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Mira in Ghana

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Ein Akwaaba und Hallo aus Ghana!

Jetzt bin ich seit ein bisschen mehr als einer Woche hier und es gibt so viele neue Eindrücke, die auf mich einströmen, dass ich noch gar nicht alle richtig sortieren und wiedergeben kann. Es ist einfach alles anders hier, die Luft ist viel dicker und wärmer, es riecht nach Essen und Rauch von einem der Marktstände und es ist vor allem bunt, so viele Farben überall. 

Nach einem sehr stressigen Flug (den ich zweimal fast verpasst hätte, also in Frankfurt und beim Anschlussflug von London nach Accra) bin ich mit einiger Verspätung mit einer Gruppe von circa 20 anderen weltwärts-Freiwilligen in Accra gelandet. Der Flughafen ist wirklich sehr klein und wenn man endlich nach draußen tritt ist, betritt man wirklich eine andere Welt! 

Strand

Gedrängt um den Ausgang steht eine kleine Menschenmasse, die schreiend einen ghanaischen Popstar begrüßt, der anscheinend in unserem Flugzeug saß, wir natürlich aber nicht kennen. Wir werden von den Programmleitern Henry und Kingsley in Empfang genommen und zu unserem Seminarhaus nahe Accra (direkt am Meer!) transportiert. Das Hotel  für die nächsten fünf Tage heißt "Sikasi Beach" und dem Namen nach befinden wir uns auch oft am Strand um zum Beispiel jeden Morgen eine kleine Joggingrunde zu machen, bevor es zum Schwimmen geht, wobei dies hier nicht so einfach ist, da die Wellen meterhoch werden können und man aufpassen muss, dass man nicht weggespült wird.

Das Hotel an sich ist für afrikanische Verhältnisse gehoben und sehr komfortabel, es fehlt uns an nichts (außer an Waschbecken und Spiegeln, an denen es, wie es mir vorkommt in ganz Ghana anscheinend mangelt). Aber man kommt auch so ganz gut zurecht. Denn da eigentlich gerade Regenzeit ist und es auch ab und an einmal kurz regnet, ist es gar nicht so heiß (sagen die Ghanaer) und trotzdem kann und will man sich nicht vorstellen, dass es noch heißer werden könnte (sagen wir Freiwilligen). Die fünf Tage auf dem Seminar werden wir speziell auf das Leben in den Gastfamilien vorbereitet, lernen die Do's und Dont's eines jeden Ghanaers kennen und versuchen uns auch ein bisschen an Twi, was hier alle sprechen aber von mir bis jetzt noch überhaupt nicht verstanden wird. Akwaaba (Willkommen) und Medase (Danke) reichen aber für den Anfang auch schon mal aus. 

Am Montag heißt es dann Adieu Strand und Meer und Ahoi Agona Swedru. Wieder fahren wir in einem Tro Tro (das sind hier sowas wie kleine Busse in denen ständig laute ghanaische Musik gespielt wird) nach Agona Swedru, der Stadt in der ich nun bin und für die nächsten 12 Monate sein werde. Da wir in eine "Rush-hour" geraten dauert das Ganze ein bisschen länger und wir erreichen unseren nächsten Treffpunkt, das Haus von Teamleiter Henry in Agona Swedru erst gegen frühen Abend. Von dort aus werden wir dann mit einem Taxi zu unseren Gastfamilien gebracht und die Stimmung ist, wie zu erwarten, gespannt, leicht nervös und voller Erwartung.

Zuhause

Ich teile mir mit Pia, die auch mit mir in der Schule sein wird, ein Taxi. Das Autofahren an sich ist in Ghana schon etwas Besonderes, da die Straßen nur zum Teil asphaltiert sind  und selbst wenn voller Schlaglöcher, Unebenheiten und sonstigen Hindernissen wie Ziegen, Hühner, Kindern oder Marktständen- es ist alles zu finden. So wird aus jeder Fahrt ein Abenteuer, wie wir bald feststellen dürfen, als unser Taxi plötzlich, mitten im Nirgendwo aus- und nicht mehr angeht, weshalb wir es anschieben dürfen. Auch ein Erlebnis!

Wie es in Ghana eben so ist, mit der Uhrzeit hin oder her, ob zwei Stunden früher oder später, das ist hier nicht so wichtig, erreiche ich mein "Zuhause" erst als es schon dunkel wird (hier wird es pünktlich um sechs stockdunkel!). Ich werde von meiner Gastmutter Efua begrüßt und bekomme erst einmal etwas zu essen: Plantains (Kochbananen) und Stew (irgendwas mit Bohnen). Schmeckt zwar fremd aber gut! Sie erzählt mir währenddessen, dass ich zwei Schwestern haben werde (Effiba und Awompa), die momentan aber noch im Urlaub sind und erst am Montag kommen.

