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Wohin geht's am Samstag?

Übersicht
"Solln mal morgen ins …?" So und in leicht abgewandelter Form lautet an mindestens 48 von 52 Wochenenden die Frage, wenn die Lust aufkeimt, einen Samstagabend nicht im stillen Kämmerlein, sondern in geselliger Runde zu verbringen. Falls keine höhere Gewalt oder sonstiges Getier dazwischen kommt, ist die Antwort meist: "Ja klar".

Die Frage nach mangelnden Alternativen bleibt jedoch im Raum stehen. Durch den jahrelangen Besuch und damit der indirekten Subventionierung der Umwandlung einer Metalkneipe in eine halbe Spielhölle, in der abends öffentlich-rechtliche Radiosender mit den prickelnden aktuellen Charts gespielt werden, etablieren sich gewisse Automatismen.


Vorbereitungen

Die eingangs gestellte Frage kann sowohl freitags als auch samstags zwischen 18 und 19 Uhr erörtert werden. Die Vorbereitungen für den Ausflug werden anschließend in Angriff genommen: Öffnen des Kühlschranks, Entfernen der Nahrung und Einlagerung in der Mikrowelle beziehungsweise in den Backofen.

Im Idealfall heiß und fettig, so dass eine gute Basis gelegt wird, um das erste gepanschte Weizenbier des Abends zu vertragen. Es folgt eine kritische Begutachtung der Garderobe, wobei eventuelle Zweifel durch den Gedanken beiseitegeschoben werden, dass man eh nur dahin geht, wo man sowieso immer hingeht.


Zwischenstopps auf dem Weg

Gegen 20 oder 21 Uhr steht das Taxi in Form des Freundes vor der Tür, der den Abend mit Coca-Cola und Multivitaminsaftschorle verbringen darf. Ebenso wird der dritte Mann im Bunde in den Fond des Wagens verfrachtet, wenn dieser die Erlaubnis erhalten hat, Alkoholmissbrauch in Maßen zu betreiben (die meist nur Formsache ist). 

Zwischendurch wird gepflegte Konversation getrieben: "Und, wie war die Woche bei dir so?  -  War was Besonderes auf Arbeit gewesen? Du warst ja auswärts? –Joa, ganz locker, geile Bude, gut gearbeitet, viel Stau aufm Rückweg." Danach kommen die üblichen Zwischenstopps (Ich muss nochmal zur Bank / Ich muss nochmal Kippen kaufen). Die Fahrt endet in einem Hinterhof, der seinerseits an einen Friedhof und an Luigis italienischem Ristorante angrenzt.

Ein Tor ist, wer hierbei eine Kooperation zwischen den dreien Einrichtungen vermutet. Durch einen kräftigen Schwung öffnet sich die Türe nach außen und mit dem Eintritt der lustigen Truppe kann der Abend begonnen werden.


Nicht ganz legale Aktivitäten

Vordergründig möchte man nicht dorthin, um zu picheln: es werden zahlreiche andere Möglichkeiten der Unterhaltung geboten. Neben Billard und Dart gibt es Spielautomaten und einen Raum, in dem nicht ganz legale – aber dann und wann lukrative - Pokerturniere veranstaltet werden.

Der einzige Dartautomat ist dagegen alleine auf weiter Flur und launisch wie die alleinerziehende, stark tätowierte und gepiercte Thekenfachkraft: Er nimmt Geldstücke gerne an, vergisst es aber manchmal, oft weigert er sich, trotz Bezahlung ordnungsgemäß seinen Dienst zu verrichten, lässt sich seine Zeit,  zickt manchmal rum und mag es nicht, wenn man an seinen Knöpfen rumspielt.


Die drei F's der Konversation

Daher verbringt man den überwiegenden Teil des Abends an der Theke. Der Bestellvorgang gleicht sich den vorhergehenden Besuchen an. Einmal wie immer. So gerüstet, begibt man sich in die feine Kunst der Rhetorik und ihrer Anwendung: Als Basis dient dazu oft der vorherige Konsum bestimmter Boulevardzeitungen, so dass die Themenfelder klar definiert sind: Frauen, Fußball, Formel 1, bestimmte politische Ereignisse und der letzte alkoholhaltige Absturz.

Diese tiefsinnigen und äußerst abwechslungsreichen Gespräche werden dazu mit schönen Verwechslungen von scheinbar und anscheinend, als und wie, dem Gebrauch des Superlativ Einzigster sowie der Unkenntnis der richtigen Anwendung des Konjunktivs angereichert. Unterbrochen wird dies nur durch Toilettengänge und die überflüssige Frage, ob man noch Nachschub wolle

 

Erkenntnisgewinn

Die Abwechslung, dies hat der werte Leser schon bemerkt, hält sich von diesem Ort fern. Einzig die Tatsache, dass der Autor dieser Zeilen ein abgeschlossenes Studium besitzt und die Gespräche durch Anmerkungen anreichert, die seine Mitstreiter etwas verwirren (Die Europäische Kommission? Was ist dat denn?), unterscheidet es von anderen.

Der Abgang von der Bühne findet dann meist zwischen Mitternacht und ein Uhr morgens statt: Mit reichem Erkenntnisgewinn stolpert der arbeitsuchende Akademiker zurück zum Hotel Mama. Vorher zieren sich die anderen Herrschaften und versuchen, durch das Spendieren von Getränken eine weitere Gelegenheit zu haben, weiter an der reifen Frucht der Diskussion zu nagen. Doch eins ist gewiss: Der nächste Samstagabend wird kommen



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