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Vertrauter und doch fremder Besuch

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Hallo Ihr alle,

mittlerweile sind auch schon wieder viele Wochen vergangen, deshalb melde ich mich heute einmal wieder, denn es ist so einiges passiert.

Ich nehme euch zuerst einmal mit zum 23. Februar, Donnerstag, der Tag, an dem meine Lieben aus Deutschland (meine Eltern und Joscha) in Ghana landen werden. Endlich! Solange haben wir alle uns schon darauf gefreut, auch wenn mir das Ganze am Flughafen selbst noch immer ziemlich unwirklich vorkommt. Um dahin zu kommen, gehe ich früher von der Schule, dann schnell nach Hause und los geht’s. Ich glaube so aufgeregt war ich schon lange nicht mehr, ich bin so gespannt auf die Reaktionen von den dreien, die ich nun wirklich ein ganzes halbes Jahr nicht gesehen habe. Ich freue mich, ihnen alles zu zeigen, zu erklären und ein Stück weit auch darauf Ghana nochmal neu und durch ihre Augen zu sehen.

Heiß ersehnte Ankunft

Das Trotro nach Accra, wo ich dann noch den Flughafen finden muss, steht natürlich im Stau und so brauche ich fast vier Stunden bis zu Trotro Station Kaneshi. Von dort aus hilft mir dann ein wirklich netter Ghanaer, ein Taxi zum Flughafen zu organisieren, ohne dabei preistechnisch völlig abgezogen zu werden. Er drückt mir sogar noch 15 Cedi in die Hand, damit die Fahrt für mich nicht so teuer wird. (Ja, solche Menschen gibt es in Ghana). Am Flughafen angekommen habe ich dann trotz allem noch eine Stunde Wartezeit und dann ist es soweit. Nachdem bestimmt schon fast alle Passagiere durch die Glastüren in die Ankunftshalle (die übrigens nur ein überdachter Außenbereich ist) strömen, kommen sie. Ein so unwirklicher Anblick! Unter genervten Blicken des Sicherheitsmannes laufe ich ein Stück in die abgesperrte Zone und Hallöchen, die Wiedersehensfreude ist groß! Das habe ich in diesen wenigen Zeilen glaube ich nun schon oft gesagt, und werde es bestimmt noch viel öfter schreiben, aber nach dieser langen Zeit kommt es einem dann einfach total surreal vor, die, mit denen man nur telefoniert, geschrieben und vielleicht ein- oder zweimal geskypt hat, plötzlich vor sich stehen zu haben in einer anderen kleinen Welt, die man nur ohne sie kannte und die mir so vertraut und ihnen gleichzeitig so fremd ist.

Ein schönes aber total fremdes Gefühl plötzlich diejenige zu sein, die sich auskennt und dafür zuständig ist, dass alles klappt. Aber erst einmal bin ich überglücklich sie alle hierzuhaben, mit ihren riesigen Rucksäcken, Touri-Brustbeuteln und Regenjacken (Sorry Papa, das musste sein). Wir nehmen ein Taxi zu unserem Hostel und es strömen schon tausende neue Eindrücke auf Mama, Papa und Joscha ein. Natürlich beschweren sie sich erst einmal über die unglaubliche Hitze (dabei ist es neun Uhr abends und mit vielleicht 28 Grad die kühlste Zeit des Tages, es scheint ja nicht mal die Sonne ). Da es schon dunkel ist, sieht man nicht besonders viel von Accra, ein paar große beleuchtete Gebäude und ein paar obdachlose Menschen, die am Straßenrand schlafen.

Eine kurze Verschnaufpause

In unserem Hostel (Sleepy Hippo Hotel) angekommen, sind die drei so erledigt, dass es ziemlich schnell ins Bett geht, davor werden aber erstmal noch die zwei riesigen Koffer für mich geöffnet und ein bisschen von Omas mitgeschickten Kuchen gegessen (traumhaft!). Am Morgen dann, ziemlich erschlagen von der Hitze und dem  Flug, von dem mir die grausigsten Geschichten erzählt werden, frühstücken wir zunächst und machen uns dann auf den Weg zur Kaneshi-Station, um nach Swedru zu meiner Gastfamilie zu fahren. Dort ist es für gewöhnlich sehr voll, ich kann das wahrscheinlich gar nicht veranschaulichend beschreiben, auf jeden Fall ein Gedränge von Menschen, Straßenverkäufer, Trotros, kurz: völlige Überforderung wenn man nicht genau weiß, wo man hin muss um die Tickets zu kaufen.

