Stimmt.de

Stimmt! Magonline lesen!

Nachricht-Detail

Strandurlaub

Übersicht

Hallo aus Ghana, 
wo es gerade die letzten Tage immer heißer wird!

Ghanaisches Fitnessstudio

Nun scheint die Regenzeit wirklich vorbei zu sein. Man spürt es schon morgens, wenn man zur Schule geht und die Sonne anfängt mit einer derartigen Intensität zu scheinen, obwohl sie doch vor wenigen, genau gesagt zwei Stunden, erst aufgegangen ist. Wenn dann noch einer der riesigen LKWs vorbeifährt, eigentlich viel zu groß für die schmalen, von Menschen besiedelten und verstopften Straßen, muss man sich augenblicklich vor der sicherlich kommenden Staubwolke retten, die einem den Sand der Straße in die Augen weht.

Die Tage ordnen sich hier, wie schon öfters erwähnt, nach einem gewohnten Muster. Montag beginnt die Woche nach dem Schulalltag mit einer Runde ghanaischem Fitnessstudio, das ich mit meinen besten Freundinnen hier (Lea, Marie und Pia) besuche. (Viele werden sich jetzt wahrscheinlich zurecht wundern, mich ins Fitnessstudio gehen zu hören aber ja, es stimmt tatsächlich, egal wie sehr sich meine Familie und Freunde aus Deutschland darüber lustig machen, liebe Grüße an euch an dieser Stelle). Dort betreiben wir dann unglaublich anstrengenden Sport, lieber sollte ich wohl nicht erwähnen , dass wir nebenher die ganze Zeit tratschen, während wir zu alten Abba Songs aus Mamma Mia auf den Fahrrädern schwitzen. 
Dienstag schaffe ich es manchmal ins Internetcafe, wenn nicht zumindest bis vor Melcom, wo man sich noch ein bisschen auf einem schattigen Platz auf einer Mauer abkühlen kann, bevor der anstrengende Heimweg den Berg hinauf, einmal quer durch das Gedränge der Stadt beginnt.

Markttag

Vor allem wenn Markttage sind (Montag und Donnerstag) ist es besonders anstrengend sich fortzubewegen; die Taxis, die es hier scheinbar zu Tausenden gibt, verstopfen oft dir ganze Straße; rechts und links werden Bananen, Fische, Seife, Tomaten, Schmuck, Stoff und alles Mögliche oder auch Unmögliche verkauft und Leute schreien, lautstark ihre Waren anpreisend. Manchmal passiert es auch, dass du zu interessierst auf die angepriesenen Dinge schaust, sodass sofort angenommen wird, du kaufst nun etwas, ist dem nicht so, wirst du die nächsten Meter von einem euphorischen "Obrouni, come and buy some“ begleitet.

Mir ist es schon passiert, dass ein Schuhverkäufer, der es besonders gut meinte, meinen Fuß festgehalten und probiert hat, seine Sandalen an meine Füße zu ziehen… Manchmal sind die Leute hier dann trotz all den Nettigkeiten ziemlich aufdringlich und wenn man am Arm festgehalten und am Weitergehen gehindert wird. Vor allem abends, wenn ich manchmal bei Dämmerung nach Hause laufe und das passiert, reagiere ich dann schon sehr genervt. Das ist dann schon ein bisschen schwierig hier, denn sobald man einmal keine Zeit, Lust oder Energie hat mit jedem zu reden, der einen von der Seite (manchmal auch ziemlich ruppig) anquatscht, ist man die eingebildete Weiße, die sich für etwas Besseres hält… Daher versuche ich meist, auch wenn ich schon wieder viel zu spät dran bin, immer eine nette Antwort zu geben, wenn man aber festgehalten wird, hört selbst dann bei mir der Spaß auf. Erzählt man, dass man aus Deutschland ist, hört man lustigerweise meist, dass der Sohn der Tochter der Großtante väterlicherseits auch in Deutschland lebt. Im Idealfall werden dann noch zwei oder drei deutsche Städte eingestreut, meistens Hamburg und Düsseldorf und man weiß, man hat es mit einem echten Experten zu tun…..? 

