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Farming und ein bisschen Papaya

Übersicht

In Ghana steuert nun alles auf den Independence Day, den Unabhängigkeitstag am sechsten März zu, bei dem Ghana vor genau 60 Jahren seine Unabhängigkeit gewann. Verbunden damit ist vor allem eine Person, der Anführer der damaligen Nationalbewegung Kwame Nkrumah, der den Weg zur Unabhängigkeit ebnete, im ganzen Land Streiks und Boykotte organisierte, die sich gegen die britische Besatzungs – und Kolonialmacht richteten. Am sechsten März 1957 wurde Ghana dann schließlich unabhängig und gewann seine Selbstbestimmungsrechte. Dieser kurze geschichtliche Einblick zeigt wohl, dass dieser Tag ziemlich wichtig für die Ghanaer ist und deshalb auch schon um einiges im Voraus geplant wird.

Freiheitsmarsch an der Schule

Wie viele anderen Schulen beteiligt sich auch Unsere an einem großen Marsch in Swedru, für den schon seit Wochen geprobt wird. Insgesamt 30 Mädchen und Jungen sind bereits ausgewählt worden, seitdem beginnt der Schultag mit einer Marschier Einheit, die sich oft über eine Stunde in die Länge zieht. Im Gleichschritt marschieren dann dreißig, am Anfang alle Schüler über den Schulhof und  werfen Arme und Beine abwechselnd und im Takt in die Höhe. Begleitet werden sie von lautem Trommeln und den Anweisungsrufen der Lehrer, seit heute gibt es auch Fahnen mit dem Schullogo, die von den Anführern der Reihen hochgehalten werden, was ich mir bei den morgendlichen 30 Grad nicht gerade einfach vorstelle…

In der Schule und Zuhause geht alles seinen gewohnten Gang, in wenigen Tagen bin ich genau ein halbes Jahr hier und Ghana ist auf eine besondere Art mein Zuhause geworden. Anlässlich dessen werden mich mein Bruder und meine Eltern zu Besuch kommen und ich bekomme ein paar Tage schulfrei um ein wenig Zeit mit ihnen zu verbringen. Jetzt komme ich aber einmal zu dem, was ich eigentlich hier aufschreiben wollte, nämlich meine Erfahrungen als waschechter Farmerin in Ghana (nicht…?).

Arbeiten als Farmerin

Nein, das wäre natürlich übertrieben, an sich reicht es zu sagen, dass alle Freiwilligen meiner Organisation ARA auf deren Farm einberufen wurden, um dort ein bisschen zu arbeiten. Wenn ich sage Farm, mag man sich jetzt ein kleines Farmhäuschen auf einem riesigen Gelände inmitten einer ganzen Menge Anbau- und Ackerflächen vorstellen (was ich auch mache).Vor Ort dann aber stelle ich fest, dass die Farm eine relativ kleine Fläche, vielleicht ein bisschen mehr als ein Fußballfeld, darstellt.

Die Farm gehört unserer Organisation, der Gewinn, beziehungsweise die Ernte soll aber dem zwei Gehminuten entfernten kleinen Dörfchen zur Verfügung gestellt werden, wenn das einmal alles so klappt wie es soll. Das Dorf beziehungsweise die dort lebenden Farmer besitzen das umgebende Land und leben von dessen Ertrag. Da jede helfende Hand gebraucht werden kann, gehen viele der Dorfkinder nicht zur Schule und helfen auf der Farm, genauso wie Jugendliche, die nach ihrem Schulabschluss keinen Job finden und sich so dem Farming widmen. Der Brunnen, der auf dem Farmgelände steht ist,  laut unserem Mentor, der einzige weit und breit und wird daher vom ganzen Dorf in Anspruch genommen, um Trinkwasser zu bekommen.

Was auf der Farm bis jetzt wächst sind Kassava und Plantain. Wir bekommen die Aufgabe Karotten und Papaya anzupflanzen und ein bisschen "klar Schiff“ zu machen. Ein Haus gibt es nicht, sowie auch kein einziges schattiges Plätzchen, weshalb ein paar der Freiwilligen aus Palmblättern und Astgabeln einen Unterstand basteln, der groß genug für die ungefähr 30 Anwesenden ist. Zu meiner Überraschung klappt das sogar ziemlich gut! Ich wende mich mit Pia, Lea und Marie dem Pflanzen von Papaya zu (Hauptsächlich deshalb weil zu dieser Aufgabe zählt die Papayas zu schälen und aufzuessen, um an die enthaltenen Kerne zu gelangen).

Zuerst aber bekommen wir kleine Plastiktüten, die wir mit Erde füllen und aneinandergereiht auf dem Boden platzieren, damit die Papayakerne darin zu Setzlingen wachsen können. Bei unserer Arbeit, die in der prallen Sonne am Mittag wirklich anstrengend ist, entdecken wir plötzlich eine Art Würmer in der lehmigen Erde, die sich zu unserem Erschrecken bei Marie unter die Haut versuchen zu bohren. Das setzt unserer Motivation als tatkräftiger Farmer ein rapides Ende. Das kann man sich ja auch vorstellen, denn von Würmern und Parasiten hört man von anderen Freiwilligen die ekligsten Schauergeschichten.

Schatten in Sicht

Während wir alle 100 Tütchen mit Erde befüllt haben, steht nun mittlerweile die Überdachung an. Die Karotten sind gepflanzt und das Unkraut ist gejätet. Die körperliche Arbeit tut uns glaube ich allen gut und ist eine Abwechslung zum ziemlich "sesshaften“ Schulalltag. Die Kochgruppe hat während unserer Pflanzaktion derweil Yam mit Stew vorbereitet und gekocht. Wir essen alle gemeinsam in unserem schattigen Unterschlupf

Am Ende, nachdem wir die Papayas netterweise mit den anderen Freiwilligen geteilt haben, drücken wir unsere Kerne noch in die Erd-Tütchen und hoffen nach einem kleinen Wasserguss aus dem Brunnen das Beste, bis wir beim nächsten Mal wiederkommen…

 

 

 

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