Stimmt.de

Stimmt! Magonline lesen!

Nachricht-Detail

UN-Luft schnuppern

Übersicht
Ende Juni trafen sie alle in der ugandischen Hauptstadt ein: Der Generalsekretär der Vereinten Nationen (UN) António Guterres, der Hochkommissar der Vereinten Nationen für Flüchtlinge Filippo Grandi sowie Vertreter der ugandischen Regierung und die Vertreter vieler internationaler Nichtregierungsorganisationen (NGOs). Gemeinsam hatten sie zu einem Solidaritätsgipfel nach Kampala eingeladen.

Afrikanische Flüchtlingskrise

Es ging darum, die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf die Flüchtlingskrise vor Ort in Afrika zu lenken. Zusätzlich sollte so um die dringend benötigte Unterstützung durch die internationale Gemeinschaft gebeten werden.
 
Schon Tagen zuvor warf das Ereignis seine Schatten in ganz Uganda voraus: UN-Fahrzeuge auf allen Straßen und Pisten, kreisende Hubschrauber, die die Delegationen zu den größten Flüchtlingsunterkünften in Uganda brachten. 

Liberale Flüchtlingspolitik

Als Freiwillige der Deutschen Welthungerhilfe lebe ich seit neun Monaten in dem ostafrikanischen Land. In der letzten Juniwoche nutze ich die Möglichkeit, genau damit in Kontakt zu kommen, wovon die Welt gerade am meisten hört: die südsudanesischen Flüchtlinge in den nördlichen Gebieten Ugandas. Nicht nur in Deutschland kommen Flüchtlinge an, sondern auch in Uganda, einem der ärmsten Staaten Afrikas. Nahezu eine Million Südsudanesen sind seit dem Ausbruch des Konfliktes 2015 über die Grenze in den Nachbarstaat geflohen. Weitere Flüchtlinge aus dem Kongo kommen dazu.
 
Uganda gilt als Vorbild einer liberalen Flüchtlingspolitik – nicht nur in Afrika, sondern weltweit. "Hier ist jeder willkommen“ hatte Flüchtlingsminister Musa Ecweru vor der Konferenz im Interview mit einer deutschen Tageszeitung bestätigt: "Die Türen bleiben offen.“ Flüchtlinge genießen in Uganda Bewegungsfreiheit, haben Zugang zu Basisleistungen wie Bildung und Gesundheitsdiensten, dürfen arbeiten und ein Geschäft unterhalten.

Gegenwärtiger Bürgerkrieg

Für eine Woche war ich bei der Welthungerhilfe in Adjumani. Das liegt etwa 50 Kilometer von der südsudanesischen Grenze im Norden entfernt. Seit 2014 kommen täglich Flüchtlinge über die Grenze, um Schutz vor dem Bürgerkrieg zu finden.
 
Seit einem Jahr gibt es keine Auffanglager in Adjumani selbst mehr, sondern nur noch Settlements. Das bedeutet, dass die Flüchtlinge nach zwei bis drei Wochen im Auffanglager auf Settlements verteilt wurden. Dort bekommt jede Familie Land und das Material, um sich ein Haus zu bauen. Hier sind die Häuser Rundhütten, bestehend aus einem Holzgerüst und Erde zum Verputzen. Dazu flechten die Menschen sich ein Strohdach, das einmal im Jahr neu gedeckt werden muss.
 
Nach und nach werden Schulen gebaut, da 80 Prozent der Flüchtlinge Kinder sind. Organisationen wie Unicef übernehmen die Schulgebühren. Ich durfte in der Region Adjumani die aktuellen Einsatzgebiete der Welthungerhilfe in Zusammenarbeit mit der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO),Unicef und anderen Hilfsorganisationen kennenlernen.