Der Gastvater Khujo ist wie auch die Mutter Lehrer und kommt normalerweise, wenn nicht gerade Schulferien sind, nur am Wochenende nach Hause. Da die Kinder also noch nicht da sind, ist das Leben hier bis jetzt ziemlich ruhig. Ich stehe morgens meist gegen sieben Uhr auf,da es gegen fünf Uhr hell wird und gleichzeitig auch der Trubel draußen beginnt: Leute preisen ihre Waren durch Lautsprecher auf dem Markt an, es wird gewaschen, gekocht und auf die Straße gegangen, Leute singen und hören lautstark Musik, das Leben beginnt. 

Eindrücke

Wenn ich aufstehe ist Efua meist schon unterwegs, deshalb setze ich mich mit meinem Frühstück auf den kleinen Balkon. Wie ich herausbekommen habe, gibt es in Ghana so kein "Frühstück", auch Mittagessen oder Abendessen sind nicht so klar definiert. Wer Hunger hat nimmt sich etwas, meistens gibt es um fünf oder sechs Uhr Essen. Davor werden die Reste vom Vortag gegessen, so ganz habe ich das noch nicht heraus. Das Haus in dem ich wohne ist eines der wenigen zweistöckigen Gebäude hier in der Gegend, die meisten Häuser sind eher flach und einfach gehalten. Meine Familie ist daher schon ziemlich privilegiert, es gibt im Gegensatz zu vielen anderen Haushalten hier sogar eine Dusche sowie fließendes Wasser. Zum Glück!

Nach dem Frühstück helfe ich manchmal Efua beim Kochen (sie kocht gerade Essen ein, damit es die nächsten zwei Monate reicht) oder heute habe ich gelernt meine Wäsche von Hand zu waschen. Gegen Mittag habe ich bis jetzt eigentlich fast immer etwas mit den anderen Freiwilligen vor Ort unternommen und wir treffen uns regelmäßig in der Stadt. Die Stadt ist noch einmal völlig anders, als man sie sich vielleicht vorstellen mag: Überall sind Marktstände, Leute, die ihre Waren anpreisen, dazwischen eine Unmenge von Taxis, Gerüche, Geräusche und vielerlei Eindrücke.

Es ist ein solches Gewusel, dass man schnell den Überblick verliert, nach gut vier Tagen finde ich mich nun aber im Großen und Ganzen ganz gut zurecht. Die Seitenstraßen und Gänge sind mir noch ein bisschen fremd aber wenn man weit genug läuft kommt man irgendwann immer an einem bekannten Platz heraus. Es gibt viele Läden oder Stände, wo man Obst und Gemüse kaufen kann, aber auch lebendige Riesenschnecken! oder Fisch (der nicht mehr so ganz frisch aussieht). 

Obrouni

Am Besten gefallen mir die Ecken, an denen man Stoff kaufen kann, denn davon gibt es eine Menge und eine riesige Auswahl an Farben und Mustern für wenig Geld (man kann für umgerechnet drei Euro zwei Yards Stoff kaufen!). Ich war auch schon beim Schneider und habe mir einen Rock nähen lassen, was ziemlich praktisch bei der Hitze ist, da man hier nicht wirklich kurze Sachen anzieht, sondern eigentlich immer welche, die Schultern und Knie bedecken. 

Als Weißer fällt man in den Straßen von Agona Swedru natürlich unglaublich auf, von überall erntet man Rufe, Blicke und man muss sich daran gewöhnen immer zurück zulächeln, grüßen und winken. Vor allem kleine Kinder rufen gerne "Obrouni" (Weißer) und machen sich einen Spaß daraus deine "weiße" Haut zu berühren oder dir hinterher zu laufen. Auch unsere Haare finden sie unbeschreiblich toll und viele Erwachsene lassen es sich auch nicht nehmen einmal durchzustreichen. Auf die Dauer kann das aber ziemlich anstrengend werden und es ist manchmal schwer darauf zu reagieren, wenn man von Kindern oder Jugendlichen nach Geld, Handys oder anderem gefragt wird, die Mehrheit sieht die "Weißen" eben als reich und privilegiert an, was so gesehen, ja auch stimmen mag.

Bis jetzt ist mir aber noch niemand begegnet, der nicht freundlich war. Die Menschen hier sind im Allgemeinen sehr gastfreundlich, laden dich zum Essen ein oder machen dir einen Sitzplatz frei, damit du dich als völlig Fremder auf dem Markt zu ihnen gesellen kannst. Es wird bestimmt noch ein bisschen dauern, bis ich mich hier an alles gewöhnen werde, bis jetzt bin ich aber noch fasziniert von Ghana, dem Land der vielen Farben, lauter Musik und buntem Treiben. Bis Dienstag habe ich noch "frei", dann geht es in die Schule.

Bis hierhin noch einmal vielen vielen Dank an alle, die mitgeholfen und es mir so ermöglicht haben hier zu sein!  

Liebe Grüße aus Ghana

Mira

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