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Ein bisschen namibianischer Schulalltag

Übersicht

Seit zweieinhab Wochen arbeite ich nun schon an der Havana Primary School. Der Unterricht beginnt täglich um 7.10 Uhr und endet um 13 Uhr.

Montags in der ersten Stunde findet jede Woche eine Schülerversammlung statt, in welcher gesungen, gepredigt und gebetet wird. In der ersten Versammlung nach den Ferien - hier waren es die Winterferien, mitten im August! - wurden auch wir Freiweilligen vorgestellt. Begleitet wurde unsere Vorstellungsrunde von begeisterten "Aaahs" und "Oohs" der Schüler.

Später an diesem Tag rannte ein Schüler mit den Worten "You are lying, Miss, you can't be 19, you look like 28" auf mich zu. Bei den Schülern werde ich nun "Miss Debbie", beziehungsweise bei denen, die meinen Namen noch nicht kennen, "Miss Teacher" genannt.

Mathe und Naturwissenschaften

Bis Dezember, wenn die Sommerferien beginnen werden, werde ich nun Mathe und Naturwissenschaften in der sechsten Klasse unterrichten. Momentan begleite ich noch hauptsächlich meine Lehrerin, habe aber auch schon ein paar Stunden selbst übernommen. In meinen ersten Unterrichtsstunden besprach ich mit den Schülern ihre Examen welche sie vor den Ferien geschrieben hatten.

Ein Schuljahr besteht hier aus Abschnitten, den sogenannten "Terms". Jeder Term dauert drei Monate, am Ende werden die Examen geschrieben, welche dann am Ende des gesamten Schuljahres über die Versetzung des Schülers entscheiden. Zwischen den einzelnen Terms sind jeweils für fünf Wochen im Sommer und Frühling, beziehungsweise zwei Wochen im Winter, Ferien.

Anders als in Deutschland geht es hier weniger darum, viele Einserschüler hervorzubringen, sondern vielmehr darum, möglichst viele vor dem Durchfallen zu bewahren. In unserer Lehrerkonferenz zu Beginn des Terms wurde besprochen, wie viele Schüler in den jeweiligen Klassen vor dem Sitzenbleiben bedroht sind, die Zahlen waren für mich ziemlich überraschend und schockierend. Benotet wird hier nicht in richtigen Noten, sondern in Prozent. Wer weniger als 30% der Gesamtpunktzahl in einem Fach erhält, muss das Schuljahr wiederholen.

Schuluniformen und schicke Frisuren

Allgemein ist der Schullalltag hier wesentlich strenger geregelt als an deutschen Grundschulen. Schüler müssen in ordentlicher und sauberer Schuluniform erscheinen, was leider nicht immer der Fall ist. Oft sind Pullover und Hosen zerrissen, ab und zu erschienen Schüler auch schon barfuß zum Unterricht.

Geflochtene Zöpfe und Extensions sind ziemlich beliebt hier in Namibia. Kaum eine Frau trägt ihre "echten" Haare. Bei den Schülerinnen sind diese Haarverlängerungen jedoch streng verboten, da die Schule ja "keine Modenschau" sei. Haare oder Zöpfe dürfen nicht länger als kinnlang sein, die Jungen müssen die Haare jederzeit kurz geschoren tragen.

Corporal Punishment

Mit durchschnittlich 45 Schülern sind die Klassen der Havana Primary School ziemlich groß. Viele Lehrer können sich bei dieser Klassengröße nicht richtig durchsetzen, weshalb das "Corporal Punishment", das Schlagen von Schülern zur Bestrafung, leider bei manchen Lehrern noch angewandt wird. Offiziell ist die körperliche Züchtigung zwar durch die Regierung verboten, doch praktisch wird sie sogar von einem Großteil der Eltern unterstützt, welche ihre eigene Erziehungsaufgabe an die Lehrer übergeben.

Jeden Montag stehen bei mir zwei Stunden "Physical Education", also Sportunterricht, bei den fünften Klassen auf dem Stundenplan. Praktisch ist Sportunterricht hier leider so gut wie unmöglich, da wir anstatt einer Sporthalle oder eines Platzes lediglich einen steilen, uneben und von Steinen übersäten Schulhof zur Verfügung haben. Also bleibt nichts anderes übrig, als Spiele wie "faules Ei" oder Fangen mit den Kindern zu spielen. An manchen Tagen ist es am Morgen jedoch bereits so heiß und sonnig, dass wir im Klassenzimmer bleiben und dort Spiele spielen. Ganz begeistert wollten die Kinder dabei auch ein paar deutsche Wörter von mir lernen und brachten mir im Gegenzug ein bisschen Oshiwambo bei.

Richtige Lehrerin

Der christliche Glauben spielt an namibischen Schulen eine ziemlich große Rolle. Morgens, zu Beginn, und mittags, mit dem Ende des Unterrichtstages, wird mit der ganzen Klasse gebetet und um Segen für den Schultag gebeten.

Ich bin schon sehr gespannt, wann ich dann ganz alleine meinen Unterricht vorbereiten und halten werde und wie es sich anfühlt, als "richtige Lehrerin" alleine vor fast 50 Schülern zu stehen. Ich freue mich auf jeden Fall schon total auf diese Erfahrung.

Ab heute bin ich übrigens auch selbst wieder "Schüler". Ich werde nun jeden Dienstag und Donnerstag für eineinhalb Stunden zusammen mit den anderen Freiwilligen Africaans lernen, sodass ich mich hoffentlich auch bald ein wenig auf der Landessprache unterhalten kann. Africaans ist eine Mischung aus Deutsch, Französisch und Holländisch, deshalb hoffe ich, dass es mir nicht allzu schwer fallen wird, die Sprache zu lernen.

 

 

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