Unterricht in Landarbeit

In den Farmer-Field-Schools werden Frauen und Männer darin ausgebildet, wie sie die lokalen Gemüsearten wie Bohnen, Zwiebeln, Tomaten, Erdnüsse und mehr anbauen. Das wird aber nicht nur den Flüchtlingen beigebracht. Auch den Einheimischen kommen per Gesetz 30 Prozent aller Auslandshilfen zugute. Bei den Savingsgroups sind genauso Frauen wie Männer beteiligt. Insgesamt gibt es 45 Gruppen, die aus je 30 Personen bestehen. Jede Gruppe hat einen Gruppenleiter, der jedes Treffen leitet.
 
Zweimal in der Woche treffen sie sich bei einem Mitglied unter einem Baum, um so nicht allzu sehr der doch sehr heißen ugandischen Sonne ausgesetzt zu sein. Jedes Mitglied kann so viel Geld wie es möchte in die Kasse zahlen und hat damit die Chance, das Doppelte des von ihm eingezahlten Geldes auszuleihen. Die Zinsen betragen meist um die zehn Prozent. Ich war sehr überrascht, wie gut dies klappt. Wash steht für "Water, Sanitation and Hygiene“ und macht Workshops mit Schülern, aber auch Erwachsenen darüber, dass es wichtig ist Wasser abzukochen, Hände zu waschen und mehr.
 
Mein Projektbesuch war von Beginn an von der Ankunft der UN-Delegationen geprägt. Das fing mit dem Hotelzimmer an. Weit und breit waren alle Unterkünfte von der Organisation ausgebucht, überall fuhren UN-Fahrzeuge auf den sonst so leeren Buckelpisten herum.

Hohe Sicherheitsmaßnahmen

In den beiden großen Settlements Aylo I und II bei Adjumani leben insgesamt 18000 Flüchtlinge. Am Donnerstag, als die Delegation der UN ankommen sollte, haben wir uns in einem sehr vollen NGO-Auto der Welthungerhilfe zu einer Schule in Aylo II begeben. Es sollte der erste Besichtigungspunkt der Delegation sein.
 
Die eigentlichen Gäste kamen mit einem privaten Helikopter angeflogen, aber niemand kannte die Ankunftszeit und es gab Spekulationen darüber, dass der ugandische Präsident Yoweri Museveni mitkommen würde. Deshalb war überall Militär, das schon einen Tag zuvor das Gebiet kontrollierte und bis zum nächsten Tag bewachte.
 
Nach zwei Stunden trafen die Politiker ein. Schüler führten einen südsudanesischen Tanz auf, der Direktor richtete ein paar kurze Worte des Dankes an den Besuch und schon ging es weiter auf einen lokalen Markt, dann zum Krankenhaus und zum Abschluss zum UN-Verwaltungsgebäude. Beim Verlassen des Schulhofgeländes haben sich tausende von Flüchtlingen vor dem Zaun versammelt. Dazu haben Frauen getanzt und gesungen.
 
Für Menschen wie mich, die die lokale Sprache nicht verstehen, sah es wie ein freudiger Tanz aus. Jedoch handelte es davon, wie hungrig sie seien. Nach vielen Reden beim UN-Verwaltungsgebäude sind die Delegierten aus der Türkei, USA, Schweden und anderen Ländern wieder nach Kampala geflogen, um dort ihre Eindrücke am nächsten Tag beim großen Geber-Gipfeltreffen zu teilen.

Finanzielle Hilfe

Die Organisatoren der Konferenz hatten auf Hilfszusagen in Höhe von zwei Milliarden Dollar, etwa 1,8 Milliarden Euro, gehofft. Bei der Konferenz wurde von den anwesenden internationalen Delegierten nur ein Bruchteil davon, nämlich insgesamt rund 320 Millionen Euro zugesichert.
 
Auch Deutschland wird die Flüchtlingspolitik Ugandas mit rund 50 Millionen Euro unterstützen, davon 14 Millionen für humanitäre Hilfe und 36 Millionen für Entwicklungszusammenarbeit.
 
 
 
 
 
 
Anzeige

Galerien

Regionale Events