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Togo, Malaria und das Leben

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Togo, Malaria und das Leben… Das klingt nach einem aufregenden Titel eines Buches, das erst noch geschrieben werden muss. In Wahrheit beschreibt das aber meine Reise nach Togo ganz gut. Als hätten wir unser Schicksal herausgefordert, wird die Reise zu unseren togolesischen Nachbarn ein wirklich chaotisch aber nachhaltig beeindruckendes Erlebnis von dieser Art, bei der man erst später so richtig darüber lachen kann. Das kann ich dann ja jetzt mit euch tun.

Mehr oder weniger vorbereitet nach Togo

Let the stress beginn… Es ist der Abend vor dem Start unserer Reise nach Togo (kurze Infos am Rande: Togo ist das Nachbarland Ghanas, auf der Karte einmal nach rechts, ein ganzes Stück kleiner als Ghana und mit Französisch als Amtssprache). Im Voraus hören ich und meine altbekannten Reisekumpanen Lea und Pia schon die abenteuerlichsten Geschichten über unser Reiseziel, die von seltsamen Krankheiten bis zu Einreiseproblemen und Bestechung der Grenzangestellten reichen. Da wir keine Togolesen sind, brauchen wir zur Einreise nämlich ein Visum, das man glücklicherweise direkt an der Grenze beantragen kann. Von anderen Freiwilligen haben wir schon Tipps, Tricks und Warnungen abgestaubt und haben trotzdem, oder wahrscheinlich gerade deshalb, ziemlichen Bammel, denn unsere Französischkenntnisse sind, wie wir bald feststellen dürfen, mehr als eingerostet.

Erst einmal aber fahren wir ganz normal nach Accra und von dort aus zur Grenze nach Aflao. Entgegen unserer Befürchtungen läuft unsere Visa-Beantragung tatsächlich unkompliziert, wir müssen unseren Impfpass zeigen, 70 Cedi (18 Euro ungefähr)  zahlen und sind auch schon drüben, wo wir erst einmal am Straßenrand unsere Ghana Cedi in togolesische Francs wechseln, was uns vollkommen verwirrt, denn 7 Cedi sind 1000 Francs und plötzlich stehen wir da mit 10 000 Scheinen. Von der Grenze aus fahren wir dann mit einem völlig überteuerten Taxi in Togos Hauptstadt Lomé, die direkt an der Küste liegt. Überraschenderweise gibt es in Togo keine Trotros sondern entweder Sammeltaxis, in welche bis zu 8 Leute gequetscht werden, oder Motos, die man zu unzähligen auf der Straße sieht. Da es schon spät ist fahren wir direkt zum Coco Beach, einem superschönen Strandabschnitt, wo wir in einer Bambushütte am Strand übernachten.

Malaria im Gepäck

Was ich vergessen zu erwähnen habe und zu diesem Zeitpunkt auch noch nicht weiß ist, dass ich seit dem Abend vor unserer Abreise hohes Fieber plus Gliederschmerzen, also Malaria habe. Deshalb falle ich auch ins Bett und schaffe es am nächsten Tag nur sehr mühevoll nach Kpalimé, eine Stadt gute zwei Stunden weiter nördlich, in welcher auch viele Freiwillige leben. Dort kennt Pia eine Freiwillige, die uns in den nächsten Tagen ein bisschen herumführt und uns die Stadt zeigt. Am Sonntag, dem nächsten Tag, kann ich die Symptome meines Körpers, die laut nach Malaria schreien und auch mit der täglichen Dosis Ibu nicht mehr erträglich sind, nicht mehr ignorieren und es geht ins Krankenhaus, wo wir dann erst einmal auf Französisch erklären dürfen, was ich will. Was ich will ist nämlich einen Malariatest, den ich nach einigen Verständnisproblemen auch bekomme und der mir am Ende mein Schicksal besiegelt:  Malaria. Allerdings zum Glück nur ein schwacher Wert, weshalb ich mit sechs Tabletten für die nächsten Tage entlassen werde. Diese helfen auch tatsächlich ganz gut, weshalb ich mich natürlich gleich überanstrenge und am nächsten Morgen mit den anderen zu den nahe gelegenen Wasserfällen in Vome aufbreche.

Um dorthin zu gelangen, muss man erst einmal eine gute Dreiviertelstunde Moto fahren, an sich ein kleines Erlebnis, rechts und links die Berge, die Kpalimé umgeben, viel Grün und ein bisschen Regenwald, mit Malaria und den typischen muskelkaterähnlichen Bauchschmerzen jedoch eindeutig kein Genuss, denn jede Unebenheit wird zu einem Schlag in den Magen. Irgendwie schaffe ich es trotzdem mich auf dem Moto zu halten und zu den Wasserfällen zu laufen. Den Einbruch bekomme ich erst am Abend und verabschiede mich mit Fieber im mein Bett. Wir wohnen die Woche, die wir in Kpalimé verbringen werden, übrigens auf dem Hof eines kleinen Waisenhauses. Dieses besteht aus dem obersten Boss Maman (Mama zu deutsch) sowie ihren neun Schützlingen: Jungs im Alter von fünf bis 18. Dazu gibt es noch die Oma sowie Nina, das Mädchen für Alles mit ihrer dreijährigen Tochter Gloria, die Epilepsie hat und zwar nicht sprechen kann, dafür den ganzen Tag vor sich hinbrabbelt und lacht.