Am Anfang meines Aufenthaltes hier habe ich das den meisten sogar noch abgekauft, aber mittlerweile weiß ich: Verwandte in Deutschland haben die meisten nur im Traum, und dort gewesen sind sie keinesfalls. Natürlich gibt es einige Ausnahmen und manche waren tatsächlich schon in Düsseldorf und Hamburg, der Großteil, bei dem ich mir ein Schmunzeln dann jedoch kaum verkneifen kann, aber nicht. Es ist ja an sich schön, wie viel Begeisterung die Menschen hier aufbringen können, wenn man erzählt, woher man kommt.

Schule

Die Schule gestaltet sich wie immer, ich sitze viel in der Klasse und korrigiere; meine eigenen Stunden beginnen nun meist mit einem kleinen Lied mit Bewegungen (Dam Dam Di Di) zum "Auspowern“, damit die Kinder danach leise sind, was auch ganz gut funktioniert. Die letzten Stunden habe ich in Creative Arts Tiere, Fantasietiere und Menschen gemalt. Auch wenn die Ergebnisse bis auf ein paar richtig gute Exemplare ziemlich bescheiden ausfallen, hat es meinen Schülern jedenfalls Spaß gemacht.

Denn auch wenn sich das jetzt seltsam anhört, habe ich mittlerweile nicht mehr den Anspruch, dass die Kinder sonderlich viel lernen und nachher auswendig sagen können, sondern vielmehr, dass sie sich mit den wenigen Wachsmalfarben, die sie zweimal die Woche ausgeteilt bekommen, ein bisschen austoben können und lernen, dass sie manche Dinge auch selbst tun und entscheiden können ohne dabei alles vorgemacht von der Tafel abzuholen. Meistens klappt das zwar nicht so gut. Wenn ich eine Blume an die Tafel male und sie, um ein Beispiel zu geben, gelb ausmale, so gibt es auf den Blättern der Kinder, auch wenn ich es extra betont habe, meist trotzdem wenig Variation.

Was wirklich nett ist, ist die neuste Angewohnheit, dass, wenn ich etwas Größeres an die Tafel male, begeistertes Raunen durch die Reihen geht, die Kinder plötzlich aufmerksam dabei sind, erraten was das Gemalte sein könnte und, wenn ich fertig bin, sogar anfangen zu klatschen. Beim ersten Mal war ich ziemlich irritiert, mittlerweile finde ich es ganz lustig.

Accra

Am Freitag nach der Schule hat mich dann noch eine kleine Überraschung erreicht, nämlich ist mein Paket angekommen, völlig unerwartet, nach nur zwei Wochen! Ein guter Start ins Wochenende, bei wir dann seit längerem mal wieder einen "größeren“ Ausflug gemacht haben (mit Übernachtung). Zwar nicht weit, aber immerhin ins fast drei Stunden entfernte Accra, aber nicht in die Stadt, sondern ein bisschen außerhalb an den Strand (nach Kokrobite – meiner Meinung nach der bisher schönste Strand, den ich zu Gesicht bekommen habe…). Unser "Hotel“, eher ein großer von Palmen gesäumter Platz mit vielen kleinen Rundhütten und sogar kleinen Häuschen, die man mieten kann, war ein echter Glücksgriff, richtig idyllisch und nur zehn Meter vom Strand entfernt. Zwar sieht man viele Touristen (bei denen wir uns regelmäßig wundern, was sie nach Ghana verschlägt, da Ghana nicht das typische Reiseland ist) aber da wir ja so gesehen selbst welche sind kann man sich nicht beklagen. Auf dem Platz war zum Beispiel ein älteres, belgisches Ehepaar im Rentneralter, das unter Palmen gezeltet hat, im Anhang ein umgebauter Jeep mit Herd und Küchenausstattung im Kofferraum, echt bewundernswert!

Angekommen geht es erst einmal zum Strand, die Wellen sind perfekt, zwar kann man nicht wirklich schwimmen aber man muss auch nicht aufpassen in den Sog zu geraten, da sie, zumindest während wir baden waren, nicht so stark sind. Man sieht trotzdem viele Surfer, auch ghanaische, die sich auf dem Brett versuchen. Und nicht nur das, auch Pferde kommen immer wieder vorbei, das Einzige, was ein bisschen irritiert, sind die Ghanaer, die mit Kopfhörern und Badelatschen eher wie "ein Schluck Wasser in der Kurve“ auf den Sätteln sitzen und zum Reiten einladen wollen. Wir, fast zwanzig Freiwillige, von denen ich aber vielleicht zehn zu Gesicht bekomme, genießen das Meer und die Sonne in vollen Zügen, mit Lea, Pia und Marie suche ich mir ein Plätzchen im Schatten und beobachte ab und an ein paar ghanaische Kinder, die nicht schwimmen können und deshalb wie Hunde von Welle zu Welle paddeln.

