Stimmt.de

Stimmt! Magonline lesen!

Nachricht-Detail

Eine ugandische Hochzeit

Übersicht

Erst vor wenigen Wochen bin ich in Uganda gelandet und schon bin ich mittendrin in den ugandischen Traditionen angekommen. Von unserer Nachbarin war ich gemeinsam mit den anderen Freiwilligen aus Fort Portal zu einer Hochzeit eingeladen. Maureen, unsere Nachbarin ist auch gleichzeitig die Mentorin von Ramona, einer Freiwilligen, die bei einer Radiostation tätig ist.

Maureen lebt gemeinsam mit ihrem 6-jährigen Sohn und einer Haushälterin in einer Doppelhaushälfte in unserem Compound. Sie hat uns sogar mit festlichen Kleidern ausgestattet, sodass wir für die Hochzeit angemessen gekleidet waren. Alle Frauen bekamen einen langen Rock, darüber eine Tunika und einen Schal um die Schultern zu bedecken. Die Männer hatten ein langes weißes Gewand an.

Eigentlich war der Beginn des Gottesdienstes auf 10 Uhr angesetzt. Wir sind jedoch erst um kurz vor elf aus unserem Compound aufgebrochen, denn wir waren vorgewarnt, dass eine Hochzeit nie pünktlich beginnen würde. Nochmals eine Stunde später, also gegen zwölf Uhr, begann dann auch erst der eigentliche Gottesdienst.

Es war eine richtige Landhochzeit. Dies bedeutet, dass wir erst einmal eine halbe Stunde auf einer unbefestigten, engen und staubigen Straße an Äckern und Hütten vorbei zum Haus des Bräutigams gefahren sind. Dort war ein riesiges Zelt für den Gottesdienst aufgebaut. Die etwa 300 Stühle waren in zwei, sich gegenüber liegenden Blöcken aufgestellt – eine Seite für die Verwandtschaft der Braut und gegenüber für die des Bräutigams. Davor standen zwei riesige Sofas. Eines davon war für den Vater der Braut und gegenüber, auf dem anderen Sofa saß der Bräutigam

Wir Muzwungus waren von der Brautseite da und durften auf deren Seite auch ganz vorne Platz nehmen. Muzwungu bedeutet "Weißer“ und dies wird uns auch immer wieder auf der Straße hinterhergerufen. Obwohl wir eigentlich gar nicht direkt eingeladen waren, wurden wir als Ehrengäste behandelt. Schon beim Betreten des Festzeltes haben sich die anderen Gäste mit einem Handschlag bei uns bedankt, dass wir gekommen sind und dazu hin waren wir beliebte Objekte für alle Fotografen.

Schon in den ersten fünf Minuten haben wir in unseren festlichen Gewändern bei rund 35 Grad geschwitzt, blieben jedoch bis um 17 Uhr, also während der gesamten fünfstündigen Hochzeitszeremonie, brav und nass geschwitzt auf unseren Stühlen sitzen. Das Brautpaar war um die 30 Jahre alt, was in Uganda sehr alt ist für eine Heirat. Normalerweise werden Mädchen schon mit 16 Jahren verheiratet. Aber dann nicht in einem so aufwändigen Hochzeitsfest, da das Geld dazu oftmals nicht reicht. Denn besonders in ärmeren Familien werden die Mädchen sehr früh verheiratet, da ab diesem Zeitpunkt der Ehemann für den Unterhalt aufkommen muss.

Am Anfang haben junge Männer und Frauen traditionelle Tänze aus dem Königsreich Toro vorgeführt. Sie stellten Tiere dar, die sie mit um die Hüfte gebundenen Strohbündel und um die Beine gebundenen Glocken darstellten. Die meiste Zeit des Gottesdienstes nahm die Verhandlung der Mitgift zwischen dem Brautvater und dem Bräutigam in Anspruch. Es ist ein wenig zu vergleichen mit der Aussteuer, die auch bei uns früher üblich war. Es wurden vor allem Haushaltsdinge geschenkt. Man erzählte uns, dass diese die ganze Woche zuvor schon vorverhandelt wurden und jetzt bei der Hochzeit nur nochmals den Gästen vorgeführt wurde.

