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Im Southside-Schlamm

Übersicht
Much too much Matsch – so lässt sich das vergangene Wochenende auf dem Southside-Festival zusammenfassen. Insgesamt traten 81 Künstler auf vier Stages auf und heizten ihren Fans trotz strömendem Regen und knöcheltiefem Matsch ordentlich ein.

Jeder hatte sein ganz persönliches Highlight. Dennis Hammerschmidt aus Heilbronn war begeistert, "als bei Darwin Deez das komplette Festivalzelt 'Bad Day' mitgesungen hat." Es sei aber auch toll gewesen, Laura-Mary Carter, die Sängerin von den Blood Red Shoes, live zu sehen.

Bands von internationaler Größe zogen ihr Publikum selbst bei strömendem Regen und aus aller Welt an. So traf ich nicht nur auf Besucher aus Baden-Württemberg, sondern auch auf Musikliebhaber aus Frankreich, den Vereinigten Staaten und sogar Australien.



Müllsack als Alternative

Doch ein Wolkenbruch nach dem anderen suchte das Festival heim und so machte die Not erfinderisch. Als die mitgebrachten oder für einen Euro günstig erworbenen Regenponchos versagten, musste der gute alte Müllsack herhalten. Doch nicht nur das Köpfchen sollte geschützt werden.

Unverzichtbar waren auch Gummistiefel: Egal, ob klassisch Dunkelgrün, mit Tigermuster oder Pink mit Plüsch. Hauptsache, sie hielten die Füße trocken und die Socken schlammfrei. Alle, die dieses wichtige Accessoire vergessen hatten, konnten sich für zehn Euro im "Uncle Emma"-Laden neue kaufen. Dort gab es auch andere wichtige Dinge wie Zelte, Campingstühle und Zahnbürsten.



Party und Naturgewalten

Nachdem die Auftritt zwischen null und zwei Uhr nachts endeten, ging es im Partyzelt weiter. Viel Schlaf habe ich in meinen vier Nächten im Zelt nicht gefunden. Wenn ich um 7 Uhr noch nicht von der Helligkeit des Tages aufgewacht bin, spätestens gegen 8 Uhr wurde ich von der lauten Morgen-Metal-Musik unserer Zeltnachbarn geweckt.

Wirklich viel, außer Wasser heiß machen und mit ungesundem Essen wie Chips sowie Fünf-Minuten-Terrinen den Hunger stillen, lief bei den meisten Campern vor 12 Uhr sowieso nicht. Der Dauerregen, der gegen die Zeltwände prasselte, die kalten Duschen oder dreckigen Dixi-Klos motivierten einen nicht gerade dazu, mehr aus seinem Wochenendmorgen zu machen, als einfach faul im Zelt liegen zu bleiben.

Mit der Aussage "You're sleeping in the mud 'cause you're lovin' music", sprach Gerard Way, der Sänger der Band My Chemical Romance den Grund aus, warum wir uns alle Wind und Wetter aussetzten und trotzdem drei Tage auf dem Campinggelände aushielten. Janine Osterberg aus Heilbronn drückt es so aus: "Sonnenbrand im Regen bekommen, das ist Southside."



Kreativität war gefragt

Ganz ehrlich, es geht doch nichts über schlammbespritzte Gummistiefelfüße, die man am Feuer wärmt. Und auch die Zerstörungswut des Unwetters brachte die Musikfans nicht aus der Ruhe. So wurde die Zeit, die man nicht auf dem Festivalgelände verbrachte dazu genutzt, die im Sturm zerstörten Zelte, Pavillons und Stühle zu recyceln.

Sitzgelegenheiten und Tische wurden gestapelt und als Kunst ausgestellt, Pavillonplanen stiegen als Drachen in den Himmel und Zelte in Regenmäntel umfunktioniert.



Festival-Erfahrungen

Leider sind auch dieses Jahr wieder viele Gegenstände verloren gegangen oder geklaut worden. Allerdings stellt sich auch wieder die Frage, wie sinnvoll es ist, ein iPad oder eine 200-Euro-Sonnenbrille mit auf ein Festival zu nehmen. Es wird nicht ohne Grund empfohlen, seine Wertsachen zu Hause zu lassen und die wichtigen Dinge wie Handy und Geld immer bei sich am Körper zu tragen.

Falsch war es trotzdem nicht, sein Zelt mit einem kleinen Schloss zu verschließen, da sich ein paar wenige, nassgewordene Festivalbesucher damit vergnügten, sich in den Kleidertaschen anderer zu bedienen.

"Allerdings bin eher ich selbst malträtiert worden. Ich hab ein knallrotes Sonnenbrandgesicht, Haare, die man in die Mülltonne kippen könnte, und überall blaue Flecken, von denen ich nicht weiß, wo sie her kommen", sagte Rike Vees, 18, aus Rottenburg lachend. "Aber hey, die Bands waren es auf jeden Fall wert und man ist schließlich nur einmal jung."


Wenn du wissen willst, welche zehn Dinge auf Festivals überlebenswichtig sind, dann klick [hier]. Mehr Infos über die zehn Dinge, die du auf Festivals niemals tun solltest, bekommst du [hier].


Zum Steckbrief von Laura geht's [hier].


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