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Ugandische Uhren rasen einfach!

Übersicht

Es ist unglaublich, wie schnell die Zeit vergeht. Die in regelmäßigen Abständen aus dem Nichts auftauchenden grauen Wolken der Regenzeit sind verschwunden und die Tage sind von schönem stahlendem Sonnenschein gezeichnet. Genauso hat sich auch der einheimische Markt in einen bunten Farbklecks verwandelt. Die Skala reicht von gelben Mangos und Papayas bis hin zu grünen Jackfruits und Avocados. Die erste Regenzeit ist damit überstanden und der langersehnte Sommer hat begonnen. Es ist erstaunlich, wie viel man an einem Tag hinbekommt, wenn man nicht immer wieder durch die weltuntergangsähnlichen Regenphasen zu Zwangspause gezwungen wird. 

Sommerzeit

In dieser Sommerzeit ist schon viel passiert. Angefangen hat es mit den Prüfungen der Kinder um Schuljahresende im Kinderheim. Da die amerikanische Lehrerin Deanna kurz davor zurück in die USA geflogen ist, habe ich ihre Klasse übernommen und die anstehenden 6 Prüfungen innerhalb von 3 Tagen durchgeführt. Geprüft wurde in den Fächern Mathematik, Englisch, Religion, Zeichnen, Biologie und Rutooro. Den jüngeren Schülern, die noch nicht perfekt lesen können, habe ich die Aufgabenstellung vorgelesen und dann mussten sie diese aber selbst beantworten. Witzig war, dass die Kinder meist in einer Mischung aus Englisch und Rutooro schreiben. Da in Rutooro die Wörter oft mit einem "i“ enden, hängen sie meist auch an die englischen Wörter noch ein "i“, was dann zu dogi, legi... führt.

Erfreulich war, dass sich der Großteil der Kinder  im Vergleich zu den ersten Prüfungen des Schuljahres deutlich verbessert hat. Damit hatten sie sich ihre Ferien auch wirklich verdient. Vor den Ferien standen sehr viele Auftritte der Kinderheimband an, wie zum Beispiel bei der Graduation der Grundschüler und der Highschoolschüler oder auch bei einer Hochzeit. Dafür bekommen sie auch etwas Geld, von dem zunächst der Bandtrainer bezahlt wird. Und wenn darüber hinaus was übrig bleibt, wird das restliche Geld auf die einzelnen Kinder aufgeteilt und vor dem Heimgehen in die Ferien ausbezahlt

Der Bandtrainer kommt von der Organisation meiner Mitbewohnerin Anika. Obwohl er selbst keine Noten lesen kann, bringt er den Kindern das Spielen vieler Instrumente bei: Trompete, Posaune, Schlagzeug, Trommeln und Rhythmusinstrumente. Bei einem Auftritt läuft die Band mit dem Trainer dann meist mit den feiernden Personen zuerst eine Stunde im Marsch durch den Ort, bis sie schließlich in ein Festzelt einmarschieren. Es ist schön zu sehen, wie die Musik das ganze Dorf zusammen trommelt. Die Dorfbewohner kommen alle auf die Straße gerannt, um sich die Zeremonie anzusehen. 

Kasese

Während es bei der Arbeit im Kinderheim eher ruhiger wurde, haben wir daheim richtig Leben ins Haus bekommen. Unsere Mitfreiwilligen aus Kasese, einer Stadt ca. 150 km südlich von Fort Portal, mussten ihre dortige "Heimat“ verlassen und waren für den ganzen Dezember bei uns einquartiert. 

In Kasese war es zu blutigen Auseinandersetzungen gekommen. Soldaten und Polizisten überwältigten die königliche Garde des traditionellen Königs des Bakonzo-Volkes der Region, Charles Wesley Mumbere. Sie stürmten den Palast und verhafteten den Herrscher des Rwenzururu-Königreichs. Ugandas Präsident Museveni, der seit 30 Jahren unangefochten regiert, wirft König Mumbere vor, eine Rebellion zu planen und im benachbarten Ostkongo eine Miliz aufzubauen. Angeblich wolle er eine eigene Republik mit dem Namen "Yira“ gründen, wird ihm aus Geheimdienstkreisen vorgeworfen. Die königliche Garde würde Kämpfer rekrutieren und ausbilden. 