Als dann die Mitgift endlich fertig "verhandelt“ war, wurden die vereinbarten Geschenke ins Zelt hereingetragen. Es waren Sofas, ein Herd, ein Fernseher, viele Getränkekisten usw. Diese wurden dann, nachdem sie vorgeführt waren, auch wieder herausgetragen. Außerdem hat der Bräutigam vom Brautvater Kühe geschenkt bekommen. Die Kühe wurden aber zum Glück nicht vorgeführt. Kühe gehören hier dazu, da sie Wohlstand bedeuten. Da die Brautleute aber, wie viele andere hier auch, Landwirtschaft betreiben, ist es üblich Tiere zu schenken. 

Der ganze Gottesdienst wurde sowohl auf Rutooro, der einheimischen Sprache, als auch auf Englisch gehalten. Man kann es sich nicht wie einen Gottesdienst in Deutschland vorstellen, da es weder einen Pfarrer, noch ein Eheversprechen zwischen Mann und Frau gab, sondern nur eine Urkunde, die von Brautvater und Bräutigam unterschrieben wurde. Dazu wurden noch die Verhaltensregeln in einer Ehe vorgetragen, wie zum Beispiel, dass eine Frau immer ihrem Mann gehorchen muss und niemals fremdgehen darf.

Es war ein christlicher Gottesdienst, wobei sie sich wirklich sehr an die Bibel gehalten haben. Es wurden aus der Bibel alle Gebote vorgelesen und diese mehrmals sowohl in Englisch als auch Rutooro wiederholt. Als dann endlich der Gottesdienst beendet war, gab es für die rund 300 Gäste ein großes Festessen. An drei Buffets waren Berge von Essen angerichtet: Reis, Matooke (Kochbanane), Bohnen, Erbsen, Chapati. 

Die Braut stand während der gesamten Hochzeit nur ganz kurz im Mittelpunkt. In ihrem schönen gelben Kleid saß sie kurz auf einem Podest, um sich von allen Seiten fotografieren zu lassen. Die übrige Zeit war sie mit ihren Schwestern im Haus des Bräutigams und der Bräutigam war der Mittelpunkt des Festes. Für uns Deutsche war das schon befremdlich, da wir es nur so kennen, dass die Braut im Mittelpunkt steht und die beiden neu vermählten Eheleute gleichberechtigt sind. Hier war die Braut eindeutig im Hintergrund und sogar die Heiratsurkunde wurde von ihrem Vater unterschrieben. Ich freue mich schon darauf die Sprache Rutooro zu lernen, um mich mit den Frauen hier darüber unterhalten zu können.

Die Hochzeit ging danach bis in die Nacht mit Tanz und viel Essen. Drei große Buffets waren aufgestellt, damit alle Gäste satt wurden. Es gab sowohl Teller als auch Gabeln, jedoch haben die Einheimischen mit den Händen gegessen. Zum Trinken gab es die üblichen Getränke wie Cola, Fanta, Wasser,... Alkohol wurde erst beim späteren Tanz ausgeschenkt. Kuchen gab es zwar auch, dieser wurde jedoch, solange wir da waren, nicht aufgeschnitten, sondern diente nur der Dekoration. 

Es war wirklich ein ganz besonderes Erlebnis für mich als Gast bei einer ungandischen Hochzeit dabei zu sein. Auch wenn ich bei weitem nicht alles verstanden habe, so gab es für mich vieles zu beobachten und zu entdecken. All die Bilder, Farben und Gerüche werde ich sicher für immer im Erinnerung behalten. 

 

 

Anzeige

Galerien

Regionale Events