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Urlaub in Busua

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Hallo zusammen, hier bin ich mal wieder und mache euch da draußen im deutschen Winter ein bisschen neidisch- zurecht! 

Busua

Während in Swedru die letzten Wochen alles auf die Ferien zusteuert, habe ich zum ersten Mal in Ghana richtig Urlaub gemacht. Erst einmal habe ich meine Schüler mit einem letzten ICT Exam in die Ferien verabschiedet, meinen Rucksack gepackt und mich am Montagmorgen mit Lea in ein Trotro in Richtung Takoradi gesetzt. Im Nachhinein gesehen eine ziemlich spontane Angelegenheit, wir hatten zwar den Namen eines billigen Hotels und unser Reiseziel, das kleine Örtchen Busua, mehr aber auch nicht. Die folgende Trotro Fahrt kann als vieles beschrieben werden, aber nicht als kurz. Geschlagene fünf Stunden sind wir unterwegs, begonnen damit, dass wir, wie so oft erst einmal fast noch eine Dreiviertelstunde warten, bis sich das Trotro füllt und die Fahrt losgeht. Mein vollgestopfter  Rucksack wird auf sehr interessante Weise im Kofferraum verstaut (sprich die Kofferraumtür steht offen und ich habe bei jeder Straßenunebenheit Angst dass er gleich rausfliegt). Irgendwie kommen wir, mit mehrmaligem Umsteigen, was immer ziemlich stressig und hektisch ist, an unser Ziel und bekommen in der Skorpion Hill Lodge, unserem Zuhause für die nächsten vier Nächte, sogar noch ein Doppelzimmer mit Bad für umgerechnet nicht einmal acht Euro die Nacht.

Und Busua ist schön. Wirklich schön. Ich kann gar nicht beschreiben wie schön, dabei ist es ein wirklich minikleines Dörfchen direkt am Ozean, viele Hütten sind aus Lehm, überall sieht man Fisch, Fischernetze und Boote, viele Kinder, die auf der sandigen rotbraunen Straße spielen, Frauen, die Fufu zubereiten, Hühner und jede Menge Ziegen, die sich auf den Ästen kleiner Bäume vor der Sonne schützen. Wir kommen abends an und sind bis auf eine Amerikanerin die einzigen Gäste in der kleinen Hotelanlage, insgesamt gibt es nur 2 Doppelzimmer und einen Dorm mit 6 Betten. Geleitet wird das Ganze von einem dänischen Ehepaar, die die Leitung jedoch an einen sehr netten Ghanaer übergeben haben und selbst in Dänemark verweilen. Dieser nimmt uns sehr freundlich auf und spendiert uns auch eine frisch gepflückte Kokosnuss von den Palmen, die das Haus umgeben. Busua an sich ist, wie wir in den nächsten Tagen herausfinden werden, Erholung pur. Es wird keine laute Musik gespielt, kein Geschrei, kein Markt und vor allem keine der manchmal aufdringlichen Ghanaer, die es einem unmöglich machen, ohne die "Obrouni“- Rufe den Ort zu durchqueren.

Surfen

Busua ist aber auch wirklich klein, neben dem wenige Kilometer langen Strand gibt es eine Hand voll Kiosks und eine Durchfahrtsstraße in den nächsten Ort, mehr nicht. Lea und ich sind verwundert, dass an einem solch paradiesischen Ort (der Strand ist wirklich traumhaft!) nur so wenige Touristen sind, aber das liegt wahrscheinlich an der Zeit kurz vor Weihnachten. An unserem ersten Tag suchen wir uns gleich etwas Aktives zu tun: Es geht zum Surfen, was sich als schwieriger herausstellt, als wir uns vorgestellt haben. Nach einer kleinen Einführung und Trockenübungen am Strand, geht es in die Wellen. Mit ein paar Anweisungen zweier Ghanaer, denen der Surfbrettverleih gehört, schaffen wir es zumindest auf den Knien über die verhältnismäßig kleinen Wellen, die uns aber mit ihrer Kraft vollkommen ausreichen.

Das mit dem Aufstehen will nicht so wirklich klappen, Spaß haben wir aber allemal  auch wenn wir nach drei Stunden ohne Pause völlig erledigt sind. Unsere Knie sind aufgeschürft und ich kann meine Oberarme vom Aufs-Brett-Ziehen kaum noch spüren. Also frühstücken wir erst einmal, schließlich sind wir schon seit kurz vor acht mehr oder weniger auf den Brettern. Später versuchen wir unser Glück nochmal und enden jedoch irgendwann uns auf den Surfbrettern treiben lassend im Meer. So vergeht auch schon unser erster Urlaubstag, der so anstrengend war, dass wir den ganzen nächsten einfach am Strand verbringen, baden, schlafen und wieder baden, bis wir abends Essen gehen.