König Mumbere galt schon lange als Störenfried. Das kleine Königreich der Bakonzo, deren verwandte Ethnie der Nande auf der kongolesischen Seite des Rwenzori-Gebirges die größte Volksgruppe stellt, fordert bereits seit Jahrzehnten mehr Macht. Erst 2009 hatte Präsident Museveni das lange nur im Untergrund agierende Königreich formell anerkannt.

Seitdem kam es aber immer wieder zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen Armee, Polizei und königlicher Garde. 2014 starben zwischen 50 und 100 Menschen. Laut Verfassung dürfen traditionelle Herrscher in Uganda nur repräsentative Aufgaben übernehmen, allerdings dürfen sie bewaffnete Leibgarden unterhalten.

Mindestens 55 Tote bestätigte Ugandas Polizei, in Zeitungen war von 80 die Rede. 14 Polizisten wurden getötet. 139 Bodyguards wurden verhaftet. Die Soldaten hätten den Palast durchkämmt und ein Waffenarsenal ausgehoben, heißt es.

Geburtstag

In der Zwischenzeit hat sich die Situation zum Glück wieder beruhigt, sodass Katharina und Luis wieder nach Kasese zurückkehren konnten. Sonst habe ich mich schon mich auf meinen Geburtstag und die Ankunft meiner Familie vorbereitet. Für meinen Geburtstag habe ich einen Tag davor einen Kuchen für die Kinder gebacken. An meinem Geburtstag wurde ich selbst auch mit einem selbstgebackenen leckeren Bananen-Nutella Kuchen überrascht. Diesen hatten Anika, Katharina und Lisa aus Kasese für mich gebacken. Ebenfalls einen Tag zuvor, nur zwei Stunden später im selben Guesthouse und Backofen, in dem auch ich gebacken hatte. Es war defintiv eine gelungene Überraschung! Im Kinderheim wurde natürlich für mich gesungen, bevor ich den Kuchen verteilte. Abends hatte ich ca. 25 Personen in unsere Wohnung eingeladen. Zum Essen hatte ich ganz viele Chapatis eingekauft und dazu noch verschiedene Gemüsedips und süße Dips vorbereitet. Es war ein sehr schöner Geburtstag, der mir immer in Erinnerung bleiben wird. 

Nach nur 1,5 Stunden Schlaf habe ich mich auf den Weg zum Busbahnhof gemacht, um meine Familie am Flughafen abzuholen. Über Kampala fuhr ich nach Entebbe an den Flughafen. Der Busfahrer ist so unglaublich schnell gefahren, als ob er mal austesten wollte, wie schnell der Bus am frühen Morgen ohne die sonst üblichen Verkehrs-Hindernisse fahren kann. Der Vorteil dabei war auf jeden Fall, dass ich tatsächlich gleichzeitig mit der aus Dubai kommenden Maschine am Flughafen ankam. Die Vorfreude auf den Besuch meiner Eltern und meines Bruders war schon groß - die Freude über ihre Ankunft riesig! Insgesamt hatten wir wunderschöne 3 Wochen, von denen ich euch die Highlights erzählen werde.

Ein defintiv spannendes Erlebnis für alle Neuankömmlinge sind die Busfahrten oder auch gelegentlichen Matatufahrten. Wer es noch nie selbst erlebt hat, weiß nämlich nicht, wie viele Menschen in ein Fahrzeug passen. Ein Matatu, auch Taxi genannt, ist nicht wie in Deutschland ein privates Auto, das man für sich alleine hat, sondern ein Kleinbus mit offiziell 11 (oder 14) Sitzplätzen plus Fahrer, das man sich mit bis zu 20 anderen Leuten teilen muss. Dazuhin passen auch noch ein paar Ziegen und Hühner unter die Sitze. 