Touristen

Mein Ghana-Reiseführer ist zwar auf dem Stand von vor zehn Jahren, mit der Aussage, dass Ghanaer meist nicht schwimmen können, scheint er aber noch brandaktuell zu sein ;). An der "Strandpromenade“, falls man es so nennen mag, gibt es unzählige kleine Stände, wo neben Essen auch Schmuck und Kleider verkauft werden. Wahrscheinlich echte Tourifallen aber die Sachen sind einfach zu schön, sodass ich nicht anders kann als mich mit Armbändern, Ketten und einer kleinen Ledertasche einzudecken, alles umgerechnet zusammen vielleicht für zehn Euro, wo man mal wieder staunen kann, wie billig hier einige Sachen dann doch sind.

Am Taschenstand wird der Taschenverkäufer, ein älterer Mann mit ewig langen Dreadlocks, die er in eine Art Turban gebunden hat, dann während unserem (erfolgreichen) Versuch die Preise ein bisschen herunterzuhandeln, von einem anderen Ghanaer/oder Tourist, so genau weiß man das ja nie gefragt: "Sorry, Do you have a bag to smuggle drugs in?“.

Erstmal glaubt man sich verhört zu haben, aber bei den ganzen Rastafaris am Strand kann einen das eigentlich nicht wundern. Selbst wenn es hier auf Marihuana-Besitz mehrere Jahre dauernde Gefängnisstrafen gibt, scheint der Umgang damit dafür ziemlich locker zu sein. Allerdings ist die Polizei hier auch sehr korrupt; für ein paar extra Scheine lassen sich viele Dinge hier schneller und unkompliziert regeln, und sei es nur eine Fahrt im überfüllten Trotro.

Ein traumhaftes Wochenende

Unser schöner Samstag, der uns nur paradiesisch vorkommt, fernab vom Lärm und Dreck der Stadt und nur mit der Weite des Ozeans, ist einfach perfekt. Später machen wir uns auf in die "Stadt“, mehr eine kleine Ansammlung von Häusern und Hütten rund um die Hauptverkehrsstraße. Hier sieht man dann schon den Unterschied, eine völlig andere Welt, viel bescheidener, mit Feuerstellen, Müll in den Straßengräben und Wellblechhütten mit Steinen auf dem Dach, dass dieses nicht wegfliegen kann. An einem der Stände holen wir uns Indomie (Nudeln mit Ei und Gemüse). Mittlerweile essen wir, sind wir in einem Hotel, meist draußen, da die Preise in den Tourispots eben meist für uns normal, also deutsch sind, die auf der Straße aber oft um das Vier- oder Fünffache günstiger, auch wenn es dann eben nicht die Auswahl zwischen Pizza, Bananensplit und Lasagne gibt.

Da wir mit so vielen anderen angereist sind, stellen wir später fest, dass der gebuchte Schlafsaal schon vollkommen belegt ist. Marie, Lea, Pia und ich bekommen daher eine kleine Rundhütte, die gerade groß genug für ein Doppelbett ist, zugeteilt (ziemlich kuschelig). Mein Wochenende war also wirklich traumhaft, wie ein kleiner Strandurlaub! Zurück in Swedru am Sonntagabend, völlig erledigt, verschwitzt und müde, geraten wir nach dem Austeigen aus dem Trotro in einem Umzug der NPP-Wähler; riesige Menschenmassen, die die Straßen unpassierbar machen, dass sogar der Taxiverkehr eingestellt wird. Mit dröhnenden Lautsprechern und einheitlichen Shirts (blau, weiß, rot) tanzen die Menschen voran, singen, trommeln und rufen. 

Auseinandersetzungen

Gestern erst hat unser Schulrektor erklärt, dass es am Wochenende zu Auseinandersetzungen zwischen Anhängern der zwei großen Parteien hier kam, obwohl immer betont wird, wie friedlich die Wahlen in Ghana ablaufen. Ich bin schon gespannt wie das wohl im Dezember wird! 