Mit zwei Koffern und drei Rucksäcken wird das Ganze noch erschwert, die Devise lautet "Alles festheben, nichts offen lassen und niemandem etwas zum Tragen geben“. Ich bin ziemlich erleichtert, als wir irgendwann alle im Trotro sitzen und es losgeht. Die zwei Stunden nach Swedru ziehen sich in die Länge. Als wir endlich ankommen, sind wir zurecht allesamt völlig erschöpft, müssen aber noch mit dem ganzen Gepäck den "Top Hill“ hinauflaufen, auf dem mein Haus steht. Da es Freitagnachmittag ist, ist zwar noch kein Familienmitglied meiner Gastfamilie in Sicht, dafür bewundert die ganze Nachbarschaft gespannt den "Einzug der Obronis“. Die drei sind, glaube ich, überrascht, wie freundlich diese Fremden ihnen zurufen und winken, hier ist diese Obroni-Kolonne aber auch wirklich ein lustiger Anblick.

Die Familien treffen aufeinander

In den Tagen vor dem 23. Hat meine Gastmutter Efua das Haus auf Vordermann gebracht, so sauber war es seit meiner Ankunft noch nie, nicht einmal an Weihnachten. Wir dürfen uns über einen kleinen Teppich vor der Toilette und eine neue Klobürste freuen (warum auch immer). Selbst die Ameisen sind größtenteils vom Esstisch verschwunden, dessen Tischdecke ich zwei Abende zuvor noch  extra bügeln musste. Nach der kleinen Hausführung, lasse ich meine Eltern und Joscha erst einmal auspacken und ich selbst begutachte den Inhalt der zwei Koffer für mich. Noch einmal lieben Dank an dieser Stelle an alle, die mir etwas mitgeschickt haben, das Auspacken war wie ein kleines Weihnachten!  

Später gehe ich zum ersten Mal mit Joscha in die Stadt, um Obst zu kaufen. Weil ich es ganz lustig fand, scheuche ich ihn zuallererst durch die Fischgasse, enge Gänge, wo rechts und links Fisch in allen Geschmacks- und vor allem Geruchsvariationen verkauft wird. Neulich haben wir dort sogar getrocknete Geckos entdeckt, die man in Tütchen abgepackt kaufen konnte. Joscha übersteht den Gestank zu meinem Überraschen ziemlich gut, Hut ab! Bei meiner Standard Obstfrau kaufen wir alles, was man hier an Obst probiert haben muss: Ananas, Papaya, Bananen und Wassermelone. Später gehen wir alle zusammen nochmal auf den Markt und kaufen ein bisschen ein.

Am Abend ist dann auch meine Gastfamilie da. Efua hat Jollof Reis für uns gekocht und es gibt sogar zum zweiten Mal seit ich hier bin Salat. Efiba unnd Awompa sind am Anfang ein bisschen schüchtern, drehen dann aber voll auf, spielen mit uns allen UNO und später mit Mama Friseursalon. Am Morgen darauf geht’s dann auch schon los nach Busua, dem schönen Strandort in der Western Region, wo ich schon ein paar Tage vor Weihnachten verbracht habe. Bis Donnerstag werden wir dort bleiben und ein bisschen entspannen, was im lauten überfüllten Swedru eher schwer fällt.

Das Paradies Busua

Vom Geräuschvolumen sind die drei nämlich auch wirklich überrascht, natürlich musste aber auch genau in dieser einen Nacht in Swedru eine Beerdigungsfeier zwei Häuser weiter sein. Dauerbeschallung, die einen, gerade wenn man es nicht gewohnt ist, nur schwer schlafen lässt. Die Fahrt nach Busua dauert mit mehrmaligem Umsteigen ungefähr vier Stunden und wir kommen am späten Nachmittag an. Busua ist noch immer ein kleines Paradies, direkt am Ozean und ich glaube, das geht beim Anblick der Wellen und der Palmen nicht nur mir so.