Fort Portal

Nach ein paar Tagen in Fort Portal, wo ich all die schönen Ausflugsziele in meiner Umgebung zeigen konnte, sind wir dann zusammen Richtung Norden gestartet: zunächst auf der von allen Ugandern gefürchteten Strecke nach Hoima. Hier gibt es keine befestigte Straße und damit auch keine Busse. Auf der holprigen Erdpiste fahren nur Matatus. 5 Stunden lang saßen wir zu viert zusammengedrückt in einer Sitzreihe, begleitet von dem ohrenbetäubenden Scheppern der Fensterscheiben. Bis auf unsere Unterwäsche wurden Haut, Haare und Klamotten nach und nach in eine rotbräunliche Erdfarbe verfärbt. 

Eine weitere abenteuerliche Fahrt war von Moroto, dem Nordwesten Ugandas Richtung Süden. Das Matatu hat bei voller Geschwindigkeit ein Hinterrad verloren. Zum Glück waren aber genug Männer zur Stelle, sodass der Ersatzreifen nach kurzer Zeit mitten im Nirgendwo auf dem Auto war. Dieser war aber nur an drei Schrauben befestigt. Nach einer kurzen Probefahrt ging es weiter, bis dieser auch platt und dazuhin eine weitere Schraube abgebrochen war. Damit war unsere Fahrt zunächst beendet und wir warteten im Schatten sitzend auf die Rettung. Zum Glück wurden wir nach 1,5 Stunden von einem anderem Matatu in die nächst gelegene Stadt mitgenommen.

Weihnachten

An Weihnachten haben wir den Murchison Fall Park im Nordwesten Ugandas besucht.
Dieser Nationalpark ist mit einer Fläche von 3840 km² der größte Wildtierpark in Uganda. 1952 wurde der Park geschaffen, um die tierreiche Savannenlandschaft an den Murchison-Fällen des Viktoria-Nils zu schützen. Jedoch war insbesondere der Murchison Falls Nationalpark in den 1970er und 1980er Jahren von heftigen Wildereien betroffen. Großwild wie Elefanten, Löwen und Nashörner wurden für Trophäen, Elfenbein und Felle beinahe ausgerottet.

Die namensgebenden Murchisonsfälle liegen im Westteil des Parks und stürzen an dieser Stelle durch eine sieben Meter breite Schlucht 43 m in die Tiefe, welcher den Park in zwei Abschnitte teilt. In dem südlichen, etwas tierärmeren Teil befindet sich der feuchttropische Rabongo-Forest mit seinen zahlreichen Eisenbäumen. Der kleinere, nördliche Teil beherbergt einen höheren Tierbestand und deshalb haben wir dort nach einer Nilüberquerung auch unserem Game Drive gemacht. Dabei fährt man drei bis vier Stunden mit einem Auto durch den Park und hält Ausschau nach Tieren, wie Rothschildgiraffen, Nilpferden, Elefanten, Ugandakobs - eine Antilopenart, afrikanische Büffel und die ganz selten zu sehenden Löwen. Die Bootsfahrt und die Wanderung zu den Wasserfällen war beeindruckend, da man zwei Meter entfernt von dem Fall stehen und in die Tiefe schauen konnte.

Moroto

Mindestens genauso interessant waren die Tage in Moroto. Moroto ist eine kleine Stadt im Distrikt Karamoja im Nordosten Ugandas an der Grenze zu Kenia. Dort hat uns netterweise der dortige Projektleiter der Welthungerhilfe Dirk in seinem Büro empfangen, uns über die Geschichte und die heutigen Probleme dieser Region erzählt und am Nachmittag noch verschiedene Projekte gezeigt, unter anderem das Landfrauenprojekt. Diese Provinz Karamoja zählt zu den ärmsten Regionen des Landes. Die Kindersterblichkeitsrate ist extrem hoch – zwei von zehn Kindern erreichen nicht das fünfte Lebensjahr. Fast alle Haushalte haben ein tägliches Einkommen von weniger als einem Euro. Vor allem Frauen sind von der Armut sehr betroffen. Gemeinsam mit der Welthungerhilfe arbeiten sie an der Verbesserung ihrer Lebenssituation.