Bald bin ich nun auch schon drei Monate hier, ein Viertel meines ganzen Aufenthalts und die Zeit rast! Und auch wenn die Tage sich alle gleichen, gefallen sie mir gut und ich suche mir jeden Tag nach der Schule mit den anderen etwas Schönes zu tun, Fitnessstudio, Obstsalat machen, Internetkaffee oder Filmeabend bei einem der Lehrer unserer Schule, der uns dann bekocht. Zu den "wichtigen“ Dingen, zum Beispiel dem Waschen finde ich dafür leider kaum Zeit und meistens wird es dann eine "kurz vor knapp“ Aktion, bevor mir alle Klamotten ausgehen und es nicht mehr länger vor sich herzuschieben ist. Das Waschen hier ist aber auch echt zeitintensiv, alles von Hand zu schrubben, kostet eben seine Zeit! 

Final Exams

Bald sind aber auch schon Ferien, noch zwei Wochen Unterricht, dann stehen die Final-Exams an, Klassenarbeiten in jedem Fach, die ich zurzeit abtippen darf. Und ich bin wirklich erschrocken, als ich gesehen habe, dass in KG2 auch schon welche geschrieben werden, obwohl die 4jährigen Kinder dort noch überhaupt nicht schreiben können. Es wird jedoch erwartet, dass sie die römischen Zahlen von eins bis zehn können (was ich heute gerade so hinbekomme?) als auch Zahlen von eins bis zehn ausgeschrieben zuordnen und erkennen können- und das ist nur ein Bruchteil dessen, was erwartet wird. Unvorstellbar, wie die Arbeiten da je gut ausfallen können, damit wären selbst die Zweitklässler wohl noch überfordert
Meine eigenen Arbeiten in Creative Arts und ICT habe ich daher sehr einfach gestaltet, mit vielen Bildern, damit auch die, die nicht schreiben können, eine kleine Chance haben.

Nun springe ich schon wieder ein bisschen hin und her, gestern ist jedoch etwas wirklich Lustiges passiert… Wenn man nach Swedru kommt, sieht man an sich verhältnismäßig wenig Elend, zumindest an den Orten, wo ich mich normalerweise aufhalte. Sogar Bettler gibt es verhältnismäßig wenig, ich kenne vielleicht zwei oder drei, die ich öfters mal auf dem Schulweg sehe. Und ab und zu ist es dann schon erschreckend, wenn man Menschen sieht, wie den Mann, der nicht aufrecht gehen kann (habe ich glaube ich in einer der anderen Mails schon einmal erwähnt) oder Männer in dreckigen zerfledderten Sachen, die einfach so mitten auf dem Marktplatz liegen, wie tot, obwohl sie schlafen. Auf jeden Fall sieht man an normalen Tagen in Swedru nicht so viele hungernde und leidende Menschen, wie man vielleicht denken könnte. Generell hat man hier eher das Gefühl, dass es so viel Essen gibt, dass es schon fast verschwendet wird .. zumindest in meiner Gastfamilie. 

Wird etwas nicht aufgegessen oder bleibt übrig, wird es nicht großartig aufbewahrt, sondern kommt in die Tonne. Daher auch die lustige Situation gestern Abend, als meine (in der Hinsicht wirklich verwöhnten) Gastschwestern ihre vollen Teller stehen gelassen haben und meine Gastmutter beim Heimkommen in Furore versetzt hat. Am Ende, ich konnte meinen Ohren kaum glauben, kommt der Spruch, mit dem Eltern ihre Kinder in Deutschland auch immer ermahnen: "Kinder in Afrika haben nichts zu essen!“. Nun gut, Afrika hat sie nicht direkt erwähnt, aber immerhin gesagt: "Some others don’t have food here to eat!“. Und obwohl es stimmen mag und ich es auch absolut nicht gut finde das ganze Essen wegzuwerfen, musste ich grinsen, bin ich denn nicht in Afrika und Eltern bringen die gleichen Sprüche, um ihren Kindern "Vernunft einzubläuen“… 

Liebe Grüße

Eure Mira

 

 

 

Galerien

Regionale Events