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Final Countdown - Noch 30 Tage

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Ich bin Deborah, werde von meinen Freunden aber meist einfach nur Debbie genannt. Mit meinen 19 Jahren habe ich nun erfolgreich mein Abitur absolviert und mich dazu entschlossen, mir ein Jahr Zeit zu nehmen, bevor ich ein Studium antreten werde. Aber nicht etwa um einfach nichts zu tun – im Gegenteil! Ich habe mich dazu entschieden, ein Jahr lang für Menschen einzutreten, die nicht so viel haben wie wir hier in den westlichen Industrieländern.

Da für mich sofort klar war, dass ich mit benachteiligten Kindern arbeiten möchte, fiel meine Wahl schließlich auf Namibia. Übersetzt heißt Namibia "Land, in dem es nichts gibt", was wohl im Vergleich zu unserem deutschen Überfluss auch ziemlich zutreffend ist.

Frewilligen-WG

Ein Jahr lang werde ich, ab August diesen Jahres, an der Havana Primary School in Windhoek, der Hauptstadt Namibias arbeiten. Die Kinder dort kommen aus einem der ärmsten Stadtteile Windhoeks und sind zwischen sieben und vierzehn Jahren alt. Meine Aufgaben werden sein, den Lehrern beim Unterrichten der teilweise über 50-köpfigen Klassen zu assistieren und Freizeitangebote nach der Schulzeit zu leiten. Mit mir werden drei weitere Freiwillige an dieser Schule arbeiten, mit welchen ich mir dann ebenfalls eine WG in Windhoek teilen werde.

Das ganze läuft im Rahmen des Internationalen Jugendfreiwilligendienstes ab, welcher teilweise vom Staat gefördert wird. Aber eben leider nur teilweise. Deshalb ist meine Organisation Volunta, eine Tochterorganisation des Roten Kreuzes, auch auf Spenden angewiesen. Insgesamt belaufen sich die übrigen Kosten für meinen Freiwilligendienst auf 2940€. Wenn auch du sich für den interkulturellen Dialog einsetzen und mich bei meinem Freiwilligendienst unterstützen möchten, kannst du gerne eine Mail an die Stimmt! Redaktion schicken. Die Nachricht wird dann an mich weitergeleitet, sodass ich alle Fragen beantworten und dir gegebenenfalls die Daten des Spendenkontos zukommen lassen kann – dieses läuft übrigens direkt über meine Organisation.

Es wird ernst!

Langsam wird's auch richtig ernst – mein Flug ist nämlich schon gebucht, alle nötigen Formulare sind ausgefüllt und das Visum ist beantragt. Es gibt also kein Zurück mehr!

Es ist ein ziemlich komisches Gefühl, zu wissen, dass die Menschen, die man tagtäglich sieht, bald alle für ein Jahr tausende von Kilometern entfernt sein werden und nur noch per Skype, Telefon etc. erreichbar sein werden. Trotz allem wird meine Vorfreude dadurch nicht getrübt und ich merke langsam, wie die Aufregung steigt und mache mir langsam Gedanken darüber, was ich wohl alles einpacken muss, denn meinen gesamten Kleiderschrank werde ich wohl kaum in einen einzigen Koffer bekommen.

Das Vorbereitungsseminar

Unser zehntägiges Vorbereitungsseminar, welches in einer Jugendherberge in Wiesbaden stattfand und bei welchem ich meine Mitfreiwilligen kennenlernen durfte, machte das Ganze für mich dann nochmal realer. Natürlich waren wir alle total aufgeregt und gespannt, mit wem wir wohl zusammenleben würden. Nachdem dann aber die ersten Bekanntschaften geschlossen wurden, waren wir alle beruhigt und alle anfänglichen Sorgen waren beseitigt. Nach den üblichen organisatorischen Anfangspunkten hatten wir bei einem anschließenden 'walk to talk' die Möglichkeit, auch die übrigen, uns bis dahin unbekannten, Gesichter kennenzulernen.

Zehn Tage lang hatten wir jeden Tag verschiedene Seminare, welche sich letzen Endes, bis auf die entspannte Atmosphäre und unsere lockeren Teamer, nicht groß von normalem Unterricht unterschieden. Jeden morgen ging es um 9 Uhr nach dem Frühstück los, ab 12 Uhr hatten wir dann drei Stunden Mittagspause, bis die zweite Tageseinheit von 15 bis 18 Uhr begann. Anschließend gab es dann Abendessen und an manchen Tagen hatten wir dann sogar noch zusätzlich von 19  bis circa 22 Uhr Seminar. Alles in allem also ein ziemlich straffer Zeitplan, bei dem trotz Temperaturen jenseits der 35° Grenze leider keine Zeit für Schwimmbad oder Ähnliches blieb.

 

Die ersten Tage verliefen  eher weniger aufregend. Wir beschäftigten uns mit eher trockenen Themen wie Feedback, Reflexion und Konflikten und arbeiteten dabei hauptsächlich in Gruppen. Am ersten Abend fuhren wir gemeinsam mit den Gruppen der anderen Länder auf ein Deutsch-Amerikanisches Friedensfest, welches sich als kleiner Jahrmarkt entpuppte. 

