls auf den Schulbus warten.

Die Hauptstraße, Texaco Road, ist, falls gerade Montag oder Donnerstag ist, denn das sind die Markttage, völlig überfüllt von Autos und Menschen. Von da aus überquere ich den Main Market, wo an ebendiesen Tagen mindestens genausoviel ist, überall wird gefeilscht, gerufen und auf seine Waren aufmerksam gemacht.

Von da aus biege ich dann schnell ab in die Schuhgasse, wie ich sie nenne, denn in dieser dunklen, überdachten Gasse des Marktes, gibt’s es außer dem schmalen Weg, der hindurchführt, rechts und links nichts als Schuhe, in allen Farben und Formen soweit das Auge reicht. Hier muss ich immer aufpassen, dass ich auch jede der Verkäuferinnen dort begrüße, denn sie kennen mich mittlerweile alle und freuen sich jedes Mal, wenn ich bei ihnen vorbeikomme. Die eine fragt mich bis heute immer mal wieder, wie es denn meiner Mutter gehen würde, seit wir beide bei ihr Sandalen gekauft haben als sie hier war.

Aus der Schuhgasse heraus, trete ich wieder auf die Straße, die den Hügel hinaufführt. Rechts sitzt jeden Tag an derselben Stelle eine uralte Frau, die Schmuck verkauft und sich immer total freut, wenn man sie grüßt, was ich dann natürlich auch mache. Den Straßenrand den Berg hinauf sind zu diesem Zeitpunkt alle Shops dabei zu öffnen und auch die Marktfrauen haben ihre Waren schon auf dem Boden ausgebreitet. Ich überquere die Kuppe des Berges und laufe ihn dann hinunter, vorbei am Stoffladen, wo gerade die einzelnen Stoffe in die Regale sortiert werden und biege am Fuß des Berges zu unserer Schule ab, wo die Schüler bei den zwei Brotverkäuferinnen noch schnell ihr Frühstück holen. 

Assembly

20 Minuten später bin ich also in der Schule angekommen, begrüße die Frauen an den Schulkiosks, die Süßigkeiten verkaufen, dann die Reisfrau (die Reis verkauft), die Bankufrau (die Banku verkauft) und die Frau mit dem Kind, die manchmal Baguette verkauft. Mit meiner Mitfreiwilligen Pia, die entweder schon da ist oder noch kommt, setze ich mich dann auf eine der Mauervorsprünge, die als Bänke genutzt werden und schaue dem Treiben auf dem Schulhof zu, meist sind wir schnell umringt von Kindern. Der eigentliche Unterricht beginnt erst um acht Uhr, die Kinder die schon früher da sind, kaufen sich meist schon das ein oder andere Essbare an den kleinen Kiosks, manche erst einmal ihr Frühstück. Um acht Uhr läutet ein Schüler dann die Schulglocke.

Unsere Schule ist übrigens ziemlich klein und vor allem auch klein gebaut, jede Stufe hat ein Klassenzimmer (es gibt auch nur eine Klasse pro Klassenstufe). Mit dem Läuten der Glocke reihen sich die Schüler automatisch auf. Jede Klasse bildet Zweierreihen, sodass Klasse eins bis sechs sowie Junior High School eins und zwei ordentlich aufgestellt sind. Ausgenommen sind KG 1 und 2 (wie Kindergarten bzw. Vorschule) sowie Creche und Nursery (die ganz Kleinen). Dann beginnt das Assembly, es wird gebetet, die ghanaische Nationalhymne und die Schulhymne gesungen.

Sehr amüsiert mich immer das Beten, denn meine Erstklässler haben noch immer die Angewohnheit "The lord is my sharpener“  ( Der Herr ist mein Spitzer) anstatt "The lord is my shepherd“) (Der Herr ist mein Hirte) zu sagen, weil sich das im Englischen (zumindest im ghanaischen Englisch) so ähnlich anhört. Gegen Ende werden die Trommeln geholt und die Schüler marschieren im Gleichschritt einmal über den Schulhof und dann in ihre Klassen.