Der deutsche Landfrauenverband unterstützt dort Frauen, indem diese Ziegen bekommen. Ziegen deshalb, weil erstens es ugandischen Frauen erlaubt ist, diese Tiere zu besitzen im Gegensatz zu Kühen, welche den Männern gehören. Zweitens haben Ziegen nicht so viele Nahrungskonkurrenten. Im Gegensatz zu Schafen und Kühen können sie auf durch Dornbüsche "verbuschtem“ Gelände weiden, da sie Sträucher abfressen. Drittens geben Ziegen Milch und tragen so zur notwendigen Versorgung mit eiweißreicher Nahrung bei – vor allem für Schwangere und Kleinkinder. Die reichhaltige Ziegenmilch ist bei mangelernährten Müttern ein guter Muttermilchersatz.

Die Einheimischen wohnen in Gruppen zusammen und zwar in vielen kleinen Rundhütten, welche dann zusammen nochmal mit Strohzäunen umgeben sind. In Jinja haben wir – wie alle Touristen – die Nilquelle besucht. Im Viktoriasee gibt es eine Stelle an der diese Quelle festgemacht wurde: Hier sieht man das Wasser aus dem Seegrund bis zur Wasseroberfläche sprudeln. Daraus und aus dem See speist sich der Nil.

Johannes Geburtstag

Johannes´ Geburtstag Anfang Januar verbrachten wir auf den Ssese-Inseln im Viktoriasee. Von Entebbe aus fährt täglich eine Fähre in dreieinhalb Stunden auf die Hauptinsel Bugala. Dort hatten wir ein "geburtstagsangemessenes“ Hotel mit Swimmingpool gebucht. Hier verbrachten wir drei eher ruhige Tage mit Schwimmen im Pool, da vom Baden im Viktoriasee aufgrund des Risikos der Bilharziose-Krankheit sowie der Nilpferde und Krokodile abgeraten wird. Trotzdem ist ist das Archipel ein paradiesischer Ort, mit Sandstrand, Palmen und netten Menschen. Eine Frau, die bei der Anlegestelle der Fähre ein kleines Restaurant besitzt, hat uns jeden Abend ein Festessen gekocht.

Boda Bodas

Mit Boda Bodas, den Motorradtaxis, haben wir die Insel erkundet, sind an riesigen Palmölplantagen vorbei zu einem Ananasfeld gefahren um auf dem frisch abgeerntete Feld nach reifen Früchten zu suchen. Dabei haben wir uns die Beine zerkratzt und Johannes war enttäuscht, dass Ananas nicht auf Bäumen wachsen.
Eine gute Erfahrung war das Übernachten in Backpacker-Hostels. Zum Teil sogar in Schlafsälen. Wir fanden überall saubere Betten und interessante Menschen vor. Sowohl die Hostel-Betreiber als auch die Gäste dieser "Billigunterkünfte“ waren immer nett. So trafen wir ein älteres amerikanisches Ehepaar, das vor 50 Jahren als Anhalter durch Afrika gereist war und nun einige der „alten“ Orte nochmals aufsuchen wollte …

Ein junger Franzose, der mit seinem Fahrrad nach Kapstadt in Südafrika unterwegs ist…  Und all die Safari-Touristen, die der "Gorillas im Nebel“ wegen im Land waren. Diese Treckingtouren zu den Gorillas sind jedoch sündhaft teuer; Deshalb haben wir uns davon lieber von anderen Reisenden berichten lassen.

Jetzt bin ich wieder zurück in Fort Portal und bin noch eine Woche im Büro, da die Kinder bei ihren Familien sind. Ich freue mich schon auf die kommende Zeit da das Zwischenseminar in Kampala, der Schulanfang und vieles mehr ansteht.

Viele liebe Grüße aus dem warmen Fort Portal
Paulina

 

 

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