 

 

Obwohl wir uns ja noch gar nicht lange kannten, hatten wir trotzdem die ganze Zeit total viel Spaß und mit persönlich kam es fast so vor, als würde ich die anderen schon ewig kennen. Ich glaube, dass wir alle eine gewisse Leidenschaft für Kinderspiele entdeckten, welche immer wieder unsere Seminare auflockern und als Vorschläge für unsere Arbeit mit den Kindern dienen sollten. Täglich gab es eine neue Tagesverantwortung, welches sich um die sogenannten "Warm-Ups (WUPs)" beziehungsweise "Energizer" kümmern sollten.

 

 

Nach drei Tagen musste ich die anderen auch schon verlassen, – wenn auch nur vorübergehend – da ich natürlich meinen Abiball und die Zeugnisübergabe auf keinen Fall verpassen wollte. Dabei war ich nicht die Einzige, das ganze Seminar über war es ein ständiges Kommen und Gehen. Mehr als die Hälfte von uns traf in diesem Zeitraum das letzte Mal auf die gesamten Mitschüler und ehemaligen Lehrer, um den gemeinsamen Abschluss zu feiern. 

 

 

Leider verpasste ich somit aber den Besuch der Namibianerin Judy. Sie ist die Mentorin der Freiwilligen, welche nach Rehoboth gehen werden und ist extra angereist, um uns von ihrem Heimatland zu berichten und unsere Fragen zu beantworten. 

 

 

Vorurteile und Rassismus

Nach meiner Rückkehr ging es dann auch gleich weiter mit den Themen Rassismus und Privilegien, welche ich persönlich super spannend fand. Viele von uns verstehen den Begriff Rassismus total falsch, er kennzeichnet lediglich die Diskriminierung von Menschen aufgrund unterschiedlicher Hautfarbe und nicht, wie viele meinen, allgemein die Diskriminierung von Ausländern. Allgemein gibt es auch Menschen, welche rassistisch sind, ohne es zu merken, indem sie Farbigen besondere sportliche Fähigkeiten oder Ähnliches zuschreiben, da hierbei bereits eine Abgrenzung in verschiedene Rassen bewirkt wird. Man nennt dies den positiven Rassismus

Es gibt außerdem sehr viele Vorurteile gegenüber Afrika. Der Kontinent wird von uns oft nur als einzelnes Land gesehen, in welchem alle Menschen arm sind und hungern müssen. Viele Menschen realisieren nicht, dass es auch in Afrika ärmere, aber auch reichere Länder und Gegenden gibt und die Menschen dort durchaus auch ein glückliches, zufriedenes Leben führen können. Diese Stereotypen folgen großteils auch aus unseren Medien, wir werden überrollt von Charityvideos und Bilder trauriger, afrikanischer Kinder, sodass wir dieses Vorurteil meist gar nicht erst hinterfragen.

Auch das Thema HIV spielte eine Rolle in unseren Seminaren, da rund 13% der Bevölkerung in Namibia infiziert sind. Wir sprachen darüber, wie wir mit diesem Thema umgehen, wie wir uns selbst schützen können und dass wir beim Händeschütteln oder beim Friseur natürlich keine Angst haben brauchen, was wohl immer noch als allgemeiner Irrglaube verbreitet ist. 

Workshops

Ein weiteres Highlight waren für mich die Workshops zum Thema Corporal Punishment und Schulassistenz, welche mich persönlich besonders betrafen und freiwillig besucht werden konnten. Wir erfuhren mehr zu unserem künftigen Schulalltag und wie wir am Besten mit der, leider immer noch gebräuchlichen, körperlichen Züchtigung an den Schulen umgehen sollten.
 
Viel zu früh war dann am Samstagabend auch schon unser Abschlussabend, bei welchem wir gemeinsam grillten und mit den Freiwilligen der anderen Länder zusammen saßen. Bei einem Gehfußball-Turnier konnten dann die Freiwilligenteams jeweils ihr Können unter Beweis stellen. 

Besonders schön fand ich auch noch die Idee unserer Teamer Sarah und Chris, jedem von uns zum Abschied eine Karte mit einem Gruppenfoto und einem kurzen, persönlichen Brief zu überreichen. Ebenso bekam jeder von uns einen eigenen Briefumschlag, welchen die anderen mit kleinen Briefchen, Zeichnungen oder Sprüchen füllen durften. Ich habe mich wirklich total gefreut, als ich die Nachrichten endlich lesen durfte, die Zettelchen waren wirklich alle total lieb geschrieben und gestaltet, sodass die Vorfreude, ein Jahr mit diesen Menschen zu verbringen umso mehr anstieg.

Insgesamt war es wirklich ein sehr spannendes und lehrreiches Seminar und ich habe meine Mitfreiwilligen jetzt schon total ins Herz geschlossen

In 30 Tagen geht es dann auch schon los und bis dahin gilt es noch einiges vorzubereiten und noch viele liebe Menschen zu verabschieden.

 

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