Unterrichtsbeginn

Und hier komme dann auch ich wieder zum Einsatz… "Good morning class“- "Good morning Madame Mira“ und ich setzte mich auf meinen Platz neben die Lehrerin ans "Pult“ und es geht auch schon los mit Hausaufgaben korrigieren. Das nimmt erst einmal seine Zeit in Anspruch bei 60 Heften, auch wenn die Aufgaben alles andere als schwer sind. Die erste Stunde passiert meist nicht so viel, Madame Locerance sammelt die Gebühren ( 3 Cedi pro Tag) ein, die manche Kinder noch nicht abgegeben haben, führt Anwesenheitslisten und lässt die Kinder sonst noch ein bisschen reden.

Um neun Uhr fängt sie dann meist mit Unterricht an, der sich bis 10: 30 zieht. In dieser Zeit korrigiere ich oder lasse die Kinder aufs Klo gehen, die mit einem Knicks zu mir kommen und fragen ("Please Madame, may I go out?“), welch anspruchsvolle Aufgabe für mich. Dann ist Pause und sechszig Kinder stürmen nach einem "Go out for break“ ins Freie.

Mittagspause

Pia und ich treffen uns auf halbem Weg, kaufen uns bei der Reisfrau die tägliche Portion Reis und setzen uns dann zum Headmaster in sein kleines Büro. Vorwiegender Grund hierfür ist, dass er einen Ventilator hat. Nach der Pause geht’s dann weiter, wenn ich nichts mehr zu korrigieren habe, überlege ich mir meist schon mal was ich in meinen nächsten Unterrichtsstunden machen könnte, ansonsten male ich Mandalas oder schreibe irgendetwas, langweilig wird’s selten. Zwischen 12 und eins bringt dann eine der Küchenfrauen das Essen für die Kinder, eigentlich auch jeden Tag dasselbe, nämlich Reis mit Stew. Vor dem Essen wird nocheinmal gebetet und man hört von jeder Klasse das "Oh Lord, come to the table and bless our food“ über den Schulhof klingen.

Kreatives Nachmittagsprogramm

Nach der Pause, die endet, wenn alles leergegessen und gefegt ist, fängt dann mein Creative Arts Unterricht an. Als kleines Ritual singen wir zum Anfang jedes Mal ein Lied und machen Bewegungen dazu, was dann schon mal den positiven Nebeneffekt hat, dass die Kinder danach leise und aufmerksam sind. Nachdem wir viel gemalt und gebastelt haben, sind wir jetzt bei den Wasserfarben angekommen, was noch immer jedes Mal, wenn ich sie auspacke, ein kleines Highlight ist. Mit den drei Wasserfarbkästen reicht es genau, dass jeder Tisch ein kleines Farbtöpfchen und einen Pinsel bekommt und das klappt sogar wirklich gut. Um drei beendet dann die Glocke den Unterricht und alle stürmen zum Abschluss Assembly, bei dem noch einmal "Now the day is over“ gesungen wird.

Wieder zu Hause

Pia und ich machen uns meist während dem Assembly auf den Weg und gehen je nach Tagesform nach Hause, zur Schneiderin, ins Fitnessstudio oder auf den Markt zum Stoffe kaufen. Zuhause bin ich so meist gegen fünf, zusammen mit meinem Mitfreiwilligen Marco und manchmal auch meinen Gastschwestern essen wir zu Abend und wenn mal wieder Not am Mann ist, helfe ich Awompa nebenher bei den Hausaufgaben. Meine Gastmutter Efua schaut in der Zeit meist die Nachrichten im Fernsehen an, steuert ab und an aber gerne auch mal was zur Unterhaltung bei. So geht ein typischer Swedru-Tag zu Ende.

 

Eure Mira 

 

 

 

Galerien

Regionale Events

Heilbronn kocht

Am 8. November können sich alle Interessierten quer durch Heilbronn kochen.