Die nächsten Tage vergehen wie im Flug. Wir stehen auf, wenn wir aufwachen, frühstücken Pancakes, Rührei, Tee und Kaffee, gehen entspannt zum Strand oder gerne auch einmal zuerst an die Hängematte. Joscha versucht sich am Surfen und wir anderen probieren es auch ein paar Mal, wir sind im Wasser, am Strand und brutzeln in der Sonne. Ich genieße es mit der ganzen Familie hier als Urlauber zu sein, als Freiwilliger versucht man nämlich doch immer möglichst an allen Ecken und Enden zu sparen. Diesmal genieße ich aber die Unbeschwertheit, einen Tee nach dem anderen zu trinken, ohne dass ich mir darüber Gedanken machen muss. Es ist wunderschön und wir genießen unsere Zeit.

Am Donnerstag geht es dann zurück nach Swedru, nachdem wir ankommen erst noch einmal auf den Markt (Joscha deckt sich mit Sporttrikots aller  Mannschaften ein, die man hier für fünf Euro bekommt). Am Abend erwartet sie auch noch eine Überraschung: Efua hat allen Kleider aus ghanaischem Stoff schneidern lassen. Papa bekommt, genauso wie Joscha, ein Hemd, Mama ein Kleid. Ich bin überrascht, ich habe zwar nichts zu Weihnachten bekommen aber immerhin meine Eltern zum Besuch.

Exotische, deutsche Süßigkeiten

Damit die drei auch ein bisschen von meinem Alltag mitbekommen, geht es am Freitagmorgen um 7.30 Uhr für alle zur Schule. Die Kinder flippen natürlich völlig aus und die drei können keinem Schritt gehen ohne von 50 Kindern umringt zu sein. Ich unterrichte eine Stunde ICT, danach verteilen wir die mitgebrachten Haribo Gummibärchen, das Highlight des Tages, denn "German Toffee“ (deutsche Süßigkeiten) bekommt man nicht alle Tage! Und wie alles irgendwann zu Ende geht, so auch dieser Urlaub. Wir fahren wieder nach Accra ins Sleepy Hippo, denn am Samstag heißt es für alle außer mich " Zurück ins kalte Deutschland!“. So richtig freuen kann sich darüber glaube ich keiner, außer vielleicht Joscha, dem vieles hier ein bisschen suspekt zu sein scheint (kleines Späßchen am Rande, Yorgo).

Wir fahren noch eine Nacht ins Sleepy Hippo, wo die Köchin/Rezeptionistin ganz begeistert von meinem "brother“ ist. Ein letztes Abendessen, diesmal Pizza, bevor wir schlafen gehen. Am Morgen des Abflugs haben wir noch viel vor, zum Glück müssen wir erst gegen sieben am Flughafen sein. Da die Männer ziemlich erledigt sind, lassen Mama und ich sie mit einer Cola und Büchern im Hostel, während wir auf den Kunstmarkt fahren, wo wir uns noch mit Pia treffen, die mit mir anschließend noch eine weitere Nacht in Accra schlafen wird. Erst einmal kaufen wir aber noch ein paar Souvenirs, Armbänder, Ketten und eine wunderschöne Ledertasche. Das Handeln macht dabei natürlich wieder am meisten Spaß und wir bekommen die Tasche anstatt der anfänglichen 250 Cedi für 120Vollbepackt geht es zurück zum Hostel, wo wir noch ein spätes Frühstück essen, bevor es dann zum Flughafen geht.

Der Abschied geht schnell aber nicht ganz schmerzlos, aber man sieht sich ja in sechs Monaten wieder. Auf jeden Fall waren es wunderbare elf Tage Ghana mit meiner Familie und ich bin wirklich froh, dass alles so gut geklappt hat, auch wenn es natürlich viel zu schnell rumging…

Eure Mira 

 

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