Unser Haus liegt in einer Art Bucht, die bei Flut (hier ab abends) nur zu erreichen ist, indem man den kleinen Fluss überquert, der sich vom Meer abzweigt. In der Dunkelheit kehren wir also jeden Abend zurück und waten durch das an manchen Stellen höher als knietiefes Wasser, während wir den Gedanken an das was möglicherweise darin herumschwimmt, zu vermeiden versuchen. Die Tage ziehen wie im Flug vorbei, wir genießen das klare Meerwasser, den Strand und die Ruhe, liegen Kokosnuss schlürfend in der Hängematte (wie klischeehaft) und genießen das Leben. Wir wandern auf eine Halbinsel, die seit vor 6 Jahren der  Häuptling gestorben ist, völlig verwildert und die Häuser von der Natur zurückerobert werden. Das Haus des Häuptlings, das mittlerweile ziemlich verfallen ist, betreten wir sogar. Wir reden mit ein paar Fischern, die mit ihren alten Booten aus zusammen-genagelten Holzplanken jeden Tag hinausfahren und sie nehmen uns mit auf eine kleine Insel ein wenig vor der Küste, wo wir Krabben, Seeigel und einen Baby Oktopus sehen. 

Butre

Am anderen Tag wandern Lea und ich ins nächste Fischerdörfchen Butre, ungefähr eine Stunde Fußweg über einen steilen Berg, auf welchem ein verfallenes nur halb fertig gebautes Häuschen steht, das von einem alten Einsiedler bewohnt wird, den wir beim Aufstieg treffen. Er verlangt von jedem Besucher, der den Weg zu ihm nach Butre findet und die in den Lehm geschlagenen Stufen betritt, zwei Cedi (50 Cent), um diese in Stand zu halten. Auf eine merkwürdige Art und Weise ist er sehr nett und kommt uns wirklich wie ein typischer Einsiedler vor (nicht dass ich schon so viele getroffen hätte aber so stelle ich sie mir vor). Der Aufstieg ist lang und anstrengend, das Panorama, das wir von oben haben aber unglaublich, Strand, Palmen und die endlose Weite des türkisblauen Meeres.

Wir wandern weiter durch einen kleinen Dschungel bis wir den Berg hinunter wieder erste Häuser sehen und in Butre sind, einem genauso kleinen Fischerdörfchen, das dem Klischee Afrika wirklich sehr nahe kommt. Um zum Strand zu gelangen, der auch von einer Flusseinmündung versperrt wird, muss man über eine sehr abenteuerliche Brücke gehen, die immer wieder einstürzt, wie uns der Chief des Dorfes erklärt, der uns dort über den Weg läuft. Das glaube ich ihm beim Anblick sofort, denn die losen Bretter, die über die Holzpfeiler gelegt sind, sehen an vielen Stellen morsch aus und das Gebilde schwankt bei jedem Schritt und neigt sich bedrohlich zur Seite.

Alligator-Tour

Der Chief will uns erst zu einer Alligator-Tour den Fluss aufwärts und dann zu einer großzügigen Geldspende für die Dorfcommunity überreden, wir lehnen aber beides dankend ab.  Da am Tag zuvor zwei Leute, die denselben Weg durch den verlassenen Dschungelteil auf dem Berg gegangen sind, ausgeraubt wurden und uns der Hotelbesitzer gewarnt hat, haben wir sowieso fast kein Geld dabei. Mit viel Sonne, Sand und schönen Erinnerungen endet unser Strandurlaub damit, dass wir um fünf Uhr aus dem Bett springen (oder eher kriechen), um den Sonnenaufgang über dem Meer anzuschauen- wunderschön. Hier treffen wir dann auch eine Putzkolonne, die den Strand von angeschwemmten Müll befreit und loben schon das Engagement, bis wir sehen, dass die Häufen nur im Sand vergraben werden. Naja, immerhin.

Völlig erholt und ein bisschen wehmütig machen wir uns am Freitag, den 23. Dezember auf den Heimweg nach Swedru. Längst schon haben wir beschlossen wiederzukommen…

Liebe Grüße, Mira

 

 

 

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