Auf dem kleinen Hof leben noch dazu auch zwei Freiwillige und wir sind begeistert von der ruhigen netten Atmosphäre, die dort herrscht. Aber auch Togo allgemein scheint trotz äußerlichen Gemeinsamkeiten ziemlich anders zu sein. Erst einmal sind die Landschaften weiter und die einzelnen Gebäude in den Städten nicht so dicht auf dicht gebaut, sondern viel weiter entfernt und es gibt viel mehr Freiräume. "Weitläufiger“ trifft es wahrscheinlich ganz gut. Dadurch wird auch die Stimmung ganz anders. Togo erscheint mir um einiges ruhiger und entspannter zu sein als Ghana an manchen Orten. Das Leben tobt auf der Straße nicht so, es gibt nicht die, für Ghana typischen, tausend Verkaufsstände am Straßenrand und nicht die Massen an Menschen, die Dinge auf dem Kopf verkaufen. Allgemein ist es sehr viel ruhiger, keine Musikboxen alle fünf Meter und weniger "Obrouni“ – oder "Yogo“ Rufe, wie die Weißen in Togo genannt werden. Auch der Markt ist völlig anders, keiner zerrt dich zu seinen Waren, vielmehr wird man gar nicht beachtet, was wirklich entspannend ist.

Ruhige Städte in Togo

Insgesamt erscheint mir ganz Togo, zumindest die Orte, an denen ich war, viel leerer, so als würde irgendetwas fehlen. Ein weiterer Unterschied zu Ghana sind die kleinen Bars und Restaurants, Cafeterias genannt, die es hier an jeder Straßenecke gibt und die zum Hinsetzen einladen. So etwas gibt es in Swedru beispielsweise fast gar nicht, was eigentlich wirklich schade ist. Und wenn wir schon beim Essen sind: Es gibt plötzlich Nudeln mit Tomatensoße und sogar echtes Baguette. Für alle, die nicht seit acht Monaten in Ghana leben wahrscheinlich keine Sensation, für uns dafür umso mehr. Für umgerechnet 50 Cent oder weniger kann man auf der Straße Avocado Baguette kaufen und sogar Käse gibt es! So genießen wir neben der Ruhe auch das Essen. Da ich leider noch immer von Malaria geplagt bin, mache ich die nächsten Tage eher langsam und die anderen ziehen auch mal alleine los.

Am Donnerstag bin ich wieder halbwegs hergestellt und wir fahren zum Mount Kloto, einem der Berge, die Kpalimé umschließen. Da ich noch immer ziemlich schwach bin, lassen wir uns ziemlich weit hoch mit dem Moto fahren und laufen nur das letzte Stück. Von oben hat man tatsächlich einen supertollen Ausblick. Auf dem Weg zurück in die Stadt stoppen wir noch um ein bisschen Palm Wine zu probieren, der vor Ort in Togo gebraut wird, was jedoch überhaupt nicht mein Fall ist. Da wir noch ein bisschen Zeit haben, fahren wir zu einem anderen Berg, beziehungsweise Hügel, und erklimmen ihn diesmal selbst. Da dies auch schon unser letzter Abend in Kpalimé ist, beenden wir ihn würdig mit einer letzten Runde Spaghetti. Am nächsten Morgen soll es wieder zurück nach Lomé, da wir an der Grenze unser Visum verlängern müssen, um noch ein paar weitere Tage zu bleiben, jedoch wird Pia in der Nacht ziemlich krank. Ich habe noch immer ein bisschen Malaria, Lea ist von Flöhen von unserer Nacht am Strand zerstochen und hat sich am Moto verbrannt. Aufgrund unser aller großer oder kleiner Wehwechen beschließen wir die Flucht in die Heimat, nach Ghana.

Ein schönes Chaos

Okay, ich übertreibe schon wieder ein bisschen, denn so dramatisch ist es wirklich nicht gewesen. Wir entscheiden, dass unser Togo-Urlaub schön war, aber nun auch zu Ende ist. Wir laufen noch einmal über den Markt und machen uns dann auf zurück nach Lomé, an die Grenze, bereit um zurück nach Ghana zu fahren. Dort erleben wir dann die letzte unerfreuliche Überraschung, denn natürlich ist unser Visum schon gestern, einen Tag zuvor, abgelaufen und natürlich hat sich keiner von uns durchgelesen, was die netten Männer von der Grenze in unseren Pass gestempelt haben. Sonst wäre uns vielleicht aufgefallen, dass das Visum sieben Tage gültig und es nicht gerade vorteilhaft ist, am achten Tag noch nicht ausgereist zu sein.

Der Grenzbeamte (die tragen übrigens alle sehr interessante Uniformen im Leopardenprint) diskutiert noch ein bisschen mit uns, bevor er ein bisschen böse wird und uns klarmacht, dass wir jetzt sofort ein neues Einreisevisum beantragen müssen, um offiziell ausreisen zu können. Da wir einsehen, dass jede Diskussion schon verloren ist, zahlen wir alle noch einmal 70 Cedi Einreisegebühr, um ausreisen zu können.  Eher suboptimal  aber leider tatsächlich selbst schuld. Und so schön Togo auch war, sind wir doch sehr froh wieder in Ghana zu sein, wo man Englisch spricht, Trotros und Cedis hat und sich vor allem mittlerweile und seltsamerweise sehr zuhause fühlt.


Liebe Grüße, Mira.

 

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